|
|
Von Marion Schierz
Berlin (ddp-bln). Die Berliner nehmen weniger Pillen als die anderen Bundesbürger. Der Krankenstand in der Hauptstadt 2003 lag jedoch nach wie vor zweieinhalb Tagen über dem Bundesdurchschnitt. Das ergab der diesjährige Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK), der am Dienstag vorgestellt wurde. Zugleich gingen in Berlin im Jahresvergleich die Fehlzeiten mit 5,6 Prozent derart deutlich zurück wie nur noch in Schleswig-Holstein. Für einen Betrieb mit 100 Beschäftigten bedeutet das nach Angaben der Report-Autoren immerhin 84 Fehltage weniger als im Vorjahr.
Bei den 162 000 Berliner Berufstätigen und Arbeitslosen, die bei der TK versichert sind, übertreffe der Krankenstand mit gut 14 Fehltagen den Bundesdurchschnitt um ein Fünftel, sagte Report-Autor Thomas Grobe vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung Hannover (ISEG). Dabei lägen die Fehlzeiten bei Erkrankungen des Bewegungsapparates um 26 Prozent und bei Atemwegserkrankungen um 31 Prozent über den bundesdeutschen Werten.
Bei psychischen Störungen überragen die Hauptstädter bei Fehltagen sogar mit 50 Prozent den Bundesdurchschnitt. Bei diesem Krankheitsbild sei auch nicht wie bei anderen ein Rückgang festzustellen, sagte Grobe. Berlin werde nur noch von Hamburg übertroffen. Depressive Episoden und Muskel-Skelett-Beschwerden - auch der Rücken sammle psychische Probleme - verursachten die meisten Fehlzeiten. Als eine Ursache vermutet der Experte die allgemeine Unsicherheit um den Arbeitsplatz. Betroffen seien überproportional Arbeitslose und auch Sozialarbeiter, fügte Grobe hinzu. Zudem sei Berlin die Hauptstadt der Single. Das Leben allein sei ebenfalls oft mit Problemen behaftet.
Zu den Ergebnissen des Reports zählt weiterhin, dass in Berlin innerhalb eines Jahres je TK-Erwerbsperson bei durchschnittlich 3,4 Arztkontakten 4,8 Präparate verordnet wurden. Damit lag die Zahl der Arztkontakte mit Arzneiverordnungen um 9,3 Prozent und die Zahl der verordneten Präparate um 10,9 Prozent unter den bundesweiten Werten. Bei Depressionen fließe allein bei der TK jeder sechste Euro statt in Medikamente in psychotherapeutische Behandlungen, sagte TK-Sprecher Detlef Natusch. Im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen sei der Rückgang der Arzneimittelverschreibung damit zu erklären, dass so genannte Bagatell-Medikamente nicht mehr vom Arzt verordnet, sondern vom Patienten selbst gekauft werden.
|
|