Panikattacken: Was tun im Akutfall und danach?
Was während einer Panikattacke hilft, wann die 112 richtig ist und welche Behandlung bei wiederkehrenden Panikattacken infrage kommt.
Eine Panikattacke kommt oft ohne Vorwarnung: Das Herz rast, die Luft wird knapp, und die Angst, zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren, wird übermächtig. Dieser Ratgeber erklärt, was im Akutfall hilft, wann eine Panikattacke medizinisch abgeklärt werden muss und welche Wege aus wiederkehrenden Panikattacken führen können. Er richtet sich an Betroffene und an Angehörige und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.
Panikattacke: Was tun im Akutfall?
Die folgenden Schritte stammen aus Empfehlungen der Deutschen Angst-Hilfe und der Stiftung Gesundheitswissen. Sie gelten für Menschen, bei denen eine körperliche Ursache bereits ausgeschlossen ist. Ist das nicht der Fall, lesen Sie zuerst den nächsten Abschnitt.
- Atmung bewusst verlangsamen: Schnelles Atmen gehört zur Panikattacke und kann sie verstärken. Atmen Sie mehrmals ruhig ein und aus oder nutzen Sie eine Atemtechnik, die Sie geübt haben.
- Die Angst benennen: Sagen Sie sich: Das ist eine Panikattacke, sie geht vorbei, auch wenn es sich gerade anders anfühlt. Die Angst begrenzt sich selbst.
- Nicht gegen die Angst kämpfen: Wer sie unterdrücken will, verstärkt sie oft. Lassen Sie die Welle kommen und wieder gehen.
- In die Sinne gehen: Was sehe ich, was höre ich, was rieche ich? Das lenkt die Aufmerksamkeit in den Augenblick zurück.
- Kälte oder Bewegung nutzen: Manchen hilft es, kühles Wasser zu trinken, etwas Kühles auf die Unterarme zu legen oder ein Stück zu gehen.
- Möglichst nicht flüchten: Flucht erleichtert kurzfristig, kann die Angst vor dem Ort aber langfristig verstärken. Wenn Sie können, bleiben Sie, bis die Angst nachlässt.
- Danach ausruhen: Eine Panikattacke ist körperlich anstrengend. Erschöpfung ist normal. Nehmen Sie sich Zeit und tun Sie sich etwas Gutes.
Welche Bewältigungsstrategien zu Ihnen passen, finden Sie am besten in ruhigen Zeiten heraus. Was Sie geübt haben, steht in der Panik leichter zur Verfügung.
Wann ist eine Panikattacke ein Notfall?
Dieselben Symptome können auch andere Ursachen haben, etwa einen Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Asthma, eine Unterzuckerung oder eine Schilddrüsenüberfunktion. Rufen Sie deshalb den Notruf 112, wenn
- Brustschmerzen, Druck in der Brust oder Atemnot zum ersten Mal auftreten, ungewohnt stark sind oder anders als sonst,
- Lähmungen, Sprachstörungen oder Bewusstlosigkeit hinzukommen,
- Sie unsicher sind, ob es wirklich eine Panikattacke ist,
- jemand sich oder andere akut gefährdet.
Wenn es nicht lebensbedrohlich ist und die Praxis geschlossen hat, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117. Bei Verzweiflung oder Suizidgedanken erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr, kostenfrei und anonym unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Die Leitlinie weist darauf hin, dass das Suizidrisiko bei Angststörungen erhöht sein kann. Sprechen Sie solche Gedanken offen an. Mehr dazu steht auf den Seiten Psychische Krise und Suizidgedanken ansprechen.
Typische Symptome einer Panikattacke
Eine Panikattacke tritt plötzlich auf, steigert sich laut S3-Leitlinie über etwa zehn Minuten und klingt dann wieder ab. Nach den Kriterien der ICD-10 spricht man von einer Panikattacke, wenn vier oder mehr Symptome unerwartet auftreten. Dazu gehören:
| Bereich | Mögliche Symptome |
|---|---|
| Herz und Atmung | Herzrasen, unregelmäßiger Herzschlag, Atemnot, Erstickungsgefühl, Enge oder Schmerz in der Brust |
| Körper | Schwitzen, Zittern, Mundtrockenheit, Übelkeit, Hitzewallungen, Kälteschauer, Taubheit oder Kribbeln |
| Kopf | Schwindel, Benommenheit, Gefühl von Unwirklichkeit oder nicht richtig da zu sein |
| Gedanken | Angst, die Kontrolle zu verlieren, verrückt oder ohnmächtig zu werden, Angst zu sterben |
Panikattacke oder Panikstörung?
