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Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 23.06.2004


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01.05.2004

Ein Nesthocker macht Mallorca unsicher

ddp
Der zweite norwegische «Elling»-Film erzählt eine kuriose Außenseitergeschichte

Von ddp-Korrespondent Roland Erkrath

Berlin (ddp). Vor zwei Jahren entpuppte sich der norwegische WG-Film «Elling» von Peter Naess als Überraschungshit in den deutschen Programmkinos. Der zweite «Elling»-Film erzählt quasi die Vorgeschichte und zeigt, wie der etwa 35 Jahre alte Stubenhocker Elling mit seiner herzensguten Mutter erstmals nach Mallorca fliegt. Leider reicht die betuliche Inszenierung von Eva Isaksen bei weitem nicht an die Lebensweisheit und den Witz des ersten «Elling» heran.

Obwohl Elling (Per Christian Ellefsen) schon Mitte 30 ist, wohnt er noch immer bei seiner Mutter (Grete Nordra) in Oslo. Die kleine Wohnung verlässt er nur zum Einkaufen, und auch das nicht alleine. Eines Tages wird er von Mama mit Flugtickets nach Mallorca überrascht. Sie möchte, dass der Stubenhocker endlich lernt, auf eigenen Beinen zu stehen. Für Elling ist die Reise eine Zumutung - nur widerwillig fährt er mit. Schon im Flugzeug sorgt der notorische Schwarzseher für Aufsehen, als eine Rasierwunde sich nicht stillen läßt. Und bei der Passkontrolle will ihm keiner zuhören.

Noch schlimmer wird es in Mallorca. Da muss er doch in einem Doppelbett neben seiner Mutter schlafen und die tagsüber vor den Nachstellungen eines biederen Touristen schützen. Und am Strand verwirren ihm die vielen Bikini-Schönheiten mit ihren üppigen Formen die Sinne.

In der zweiten Verfilmung der vier «Elling»-Romane des Norwegers Ingvar Ambjornsen werden Ereignissen erzählt, die zeitlich vor dem ersten «Elling»-Film liegen. Geriet der scheue Kauz zuvor auf dem schwierigen Weg aus der Psychiatrie zurück ins Leben ins Stolpern, so geht er hier seiner langmütigen Mutter und den lebenslustigen Urlaubern auf die Nerven.

Eva Isaksen inszeniert die Mallorca-Episoden mit lockerer Hand und scheut nicht vor Sex-Klischees und Dialog-Plattitüden zurück. Die norwegischen Zuschauer ließen sich davon nicht beirren und bescherten dem Film mit einer halben Million Besuchern in nur vier Wochen den erfolgreichsten Kinostart aller Zeiten in Norwegen.

In mancherlei Hinsicht erinnert «Elling - Nicht ohne meine Mutter» an die französische Komödie «Tanguy - Der Nesthocker», der die Problematik jedoch ironischer anpackte. Allerdings reicht Ellings geistige Verfassung auch stärker ins Psychotische, wirkt er noch verklemmter und lebensuntüchtiger als Tanguy. Dafür weckt seine Unbeholfenheit beim Versuch der Abnabelung vom Elternteil auch mehr Mitleidsimpulse.

Der norwegische Schauspieler Per Christian Ellefsen lässt auch in der neuen Folge seinen Outsider-Charme spielen. Ihm fehlt jedoch sichtlich ein dramatischer Widerpart, den Sven Nordin als kantiger WG-Genosse im ersten «Elling» geboten hatte. Durfte Elling bei Naess noch ein genial-verrückter «Sauerkrautpoet» sein, so führt ihn Isaksen als neurotischen Prinzipienreiter mit Ödipus-Komplex und Sexneid vor. So bleibt die Hoffnung auf den dritten «Elling»-Film «Liebe mich morgen», den nun wieder Naess mit Ellefsen drehen will.

«Elling - Nicht ohne meine Mutter», Norwegen 2003, Außenseiterdrama, 80 Minuten, ohne Altersbeschränkung, Regie: Eva Isaksen, Darsteller: Per Christian Ellefsen, Grete Nordram, Helge Reiss, Christian Borge, Per Schaaning, Lena Meieran, u.a.

Kinostart: 6. Mai 2004


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