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Rostock (ddp-nrd). Stasiopfer suchen auch 15 Jahre nach der Wende immer noch die psychosoziale Beratung. Mecklenburg-Vorpommerns Landesbeauftragter für die Stasiunterlagen, Jörn Mothes, registriert jährlich 400 bis 600 neue Fälle, in denen Betroffene seelsorgerisch betreut werden. Die Verarbeitung der Schicksale sei für viele mit langjährigem Schweigen verbunden gewesen, begründete Mothes im ddp-Gespräch. "Sie finden oft erst jetzt die Sprache", sagte der Landesbeauftragte.
Viele seiner Gesprächspartner stehen kurz vor der Rente und wollen ihr Schicksal unbedingt noch jemandem mitteilen. "Oft waren die Erlebnisse im und nach dem Krieg mit der Drohung verbunden, niemals darüber zu sprechen. Das haben sie auch Jahrzehnte getan, nicht einmal der Familie gegenüber haben sie sich geöffnet", sagte Mothes.
Mehr und mehr kommen auch junge Leute in die Beratungsstellen, um Auskunft über das Schicksal ihrer Eltern und Großeltern zu erhalten. "Einsicht in Stasi-Akten bekommen sie nur bedingt. Sie erfahren beispielsweise nichts, was den Leumund der Betroffenen beschädigt", sagte der Stasibeauftragte des Landes. Dennoch könnten die Mitarbeiter viele Tipps geben, wo sich eine Recherche anbiete. Dazu gehörten Betriebs- ebenso wie Parteiarchive.
Neben Sprechstunden im Land reist Mothes auch in angrenzende alte Bundesländer, um dort Beratungen anzubieten. Die Resonanz sei überwältigend, sagte der Landesbeauftragte. Viele Stasi-Opfer seien noch zu DDR-Zeiten oder später ausgereist. Auch sie haben ein großes Bedürfnis, Erlebtes im Gespräch zu verarbeiten.
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