Eine einzelne Panikattacke ist noch keine Erkrankung. Laut Deutscher Angst-Hilfe erlebt jeder siebte bis zehnte Mensch einmal im Leben eine. Von einer Panikstörung spricht man, wenn wiederholte Panikattacken auftreten und über mindestens einen Monat die Sorge vor weiteren Attacken bleibt oder Betroffene deutlich beginnen, Situationen zu meiden. Laut S3-Leitlinie sind rund 2 von 100 Erwachsenen innerhalb eines Jahres von einer Panikstörung betroffen.
Häufig kommt eine Agoraphobie hinzu: die Angst vor Orten, an denen Flucht schwer möglich wäre oder peinlich wirken könnte, etwa Menschenmengen, Bahnen oder Kaufhäuser. Dieses Vermeidungsverhalten engt das Leben schrittweise ein, weil gemiedene Situationen immer mehr werden. Die Angst vor der Angst hält den Kreislauf in Gang.
Ursachen von Panikattacken
Meist kommen mehrere Faktoren zusammen. Dazu zählen eine erhöhte Anfälligkeit, belastende Lebensereignisse wie Verlust oder Trennung und eine hohe Grundanspannung im Alltag. Im Teufelskreis der Angst wird eine harmlose Körperempfindung als Gefahr gedeutet, die Angst steigt, der Körper reagiert stärker, und die Panik baut sich auf. Auch körperliche Erkrankungen können Panikattacken auslösen, deshalb steht die Abklärung am Anfang.
Nach der Panikattacke: professionelle Hilfe in Anspruch nehmen
Wenn Panikattacken wiederkehren, sollten Sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Die Hausarztpraxis prüft körperliche Ursachen, die S3-Leitlinie nennt dafür unter anderem Blutwerte, Schilddrüsenwerte und ein EKG. Danach empfiehlt sie, Patientinnen und Patienten über Psychotherapie und Medikamente aufzuklären und gemeinsam zu entscheiden.
- Kognitive Verhaltenstherapie: Sie soll Menschen mit Panikstörung oder Agoraphobie angeboten werden. Ein wichtiger Teil ist, sich gefürchteten Situationen begleitet zu stellen.
- Psychodynamische Psychotherapie: Sie kommt infrage, wenn eine Verhaltenstherapie nicht gewirkt hat, nicht verfügbar ist oder nicht gewünscht wird.
- Medikamente: Empfohlen sind bestimmte Antidepressiva, die ärztlich verordnet und begleitet werden.
- Benzodiazepine: Sie sollen wegen der Abhängigkeitsgefahr nicht regulär angeboten werden, sondern nur in begründeten Ausnahmefällen.
Einen Therapieplatz finden Sie über die Terminservicestelle unter 116 117, die Praxis oder eine Selbsthilfegruppe. Den genauen Ablauf beschreibt Psychotherapie beantragen.
Panikattacken vorbeugen und Angst abbauen
Was im Alltag helfen kann, Panikattacken seltener werden zu lassen, ersetzt keine Behandlung, ergänzt sie aber sinnvoll:
- Grundanspannung senken, etwa mit Entspannungstechniken wie progressiver Muskelentspannung oder Atemmeditation
- Ausdauersport als ergänzende Maßnahme, wie ihn die Leitlinie bei Panikstörung nennt
- ausreichend Schlaf, wenig Alkohol und Koffein
- Vermeidungsverhalten in kleinen Schritten abbauen, am besten mit therapeutischer Begleitung
- Austausch in einer Selbsthilfegruppe, Adressen über die NAKOS oder die Deutsche Angst-Hilfe
Ausführlicher beschreibt das der Ratgeber Angststörung: Selbsthilfe. Er erklärt auch DiGA, also Apps auf Rezept, und nennt Bücher, die sich zur Überbrückung einer Wartezeit eignen.
Panikattacken: Was können Angehörige tun?
Bleiben Sie ruhig, sprechen Sie langsam und in kurzen Sätzen. Erinnern Sie daran, dass die Angst nachlässt, und drängen Sie nicht. Sind die Symptome neu oder ist die Ursache unklar, rufen Sie die 112. Wie Sie langfristig unterstützen, ohne Vermeidung zu verstärken, lesen Sie im Artikel Angststörung beim Partner.
Ergänzende Selbsthilfe-Kurse
Neben Therapie und DiGA gibt es frei verkaufte Kurse. Ein Beispiel ist Mission Angstfrei 2.0* von Sascha Jurek, ein Online-Selbsthilfekurs mit 7 Modulen, 27 Hypnosen und Übungen, einem Workbook und einer Facebook-Gruppe. Laut Anbieter ersetzt er keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Er kann deshalb allenfalls eine Ergänzung sein, wenn Ihre Beschwerden abgeklärt sind, und ist nichts für die akute Panikattacke oder eine Krise.
