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Übersicht "Meldung vom Tage" (November 2004)

21.11.04

"Gold zwischen den Ohren"

ddp
Forschungseinrichtungen fordern noch mehr Investitionen in die Wissenschaft

Von ddp-Korrespondentin Stephanie Stallmann

Berlin/München (ddp). Der Forschungsstandort Deutschland benötigt nach Ansicht der vier großen außeruniversitären Forschungsorganisationen des Landes mehr Investitionen. "Der Staat muss mehr Geld in die Hand nehmen, wenn wir als Hochtechnologiestandort im Weltkonzert mitspielen wollen", sagte der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Hans-Jörg Bullinger, am Wochenende der Nachrichtenagentur ddp.

Mit dem Pakt für Forschung und Innovation hat die Bund-Länder-Kommission allerdings schon viel Geld in die Hand genommen: Die Max-Planck-Gesellschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz- und die Leibniz-Gemeinschaft sollen von 2006 bis 2010 jährlich mindestens drei Prozent mehr Mittel bekommen. Und mit dem Haushalt 2005 gibt es 3,8 Milliarden Euro zusätzlich.

Die Forschungsorganisationen lobten den Pakt einmütig, forderten aber weitere Schritte. Der wissenschaftliche Geschäftsführer der Helmholtz-Gesellschaft, Enno Aufderheide sagte, die jetzt geschaffene Grundlage sei "viel besser als alles, was wir in den Jahren davor gehabt haben". Trotzdem werde die Politik an der Erklärung von Lissabon gemessen.

Auch Bullinger meinte, der Pakt sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung. Er halte aber nicht, was 2002 in der Lissaboner Erklärung versprochen wurde. Darin hatten die Staats- und Regierungschefs der 15 EU-Länder festgehalten, dass sie die Bildungs- und Forschungsausgaben ihrer Länder auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts festschreiben wollen.

Bullinger ergänzte, um die Erklärung zu erfüllen, müsste die finanzielle Förderung bis 2010 jährlich um acht Prozent erhöht werden. Angesichts der zahlreichen Subventionen in Deutschland könne niemand sagen, das sei nicht realisierbar, betonte der Präsident der Fraunhofer Gesellschaft. Es sei vielmehr eine politische Frage, ob die Abschaffung von Subventionen mehrheitsfähig sei.

Die in die Forschung investierten Summen erscheinen auf den ersten Blick enorm - im Vergleich mit den schwergewichtigen internationalen Konkurrenten sind sie es nicht. Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Peter Gruss, wies darauf hin, dass allein die renommierte Stanford Universität in den USA jährlich umgerechnet 1,9 Milliarden Euro zur Verfügung habe. Bei der gesamten Max-Planck-Gesellschaft mit ihren 80 Forschungsinstituten in Deutschland seien es 600 Millionen Euro weniger.

Als zentrales Problem benannten die Institute die "Auswanderung" deutscher Nachwuchsforscher. "Die Amerikaner reißen sie uns aus der Hand und dort drüben gewinnen sie dann die Nobelpreise", beklagte Bullinger. Darum bemühen sich die Max-Planck-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft, Anreize zu schaffen, damit deutsche Forscher aus dem Ausland wieder zurückkehren. Beide Organisationen investieren einen großen Teil der Förderung in "Nachwuchsgruppen". Darin bekommen junge Wissenschaftler fünf Jahre lang die Möglichkeit, vollfinanziert ihrer Forschung nachzugehen, um sich für Leitungspositionen in der Wissenschaft zu profilieren.

Aber es mangelt nicht nur an Geld. Der Forschungsstandort Deutschland ist nach Ansicht des Geschäftsführers der Leibniz-Gemeinschaft, Michael Klein, auch überreguliert. Die Institute würden administrativ wie Behörden geführt. So könnten sie kein Geld ins folgende Jahr übertragen und dürften aus eingeworbenen Drittmitteln keine Leistungsanreize zahlen. Auch das erschwere es, Wissenschaftler nach Deutschland zu holen. Klein und Aufderheide forderten außerdem einen Wissenschaftstarifvertrag. Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Gruss, betonte: "Unser Gold liegt nicht in der Erde, sondern zwischen unseren Ohren - das müssen wir fördern".




Die vier großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen

Berlin (ddp). Die MAX-PLANCK-GESELLSCHAFT (MPG) unterhält derzeit 80 Forschungsinstitute, in denen mehr als 12 000 Mitarbeiter und 9100 Doktoranden, Postdoktoranden und Gastwissenschaftler tätig sind. Die Institute betreiben Grundlagenforschung in den Natur-, Bio, Geistes- und Sozialwissenschaften. Dabei greifen sie Forschungsrichtungen auf, die wegen ihres interdisziplinären Charakters nicht an die Universitäten passen oder einen Aufwand erfordern, den Universitäten nicht erbringen können.

Die FRAUNHOFER-GESELLSCHAFT betreibt 80 Forschungseinrichtungen an über 40 Standorten in ganz Deutschland und beschäftigt rund 12 700 Mitarbeiter. Schwerpunkt sind die Natur- und Ingenieurwissenschaften. Auftraggeber sind Industrie- und Dienstleistungsunternehmen und die öffentliche Hand.

Die WISSENSCHAFTSGEMEINSCHAFT GOTTFRIED WILHELM LEIBNIZ unterhält 80 außeruniversitäre Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen. Ihr Aufgabenspektrum reicht von den Geisteswissenschaften über Sozial-, Raum- und Wirtschaftswissenschaften bis hin zu Natur-, Ingenieur-, und Umweltwissenschaften. Sie betreibt Grundlagenforschung und hat eine interdisziplinäre Ausrichtung. Ihre Wurzeln hat die Leibniz-Gemeinschaft in der so genannten Blauen Liste besonders förderungswürdiger Institute.

In der HELMHOLTZ GEMEINSCHAFT DEUTSCHER FORSCHUNGSZENTREN (HGF) haben sich 15 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren zusammengeschlossen. Sie verfolgt Spitzenforschung in den sechs Forschungsbereichen Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Verkehr und Weltraum. Insgesamt arbeiten 24 000 Mitarbeiter bei der HGF.



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