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Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 13.01.2005


Übersicht "Meldung vom Tage" (Januar 2005)

11.01.05
Familie mit Kind wird offenbar zum Auslaufmodell
ddp
Immer weniger Geburten in Deutschland

Von ddp-Korrespondent Wolfgang Schönwald

Berlin (ddp). Nahezu ein Drittel aller Frauen in Deutschland bleibt heute kinderlos. Damit hat sich ihr Anteil seit 1950 mehr als verdoppelt. Die Hauptgründe für den drastischen Rückgang der Geburten in den vergangenen vier Jahrzehnten von 1,35 Millionen auf 706 000 jährlich überraschen. 44 Prozent der Frauen und Männer bekommen keinen Nachwuchs, weil sie nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Zeitschrift "Eltern" keinen geeigneten Partner für eine Familie haben.

Die Studie unter dem Motto "Mehr Kinder. Mehr Leben." zeige zugleich, dass die Gründe, sich gegen Kinder zu entscheiden, vielfältig und sehr persönlich seien, sagte "Eltern"-Chefredakteurin Marie Luise Lewicki am Dienstag in Berlin. Fast jeder zweite der 40 000 Befragten gab an, auch ohne Kinder mit dem Leben zufrieden zu sein. 39 Prozent verwiesen auf die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust, 34 Prozent auf die persönliche Unabhängigkeit und 29 Prozent auf damit entstehende höhere Kosten. Jede dritte Frau meinte, sie wolle in ihrem Alter keine Kinder mehr. Ihre ersten Kinder gebären Frauen heute mit 29,3 Jahren, vor zehn Jahren noch im Alter von 27,8.

80 Prozent der Bundesbürger ohne Kinder können sich kaum vorstellen, dass ein Kind viel mehr Freude und Glück in den Alltag bringt. Demgegenüber verknüpften nur 17 Prozent der Kinderlosen ihr Lebensglück mit dem Nachwuchs. Lewickis Fazit: "Kinder machen glücklich. Jedoch nur diejenigen, die bereits welche haben, empfinden dies auch so. Wer noch keinen Jungen oder kein Mädchen hat, assoziiert Kinderkriegen nicht mit Glück. In dieser Diskrepanz dürfte einer der Gründe für den Geburtenrückgang in Deutschland liegen."

Zudem bezeichneten drei Viertel der Kinderlosen das Klima in der Bundesrepublik als kinderfeindlich. In Geschäften, öffentlichen Verkehrsmitteln und Restaurants werde der Nachwuchs oft als störend empfunden, so die Erfahrung von fast der Hälfte der Befragten. Rund 50 Prozent der Eltern klagten über verständnislose Chefs, wenn es um Überstunden geht. 29 Prozent sind der Ansicht, dass sie langsamer Karriere machen als kinderlose Kollegen. Dabei sind laut Umfrage berufstätige Mütter wesentlich stärker benachteiligt als Väter. Für 42 Prozent der Mütter sind Kinder klare Karrierehemmer.

Dennoch spricht sich die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung für ein Familienleben aus. Für 89 Prozent der befragten Eltern mit Kindern unter 14 Jahren ist dies nach einer Allensbach-Studie das wichtigste. Nur sechs Prozent nannten den Beruf und jeweils ein Prozent Freunde und Interessen. "Dabei werden Kinder noch mehr als bei der ersten Erhebung im Jahre 2002 mit Freude, Geborgenheit und einem Leben voller Überraschungen in Verbindung gebracht, aber auch mit Sorgen und Stress", sagte Institutsleiterin Renate Köcher bei der Präsentation der Familienanalyse 2005.

Doch Familien mit Kindern wollten mehr Gerechtigkeit, auch finanziell, fügte Lewicki hinzu. So wünschten sich Eltern günstigere Preise für Familien und mehr finanzielle Unterstützung durch den Staat. Wichtiger als Geld sei vielen Familien jedoch die Anerkennung der Erziehungsleistung und eine kinderfreundliche Gesellschaft. "Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass sich einiges ändern muss, damit aus Deutschland wieder ein Kinderland wird", betonte resümierend die "Eltern"-Chefredakteurin und fügte hinzu: "Die Gesellschaft muss also nicht nur mehr Geld geben, sondern auch das Image der Familie aufpolieren und das Klima für Kinder verbessern."



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