Der Preis liegt laut Bestellseite bei 297 Euro, in Raten bei 317 Euro, und Sie tragen ihn selbst. Hypnose gehört nicht zu den Verfahren, die die S3-Leitlinie empfiehlt. Wir haben den Kurs nicht getestet und können zur Wirkung nichts sagen. Der Name ist ein Produktname, kein Versprechen. Worauf Sie vor dem Kauf achten sollten, steht im Ratgeber Angststörung: Selbsthilfe.
Werbehinweis: Der mit * markierte Link ist ein Partnerlink. Kommt darüber ein Kauf zustande, erhält Lichtblick eine Provision, für Sie ändert sich der Preis nicht. Unsere Einordnung beeinflusst das nicht.
Fragen und Antworten
- Wie lange dauert eine Panikattacke?
- Eine Panikattacke erreicht meist innerhalb von Minuten ihren Höhepunkt. Die Deutsche Angst-Hilfe nennt eine durchschnittliche Dauer von 15 Minuten. In seltenen Fällen dauert sie länger, klingt aber auch dann von selbst wieder ab.
- Ist eine Panikattacke gefährlich?
- Die Panikattacke selbst ist sehr unangenehm, gilt aber für sich genommen nicht als gefährlich. Das gilt jedoch nur, wenn körperliche Ursachen ausgeschlossen sind. Dieselben Symptome können auch bei Herz-, Lungen- oder Schilddrüsenerkrankungen auftreten. Treten sie erstmals auf, müssen sie ärztlich abgeklärt werden, im Zweifel über die 112.
- Ist es möglich, eine Panikattacke ohne Herzrasen zu haben?
- Ja. Für eine Panikattacke müssen nach den ICD-10-Kriterien nur vier oder mehr von zahlreichen Symptomen auftreten. Herzrasen ist häufig, aber nicht zwingend. Manche Betroffene spüren vor allem Schwindel, Übelkeit, Enge in der Brust oder ein Gefühl der Unwirklichkeit.
- Was wirkt sofort angstlösend?
- Ein Mittel, das zuverlässig sofort wirkt und das Sie selbst einnehmen sollten, gibt es nicht. Laut Leitlinie ist bei einer akuten Panikattacke selten eine spezifische Behandlung nötig, oft beruhigt schon die Anwesenheit einer Ärztin oder eines Psychologen. Medikamente gegen akute Panik gehören in ärztliche Hand; Benzodiazepine sind wegen der Abhängigkeitsgefahr nur für begründete Ausnahmefälle vorgesehen.
- Wann ist eine Panikattacke ein Notfall?
- Wählen Sie die 112 bei starken Brustschmerzen, Atemnot, Lähmungen, Sprachstörungen oder Bewusstlosigkeit, vor allem wenn die Beschwerden neu sind oder anders als sonst. Auch bei Suizidgedanken mit akuter Gefahr ist die 112 richtig. Die Telefonseelsorge erreichen Sie rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.
Quellen und Grundlagen
- Bandelow B. et al.: Deutsche S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, Version 2 (2021), AWMF-Registernummer 051-028. Das Dokument nennt eine nächste Überprüfung für 04/2026; ob eine neuere Fassung vorliegt, konnten wir im AWMF-Register nicht prüfen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit): Mit Angst umgehen
- Deutsche Angst-Hilfe e.V.: Panikstörung, Was tun bei Panikattacken
- Stiftung Gesundheitswissen: Was tun bei einer Panikattacke?
- 116117.de, Patientenservice der Kassenärztlichen Vereinigungen; TelefonSeelsorge Deutschland
- Digistore24: Bestellseite Mission Angstfrei 2.0 (Angaben des Anbieters zu Inhalt und Preis)
Diese Seite ersetzt keine ärztliche, psychotherapeutische oder rechtliche Beratung. Sie erklärt allgemeine Zusammenhänge; wie es im Einzelfall weitergeht, klären Betroffene und Angehörige mit den behandelnden Fachleuten. Hinweise auf Fehler nehmen wir über die Kontaktseite gerne entgegen.
Weiterlesen
- Angststörung: Selbsthilfe
Angst verstehen, Vermeidung abbauen, Anspannung senken, Gruppen finden: was Betroffene selbst tun können und wo Selbsthilfe an Grenzen stößt.
- Angststörung beim Partner
Verständnis zeigen, ohne die Angst zu füttern: Vermeidung, Rückversicherung und ein gemeinsamer Plan für kleine Schritte.
- Psychische Krise
Notrufnummern, Suizidgedanken ansprechen, ruhig bleiben, Hilfe holen und vorsorgen mit einem Krisenplan.
Zuletzt überarbeitet am 06. November 2026 von der Redaktion Lichtblick.