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Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 03.12.2004


Übersicht "Meldung vom Tage" (November 2004)

22.11.04

Großelterndienst vermittelt rüstige Senioren zur Kinderbetreuung

ddp
Vor allem Alleinerziehende sind dankbar

Von ddp-Korrespondent Jan Staiger

Berlin (ddp-bln). Erika Dölling hat gleich drei "Wunschenkel". Mit keinem von ihnen ist sie verwandt. Aber wenn sie mit Victoria (1), Georg (3) oder Niklas (4) auf den Spielplatz geht, hat sie das Gefühl, auch als Rentnerin gebraucht zu werden. Möglich macht es der Großelterndienst Berlin, der seit 15 Jahren rüstige Omas und Opas zur Kinderbetreuung vermittelt. Gerade für Alleinerziehende sind die gegen eine Aufwandspauschale "gemieteten" Großeltern eine Hilfe, ohne deren Unterstützung viele kaum einem geregelten Beruf nachgehen könnten.

"Oma und Opa sein zu dürfen, ist Freude und Berufung des Alters. Oma und Opa zu haben, ist ein Geschenk für Kinder", sagt die Leiterin des Großelterndienstes, Roswitha Winterstein. Wenn eigene Enkel nicht vorhanden oder schon erwachsen sind, die eigenen Großeltern in der Ferne oder schon "im Himmel" wohnen, bringt sie die "verwaisten" Senioren und Eltern zusammen. Rund 350 Leih-Omas- und -Opas betreuen in Berlin derzeit ihre "Wunschenkel". Doch die Nachfrage nach geeigneten Helfern in der Stadt ist weitaus höher, berichtet Winterstein.

"Ich bin damals als junge Frau allein nach Berlin gekommen und weiß, wie schwer es ist, ganz auf sich gestellt zu sein", sagt die 63-jährige "Wunschoma" Dölling aus Prenzlauer Berg. Als die gelernte Kindergärtnerin in Rente ging, wusste sie: "Ich muss irgendetwas machen." Vor zwei Jahren hat ihr der Großelterndienst den ersten Enkel vermittelt, und sie hat es nicht bereut. Als "Rundum schön" beschreibt sie die Beziehungen, auch zu den drei Muttis "ihrer" Enkel.

Rund 1000 Oma- und Opa-Gesuche liegen derzeit vor, für Kinder vom Baby bis zum 10-Jährigen. Wer sich der Kleinen annehmen möchte, ruft an. Wenn dann nach einem Gespräch mit einer Mitarbeiterin des Dienstes Einvernehmen besteht, hilft ein Foto der Wunschfamilie bei der Vorentscheidung. Das erste Kennenlernen findet in den Räumen des Großelterndienstes statt. Mal kommt bei der ersten, mal erst bei der vierten Familie beiderseitige Sympathie auf.

Danach gestalten Eltern und Großeltern die Patenschaft ganz eigenständig. Im Schnitt betreuen die Wunschgroßeltern die Enkel ein- bis zweimal wöchentlich für einige Stunden, berichtet Winterstein. "Und wenn die Mutter einmal im Krankenhaus liegt, nehmen sie das Kind selbstverständlich zu sich."

Der Großelterndienst hält jedoch Kontakt und sorgt auch für eine fundierte Fortbildung. So führen einmal im Monat Psychologen, Familientherapeuten und Pädagogen in Themen wie Lernverhalten, Konfliktlösung oder Schulprobleme ein. Bei regelmäßigen Treffen können die Großeltern ihre Erfahrungen austauschen, und mehrmals jährlich stehen zudem gemeinsame Ausflüge an.

"Das Herz schwingt bei den Älteren sehr viel mehr mit als etwa bei studentischen Babysittern", erklärt Winterstein. Und gerade wenn die Kinder noch sehr klein seien, sähen sie in den Leihomas gar ihre eigene. Auf die warten dann statt einsamer Stunden vor dem Fernseher Momente des Glücks und der Rührung - etwa wenn, wie Winterstein berichtet, ein kleiner Enkel fragt: "Oma, wenn du stirbst, wirst du dann mein Schutzengel?"

http://www.grosselterndienst.de
http://www.leihomas-leihopas.de



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