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Von ddp-Korrespondentin Lisa Caspari
Frankfurt/Main (ddp). Ein erfolgreicher Geschäftsmann hat Panik davor, einen wichtigen Vertrag im Aufsichtsrat zu unterschreiben. Er fürchtet, dabei so zu zittern, dass ihm die Signatur misslingt. Deswegen unterzeichnet der Mann Papiere nur noch verkrampft hinter dem Sichtschutz seiner linken Hand. Ein Kollege von ihm lebt in der ständigen Angst, dass er in Besprechungen mit Arbeitskollegen plötzlich anfängt, "wie ein Schwein zu schwitzen". Ohne den regelmäßigen Gang zur Toilette, wo er sich mit kaltem Wasser abkühlt, hält der Geschäftsmann keine Sitzung mehr aus.
Was die beiden Männer durchmachen, ist nicht mehr mit Nervosität oder normaler Angst in Stresssituationen zu erklären, wie sie jeder Mensch ab und an durchmacht. Dieses Leiden geht über die Angst hinaus, bei einem öffentlichen Vortrag plötzlich zu erröten oder zu stottern, es ist krankhaft. Die beiden haben eine Angststörung, eine so genannte soziale Phobie.
Besonderes Merkmal dieser Krankheit ist die ständige Angst, sich peinlich oder inkompetent zu verhalten. Betroffene versuchen, einer Angst einflößenden Situation aus dem Weg zu gehen und nehmen dabei private oder berufliche Einschränkungen in Kauf. In diesem Fall besteht dringender Handlungsbedarf, sprich: Die Phobiker gehören in Therapie.
Der Diplompsychologe und Verhaltenstherapeut Thomas Heidenreich von der Universitätsklinik in Frankfurt am Main erforscht das Phänomen. Schätzungsweise jeder Zehnte ist davon betroffen. Die soziale Phobie ist damit die dritthäufigste psychische Erkrankung nach Alkoholabhängigkeit und Depressionen. Trotzdem wird das Phänomen erst seit 20 Jahren wissenschaftlich untersucht und immer noch sehr oft belächelt.
Spezifische soziale Phobien beziehen sich wie bei den beiden Geschäftsleuten nur auf bestimmte Situationen. "Die Betroffenen fürchten oft, dass sie plötzlich anfangen zu schwitzen, rot zu werden oder zu zittern", sagt Heidenreich. Nach seiner Erfahrung sind die Phobiker sonst meist völlig normale, begabte und kompetente Menschen.
Spezifische soziale Phobien entstehen meist in der Pubertät und sind häufig auf individuelle traumatische Erlebnisse zurückzuführen. Die Betroffenen wurden etwa in der Schule von Gleichaltrigen ausgelacht oder von einem Lehrer erniedrigt. Oft spielen auch überhöhte Ansprüche bei der Erziehung durch die Eltern eine Rolle.
Eine generalisierte Phobie ist noch schwerwiegender, weil sie sich auf alle Lebensbereiche bezieht. Die Betroffenen fürchten sich generell davor, Kontakte mit anderen zu knüpfen. Sie leben daher sehr isoliert. Meist gelten solche Menschen schon in ihrer Kindheit als besonders schüchtern und gehemmt.
Heidenreich behandelt mit seinem Team zurzeit in einer von der Deutschen Forschungsgesellschaft geförderten Studie 30 Menschen mit sozialen Phobien. Die Betroffenen haben sich meist ein Sicherheitsverhalten aufgebaut, um den für sie beängstigenden Situationen zu begegnen. Die Psychologen versuchen, dieses Sicherheitsverhalten in Verhaltensexperimenten zu verändern und abzubauen. Per Videoanalyse können die Patienten ihr Verhalten im Nachhinein selbst beurteilen. In der Therapie sollen sie vor allem erkennen, dass ihre Umwelt die vermeintliche Schwäche meist gar nicht als unnormal empfindet oder nicht so negativ beurteilt wie angenommen.
Den Angehörigen rät der Psychologe, offen mit den Soziophobikern zu sprechen und ihnen Mut zu machen, dass sie ihre Angst besiegen können. Da soziale Ängste oft mit anderen Erkrankungen wie Depressionen einhergehen, ist es nach Darstellung Heidenreichs wichtig, dass mit einem Verhaltenstherapeuten erst einmal sorgfältig die Symptome abgeklärt werden.
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| Soziale Phobien - Wer hilft? |
Soziale Phobien sollten immer von einem Facharzt behandelt werden. Betroffene lassen sich am besten von ihrem Hausarzt einen geeigneten Verhaltenstherapeuten empfehlen. Die Internetseiten www.sozphobie.org und www.sozialphobie.de bieten jede Menge Informationen zum Thema sowie eine Liste von Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland. Viele Psychologische Institute der Universitäten haben außerdem eine Anlaufstelle für Angstpatienten.
Telefonnummer der Forschungsstelle des psychologischen Instituts
der Goethe-Universität Frankfurt: 069 - 79825086
E-Mail: VT-Ambulanz@psych.uni-frankfurt.de
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