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Von ddp-Korrespondentin Nina Jerzy
Schwerin (ddp-nrd). Die Nachfrage bestimmt das Angebot. So lautet jedenfalls eine der Grundregeln der Marktwirtschaft. Auf dem Wohnungsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern herrschen jedoch anscheinend andere Gesetze. Obwohl ältere Menschen zunehmend den Großteil der Mieterschaft bilden, sind altengerechte Privatunterkünfte im Nordosten schon jetzt Mangelware. Experten schlagen angesichts dieses Besorgnis erregenden Trends Alarm.
Nach Schätzungen des Deutschen Mieterbundes (DMB) wird in 10 bis 15 Jahren ein Drittel aller Mieter im Nordosten älter als 65 Jahre sein. Während bei größeren Wohnungen ein hoher Leerstand verzeichnet werde, seien kleine und preiswerte Unterkünfte für Pensionäre kaum noch zu finden, berichtet der DMB-Landesbeauftragte Jürgen Fischer. Zudem sei damit zu rechnen, dass verstärkt Arbeitslosengeld-II-Empfänger in dieses Marktsegment drängen werden.
Hauptursache für die prekäre Lage sind nach Ansicht Fischers die "dramatischen" Einbrüche bei der Wohnungsbauförderung. Der zuständige Abteilungsleiter im Landesbauministerium, Michael Gäbert, bestätigt diese Negativentwicklung. Seien von 1992 bis 2002 noch rund 170 Millionen Euro Fördermittel für die Schaffung von altengerechten Wohnungen mit Betreuungsangebot bereitgestellt worden, stünden hierfür von 2003 bis 2006 nur noch sechs Millionen Euro zur Verfügung. Dabei seien bereits zu den Zeiten vollerer Fördertöpfe auf 500 zu vergebende Wohnungen 2000 Anfragen gekommen.
Das Ziel der staatlichen Unterstützung besteht laut Gäbert darin, älteren Menschen so lange wie möglich ein selbständiges Leben in ihrer gewohnten Umgebung zu ermöglichen und damit den Umzug in ein Heim hinauszuzögern.
Um dies auch in Zeiten knapper Kassen und wegbrechender Familienverbände zu verwirklichen, fordert der DMB-Landesbeauftragte Fischer ein Umdenken bei der Förderpolitik. So sollten die Vermieter beim altengerechten Umbau bestehender Wohnungen zielgerichteter unterstützt werden. Denkbar sei eine Verknüpfung der Förderung mit einer Mietpreissubventionierung, so dass die Umbaukosten letztlich nicht an die Betroffenen weitergegeben würden.
Daneben fordert Fischer auch ein verstärktes Betreuungsangebot seitens der Vermieter. Noch viel zu wenige böten Serviceleistungen wie beispielsweise die Vermittlung von Hilfskräften für den Haushalt oder den Einkauf sowie einen Notruf an.
Fischer entwirft für den Fall, dass nicht umgehend mehr geeigneter Wohnraum für ältere Menschen geschaffen wird, ein düsteres Szenario. Trotz ihrer zahlenmäßigen Stärke werde die Rentnergeneration zunehmend in die "Ecke gedrängt". Angesichts der hohen Kosten für betreute Wohneinrichtungen müssten viele Pensionäre, die den Umzug in ein Altenheim scheuten, in ihren angestammte Wohnungen ohne Fahrstuhl oder altengerechten Bädern bleiben. "Eine Wohnung kann auch zum Gefängnis werden", warnt der Experte.
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