|
|
Von ddp-Korrespondentin Kerstin Münstermann
Berlin (ddp). "Den Deutschen graut es vor dem Altwerden". So lautet das Fazit von TNS-Emnid-Geschäftsführer Klaus-Peter Schöppner zu einer Umfrage zur "Pflegesituation in Deutschland" unter 1056 Bürgern mit einem Pflegefall im Verwandtenkreis. Besonders die Schlagzeilen über Missstände in deutschen Pflegeheimen verunsicherten die Menschen.
43 Prozent der Befragten sehen in den mangelnden Überprüfungen der Einrichtungen die Hauptursache für die oft schlechte Situation in Pflegeheimen. 87 Prozent der Befragten wünschten sich deshalb wenigstens alle zwei Jahre Prüfungen vom Staat und den Krankenkassen, einen "TÜV für die Pflege" also. Der derzeitige fünfjährige Prüfrhythmus werde "als völlig unzureichend eingeschätzt", sagte Schöppner am Donnerstag in Berlin.
Mit der Pflegereform zum 1. Juli 2008 ist vorgesehen, dass Pflegeheime ab 2011 jährlich unangemeldet kontrolliert und nach einheitlichen Kriterien beurteilt werden sollen. Doch über die Reform, über die der Bundesrat am Freitag entscheidet, sind die meisten Betroffenen der Umfrage zufolge kaum informiert. Selbst die Befragten mit Pflegefällen im direkten Verwandtenkreis kennen das Reformvorhaben nur schemenhaft. So vermuten 59 Prozent, dass das neue Gesetz bezahlten Pflegeurlaub für Angehörige vorsieht, eine Forderung, welche die SPD nicht durchsetzen konnte. 57 Prozent nehmen an, dass es bereits eine Zertifizierung für Pflegeheime gibt und 55 Prozent gehen davon aus, dass das Finanzierungsproblem der Pflegeversicherung mit der vorgesehenen Anhebung des Beitragssatzes um 0,25 Punkte auf 1,95 Prozent, für Kinderlose auf 2,2 Prozent, dauerhaft gelöst ist.
Weiterhin fordert die überwiegende Mehrheit weniger Bürokratie im Pflegesystem, 52 Prozent halten einen stärkeren Wettbewerb unter den Betreibern von Heimen für sinnvoll. Die Forderung nach einem Mindestlohn für Pflegekräfte findet bei 83 Prozent Zustimmung. Den Einsatz von osteuropäischen Pflegekräften zu Dumpinglöhnen lehnt die Mehrheit jedoch ab.
Besorgnisserregend ist laut Schöppner, dass jeder vierte bis fünfte Befragte keinerlei Vorstellung von den Kosten hat, die auf ihn im Falle einer Pflegebedürftigkeit zukommen. Das eigene finanzielle Risiko werde unter- beziehungsweise überschätzt. Einerseits glaubten zwölf Prozent, dass der Eigenbeitrag bei ambulanter Versorgung weniger als 500 Euro beträgt, andererseits gingen zwölf Prozent davon aus, dass er bei mindestens 2000 Euro liegt. "Die Deutschen wissen wenig über ihr eigenes finanzielles Risiko im Pflegefall. Am liebsten wollen sie bis zum letzten Tag aktiv sein", bilanziert Schöppner. Und das Thema Pflege möglichst weit von sich weg schieben.
|
|