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Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 03.02.2004


Übersicht "Meldung vom Tage" (Januar 2004)

29.01.04

Sprechstunde mit Ulla Schmidt

ddp
Telefonaktion zur Gesundheitsreform

16:36 Uhr

Von ddp-Korrespondent Thorsten Severin

Berlin (ddp). Es war eine heiße Nummer. Rund 6000 Anrufe gingen am Donnerstagnachmittag innerhalb von zwei Stunden im Bundesgesundheitsministerium in Berlin ein. Dort hatte sich im Konferenzraum im zweiten Stock viel gesundheitspolitischer Sachverstand zusammengefunden, um bei einer Telefonaktion Fragen von Bürgern rund um die Gesundheitsreform zu beantworten. Auch Ministerin Ulla Schmidt (SPD) wagte sich an die Strippe. "Hallo ich bin die Ulla Schmidt die Ministerin", bekamen die verblüfften Anrufer zu hören.

Neben Schmidt hatten sich weitere zehn Experten zu der Aktion bereitgefunden, so etwa Barmer-Chef Eckart Fiedler, der Vizevorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Leonhard Hansen, und die Patientenbeauftragte Helga Kühn-Mengel.

Für diejenigen, die per Zufallsprinzip zur Hausherrin durchgestellt wurden, geriet ihr Telefonat zu einer wahren Sprechstunde. Herr L. vom linken Niederrhein etwa kann nicht verstehen, warum er trotz Zahlung von zehn Euro Praxisgebühr für jeden weiteren Besuch bei einem anderen Arzt noch eine Überweisung benötigt. Schmidt erklärt ihm geduldig, dass bei fünf Millionen Arztbesuchen pro Jahr jeder Mensch im Durchschnitt acht Mal jährlich einen Arzt aufsucht. Das ist zu viel. Mit den Überweisungen nun soll versucht werden, das Ärzte-Hopping zu verringern. Das hätte ich gerne als Bürger und Verbraucher schon im Dezember gehört, gibt sich Herr L. am Ende überzeugt nicht ohne als aktiver Gewerkschafter mit der Ministerin noch kurz in eine Diskussion über die Zukunft der Sozialsysteme einzusteigen.

Vor allem kommen bei der Aktion die alltäglichen Sorgen und Probleme zur Sprache, die die Menschen seit dem 1. Januar im Zuge der Gesundheitsreform bewegen. Immer wieder werden dabei die so genannten nicht-verschreibungspflichtigen Medikamente angesprochen, die prinzipiell nicht mehr bezahlt werden - wohl aber, wenn sie zum Therapiestandard gehören. Doch eine Liste weiterhin verschreibungsfähiger Präparate soll erst Ende März herauskommen, bis dahin verfahren viele Ärzte unterschiedlich. Mit zum Teil bitteren Folgen. Frau A. etwa musste in diesem Monat bereits 100 Euro aus eigener Tasche für Bauchspeicheldrüsen-Enzyme von ihrer Rente bezahlen. Ihr Arzt behauptet, er dürfe diese nicht mehr verordnen.

Schmidt geht jedoch davon aus, dass derlei Medikamente auch künftig auf der Liste verschreibungsfähiger Arzneien stehen werden. Auch in der Übergangsphase muss das Mittel noch verschrieben werden. Sagen Sie Ihrem Arzt, dass Sie mit mir geredet haben. Sagen Sie ihm, ich hätte gesagt, das geht, rät sie Frau A. Wieder hat die Ministerin einen neuen Fan gefunden. So einfach kann es sein: Lagen die Probleme doch wieder einmal nur an falscher Information. "Mein großes Problem ist, dass viele so viel erzählen und sagen, ich sei schuld.

Auch Frau H. hat ein Problem. Sie ist bei Glatteis gestürzt und musste beim Notdienst bereits zum zweiten Mal in diesem Monat zehn Euro bezahlen. Außerdem will sie nicht nur wegen eines Rezept für Paracetamol-Schmerztabletten stets erneut die Praxisgebühr zahlen. Ohne zu zögern, weiß die Ministerin auch hier Rat: "1. Wer hat da in Leipzig den Gehweg nicht richtig gestreut? Handelt es sich nicht um einen Fall für die Unfallversicherung? 2. Paracetamol kriegen sie in der Apotheke so. Die kaufe ich mir auch immer."

Wenig auskunftsfreudig war Schmidt allerdings auf Fragen von Journalisten zur Zukunft der Pflegeversicherung. Ihr Ministerium verwies auf eine Aktuelle Stunde am Freitag im Bundestag, in der sie sich äußern will. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte Schmidts Reform zu Wochenbeginn vorerst gestoppt, weil er die Belastungsgrenze für die Bürger erreicht sieht. Dies eben gerade auch vor dem Hintergrund der Gesundheitsreform.

Richtig erboste Anrufer gab es am Ende aber wenig. "Ich mache viele solcher Telefonaktionen. Ich habe noch nie erlebt, dass die Leute nicht freundlich sind", berichtete Schmidt und fügte hinzu: "Wenn die Bürger wissen, worauf sie sich einzustellen haben, ist ein Großteil der Probleme schon gelöst."



"Sie fragen, wir antworten" - Telefonaktion im Bundesministerium

Die Telefonhotline ist auch in den nächsten Tagen unter
der gebührenfreien Nummer 0800 19 19 19 9 zu erreichen:

Freitag, 30.01.04 von 9 - 17 Uhr
Montag, 02.02. von 9 - 17 Uhr
Dienstag, 03.02. von 9 - 17 Uhr




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