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Ökumenische "Woche für das Leben" in Würzburg eröffnet
Warnung vor Ausgrenzung Behinderter
Von Petr Jerabek
Würzburg (ddp). Spitzenvertreter der großen Kirchen in Deutschland haben zum Auftakt der bundesweiten ökumenischen "Woche für das Leben" vor "Gesundheitswahn" und der Ausgrenzung Behinderter gewarnt. Der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heinrich Mussinghoff, kritisierte am Samstag in Würzburg, die Sorge um äußerliches Wohlbefinden und körperliche Fitness nehme mittlerweile einen derart breiten Raum ein, "dass man schon von Gesundheitsreligion sprechen kann". Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, betonte, zur Würde des Menschen gehörten auch Leid und Vergänglichkeit.
Bei einem ökumenischen Gottesdienst im Würzburger Kiliansdom mahnte Huber, Gesundheit sei wichtig, aber es sei nicht richtig, sie zum Idol zu machen. "Wo es früher noch um das Heil der Seele ging, geht es heute nur noch um den heilen Körper", beklagte der Bischof. Mit dem Motto der Aktionswoche "Gesundheit - höchstes Gut?" stellten die Kirchen den "Gesundheitswahn unserer Tage" in Frage. "Es gibt keine Garantie ewiger Jugend. Und kein Mensch ist immerwährend gesund", sagte Huber.
Die Menschen hofften heute nicht mehr auf die Erlösung, sondern nur noch auf Gesundheit. "Wenn das nicht klappt, fordert man ein schnelles Ende", sagte der EKD-Ratsvorsitzende. Ohne Namen zu nennen, kritisierte er die "Tötungsmaschine" von Hamburgs Ex-Justizsenator Roger Kusch sowie die Schweizer Organisation Dignitas, die aus der Hilfe zum Suizid ein Geschäft mache. "Ich finde das erschreckend", betonte der Bischof. Es sei Zeit, sich wieder an Jesus zu erinnern, der sich auf die Seite der Leidenden gestellt und eine "Kultur des Helfens" in die Welt gebracht habe.
Mussinghoff sagte in seiner Predigt: "Fitness und Wellness - gerne, aber es ist nicht alles." Er warnte vor einem Menschenbild, das Kranke und Behinderte aus der Gesellschaft ausgrenze. Dem kirchlichen Verständnis liege ein umfassender Gesundheitsbegriff zugrunde, der auch die Dimension des Heils umfasse. Damit bekämen auch Krankheiten und Behinderungen einen anderen Stellenwert.
Bei einem Pressegespräch forderte der Aachener Bischof zum Einsatz für jene Menschen auf, "die dem propagierten Bild von körperlicher und mentaler Fitness nicht entsprechen". Huber sprach sich für ein "neues Nachdenken über Gesundheit und Krankheit" aus. Dabei lerne man, dass die Formel "Hauptsache gesund" nicht trage. "Es muss vielmehr heißen: 'Hauptsache Menschenwürde'."
Rund um den Dom präsentierten sich beim "Markt der Möglichkeiten" mehr als 40 Gruppen und kirchliche Einrichtungen und informierten über ihre Angebote und Dienste zum Thema Gesundheit. Im Rahmen der "Woche für das Leben" sind bis 12. April in zahlreichen Kirchengemeinden, Verbänden und kirchlichen Einrichtungen in ganz Deutschland Informations- und Diskussionsveranstaltungen sowie Gottesdienste geplant.
www.woche-fuer-das-leben.de
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