Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe

Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 03.11.2004


Übersicht "Meldung vom Tage"

15.10.04

Gutachten: Millionen Patienten unterversorgt

ddp/eb


(ddp/eb). Nach Ansicht des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) hat die Unterversorgung deutscher Patienten mit Medikamenten "dramatische Ausmaße" angenommen: "In über 20 Millionen Fällen brauchen Patienten Medikamente, die sie nicht bekommen", sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Andreas Barner, am Freitag in Berlin bei der Vorstellung des Gutachtens "Defizite in der Arzneimittelversorgung in Deutschland".

Insgesamt wurden zwölf unterschiedliche Krankheitsbilder untersucht: Bluthochdruck, chronische Herzinsuffizienz, chronischer Schmerz, Demenz, Depression, Koronare Herzkrankheit, Migräne, Multiple Sklerose, Osteoporose, rheumatoide Arthritis, Schizophrenie und Viruserkrankungen, denen durch Schutzimpfungen vorgebeugt werden kann. Interessierte können das Gutachten im Internet http://www.vfa.de/pk20041015 herunterladen.


Ausmaß der Unterversorgung


Allein in zehn Millionen Fällen seien Menschen mit Volkskrankheiten wie Bluthochdruck und Osteoporose nicht ausreichend mit Medikamenten versorgt worden. Zudem seien sechs Millionen Patienten in Deutschland, die an Migräne oder Schmerzen leiden, unterversorgt. 377 000 Patienten mit Herzinsuffizienz erhalten nach Angaben von Barner keine Betablocker, obwohl sie angezeigt wären und Behandlungskosten senken würden.



200 000 Schizophrenie-Patienten und 458 000 Patienten
mit mittelschweren bis schweren Depressionen unterversorgt

Laut Studie bestehe eine deutliche Unterversorgung in der medikamentösen Therapie der Schizophrenie: "Gut 200.000 der Schizophrenie-Patienten im GKV-System bleiben unterversorgt." Zudem liege der Anteil der atypischen Neuroleptika-Verordnungen an den Antipsychotika-Verordnungen in Deutschland bei 26 Prozent, "während auf europäischer Ebene zum Teil deutlich höhere Atypika-Anteile zu verzeichnen sind".





Laut Gutachten erhalte nur etwa ein Drittel aller Patienten mit Depressionen Antidepressiva "aus der Gruppe der wirkungsvollen und nebenwirkungsarmen SSRI-Antidepressiva". Als "unterversorgt" gelten 458.000 Patienten mit mittelschweren bis schweren Depressionen.





Das Gutachten habe außerdem ergeben, dass Kassenpatienten deutlich häufiger von einer Unterversorgung betroffen seien als Privatpatienten. Als Grund nannte Barner den politischen Druck zur Kostensenkung. Ärzte hätten es immer schwerer, innovative Arzneimittel zu verordnen, weil sie zu niedrige Richtgrößen für ihr Verordnungsvolumen erhielten.

"Manche träumen davon, das Gesundheitswesen durch fortgesetzte Einsparungen bei Arzneimitteln zu sanieren", mahnte Dr. Andreas Barner, und ergänzte: "Das ist angesichts der geringen Bedeutung der Arzneimittelausgaben - sie machen gerade 16 Prozent der GKV-Ausgaben aus - ohnehin illusorisch". Hier dürfe man nicht länger "am nötigsten sparen", da die Folgekosten sonst unkalkulierbar seien. Um der zutage getretenen massiven Unterversorgung zu begegnen, sei es "notwendig, den Ärzten Raum für eine adäquate Arzneimitteltherapie zu geben."

Die Nürnberger Unternehmensberatung Fricke & Pirk
hat das Gutachten im Auftrag der VFA erstellt.


VFA zum Thema und das Gutachten
"Defizite in der Arzneimittelversorgung in Deutschland"

http://www.vfa.de/pk20041015


Weiterführende Informationen
Pharmahersteller sehen in Deutschland Unterversorgung
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=17916

Streit um Arzneimittelausgaben
http://www.lichtblick-newsletter.de/ticker590_04.html



Übersicht "Meldung vom Tage"

Hier können Sie unseren Newsletter mit Neuigkeiten aus Psychiatrie, Soziales und Selbsthilfe bestellen!


RUBRIK
Meldung vom Tage

nach oben | E-Mail | Startseite  | Newsletter | Impressum |


nach oben Kontakt Startseite