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Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 01.09.2004


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26.08.04

Todesfälle in Altersheimen: Rechtsmediziner bestätigt Zahlen nicht

ddp

Sozialverband sieht «bedenkliche Situation» für Pflegebedürftige


Von Ekkehard Beisker

Hannover/Berlin (ddp). Für alarmierende Zahlen über eine Häufung von Todesfällen in deutschen Altersheimen gibt es offenbar keine gesicherte Grundlage. Er könne «die genannten Zahlen nicht bestätigen», sagte der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Hans Dieter Tröger, am Freitag. Es gebe keine offizielle, wissenschaftlich fundierte Studie der MHH zu Todesfällen in Altersheimen.

Auf eine solche hatte sich zuvor die Referentin für Gesundheits- und Pflegepolitik beim Sozialverband Deutschland (SoVD) in Berlin, Gabriele Hesseken, berufen und in einem Zeitungsinterview auf eine höchst dramatische Lage in den Heimen hingewiesen. Demnach stürben in deutschen Heimen jährlich mindestens 10 000 Menschen vorzeitig wegen mangelnder Versorgung. «Es handelt sich um die größte soziale und humane Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg», sagte Hesseken in dem Interview.

Unterdessen schränkte Hesseken ihre Aussagen ein. In einer am Freitag verbreiteten Stellungnahme war nur noch von 2002 veröffentlichten Untersuchungen eines Rechtsmediziners der MHH die Rede. Nach Hochrechnungen des Sozialverbandes «konnte damals davon ausgegangen werden, dass mindestens 10 000 Pflegebedürftige jährlich in Deutschland an Druckgeschwüren sterben», hieß es.

Der Sozialverband gehe davon aus, dass sich die Situation «keineswegs durchgreifend verbessert» habe, sagte Hesseken. Der Verband sei derzeit dabei, die Sachlage «weiter zu recherchieren». Noch für dieses Jahr seien öffentlichkeitswirksame Aktionen geplant. Die Gesellschaft dürfe sich nicht mit der «bedenklichen Situation» Pflegebedürftiger abfinden, unterstrich Hesseken.

Als «völlig überzogen und nicht dem Alltag in Einrichtungen der Altenhilfe entsprechend» bezeichneten der Deutsche Caritasverband und das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland in einer gemeinsamen Erklärung die Äußerungen des Sozialverbandes Deutschland. Mit seinen Aussagen schüre der Verband Ängste bei alten und pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörigen.

Beide Verbände wiesen darauf hin, dass Pflegeheime regelmäßigen und aufwändigen Kontrollen der Heimaufsicht und des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen unterlägen. Weder deren Berichte noch andere Studien belegten die Behauptungen des Sozialverbandes. Als problematisch bezeichneten die beiden Verbände hingegen die Finanzierung einer ausreichenden Personalbesetzung. In vielen Bundesländern bestünden hierüber keine Vereinbarungen mit den Kostenträgern, so dass viele Einrichtungen an der unteren Grenze der Personalausstattung lägen.


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