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15.01.04
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48-Jährige bestreitet Tötung pflegebedürftiger Senioren
Staatsanwalt spricht von Mord aus Habgier
Von ddp-Korrespondent Andreas Alt
Stuttgart (ddp). Oberstaatsanwalt Hans-Otto Rieleder muss die Angeklagte mehrmals auf den Ernst ihrer Lage hinweisen. Die 48-Jährige steht seit Donnerstag vor dem Stuttgarter Landgericht, weil sie zwei 79 und 80 Jahre alte Frauen aus Habgier umgebracht, weitere alte Menschen zu töten versucht und sie jeweils um ihr Vermögen gebracht haben soll. Obwohl sich die Kroatin immer wieder in Widersprüche verstrickt oder frühere Aussagen bei der Polizei widerruft, steht für sie ihre Unschuld außer Frage: Ich habe den Leuten aus Mitleid geholfen, aus lauter Liebe. Ich habe zwar keine pflegerische Ausbildung, aber ein Herz dafür.
Ihr 38-jähriger Ehemann soll bei der tödlichen Pflege dabei gewesen sein, aber im Prozess zieht sie alle Aufmerksamkeit auf sich. Sie erklärt ihr Verhalten in zwischen 1997 bis 2002 wortreich, auch wenn der Richter einmal stirnrunzelnd antwortet: Das ist jetzt Quatsch - darüber gibts auch Gutachten. Davon lässt sie sich nicht beirren und fährt sogar den Oberstaatsanwalt an: Ich glaube, Sie haben zuviel Fantasie im Kopf.
Die 48-Jährige kam nach eigenen Worten 1978 nach Stuttgart und schlug sich mit häufig wechselnden Jobs als Verkäuferin oder Bedienung durch. Immer wieder war sie krank und bezog schließlich eine kleine Rente. Ab 1995 begab sie sich mit Hilfe von Inseraten auf die Suche nach pflegebedürftigen, alleinstehenden älteren Menschen.
Vor Gericht bestreitet sie allerdings, dass es um Pflege ging und dass sie speziell Senioren im Visier hatte. Ich habe nie einen Pflegedienst versucht, ich wollte nur Haushaltshilfe sein, beteuert sie. Später fügt sie hinzu: Ich habe mit der Frau gelacht, geredet, geschmust, sie geduscht, angezogen und gefüttert. Die skeptische Frage nach pflegerischer Ausbildung kontert sie: Das ist wie bei einem eigenen Kind - man lernt sofort alles.
Dass sie die 77-jährige Frau aus Gerlingen, die sie 1997 als Erste pflegte, dazu brachte, ihr Haus zu verkaufen und den Erlös von 300 000 Mark in die Renovierung und den Ausbau ihres eigenen Hauses in Kroatien zu stecken, ist für die 48-Jährige nicht verwunderlich: Der angeblich alkohol- und drogenabhängige Sohn der Frau hätte das Geld sonst sinnlos verprasst, sagt sie. Er war mit der Verwendung allerdings nach ihren Worten selbst einverstanden, denn er habe in Kroatien Freunde gefunden und wollte nur noch da leben, sagt sie aus. Irgendwelche vertraglichen Ansprüche hatte er nicht.
Polizei und Staatsanwaltschaft haben die Todesumstände der 77-jährigen nicht mehr genau klären können. Der Staatsanwalt vermutet jedoch unzureichende Pflege. Für die 48-Jährige litt die alte Frau dagegen an Grippe. In zwei Fällen ist sich die Staatsanwaltschaft sicher, dass die Kroatin und ihr Mann den Tod herbeiführten: Eine 79-jährige und eine 80-jährige Stuttgarterin starben jeweils an Austrocknung, nachdem sie bei ihr in Pflege waren. Die 48-Jährige soll ihnen nicht nur Flüssigkeit verweigert, sondern zudem noch entwässernde Medikamente verabreicht haben. Ungeklärt bleibt der Tod eines 83-Jährigen. Ein 75-Jähriger war bei dem Paar noch in Pflege, als es von der Polizei verhaftet wurde.
Nach Polizeiermittlungen hatte die Kroatin zwischen 1995 und 2002 Einkünfte von insgesamt 2,7 Millionen Mark. Sie lebte mit ihrem Mann in aufwändigem Stil, beglich hohe Schulden und baute ihr im Krieg zerbombtes Haus in Kroatien für 350 000 Mark wieder auf. Nach ihren Worten erhielt sie immer wieder finanzielle Hilfe von ihrer großen Familie in Kroatien. Die Staatsanwaltschaft will beweisen, dass sie das Geld tatsächlich ihren Pflege-Schützlingen abnahm. Teilweise ließ sie sich der Anklage zufolge Generalvollmachten geben und sich als Alleinerbin einsetzen. Der Prozess soll bis 19. Februar dauern.
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ddp
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