Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe

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13.04.2004

Ein neuer Weg aus der Schuldenfalle für psychisch Kranke

vöpel
Die Gründung eines Fonds für außergerichtliche Gläubigervergleiche

Von Manfred Vöpel

Im Klinikum Nord wurde 1998 das Projekt "Schuldenberatung für psychisch kranke Menschen im Krankenhaus" als Teil des Sozialdienstes gegründet und seither von vielen Seiten gewürdigt. Es wurde sowohl mit dem "Lilly Award" geehrt als auch zweimal mit dem Förderpreis von "Start Social", einer Initiative der Wirtschaft, die unentgeltlich innovative soziale Projekte coacht. Seit dem Herbst 2002 erhält das Modellprojekt Zuwendung durch die renommierte Reemtsma Stiftung. (Vergl. die Psychosoziale Umschau in 4/2002 und 1/2004).

Bislang konnten pro Jahr mehr als 240 überschuldete Patienten wirksam entschuldet und damit wirtschaftlich saniert werden. In aller Regel sind die Schulden der Patienten aus Rechtsgeschäften des täglichen Lebens entstanden, wie Teilzahlungskredite, Bestellungen im Versandhandel, Handy- oder Internet-Verträge oder haben sich durch krankheitsbedingte Aufgabe kleiner Geschäfte (Restschulden und Verbindlichkeiten) ergeben. Die Höhe der Schulden bewegt sich dementsprechend in Beträgen von wenigen hundert bis zu einigen tausend Euro.

Die Aussichten der Gläubiger, bei diesen Schuldnern ihre Außenstände eintreiben zu können, sind in der Mehrzahl der Fälle ungünstig, weil Einkommen oder Vermögen fehlen. Angesichts der Forderungshöhe gerät überdies der Aufwand für die Verfolgung der Schulden auf Gläubigerseite schnell ins Missverhältnis zu den kalkulierbaren Erträgen.

Vor diesem Hintergrund hat sich gezeigt, dass Gläubiger in der Regel bereit sind, auf Vergleichsvorschläge einzugehen, die ihnen eine verhältnismäßig niedrige Vergleichssumme in Aussicht stellen, weil bekanntlich der Spatz in der Hand besser ist, als die Taube auf dem Dach.

Können die dafür nötigen Mittel nicht aus eigener Kraft oder mit finanzieller Unterstützung durch Familie oder Freunde erbracht werden, soll nun der "Fond für außergerichtliche Gläubigervergleiche zugunsten psychisch kranker Menschen" Abhilfe schaffen, der von dem "Nussknacker e.V." in Hamburg eingerichtet werden soll. Zusätzlich unterstützt die "Ilse und Hans-Günter Regenbogenstiftung" die Projektidee ab Januar 2004, indem sie einen Teil der dann anstehenden Vergleiche finanzieren will.

Der Patient soll in diesen Fällen allerdings auch in die Pflicht genommen werden, sich an der laufenden Kapitalbeschaffung für den Fond zu beteiligen, d.h. er soll im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten zur Erstattung der für ihn aufgewendeten Tilgungssumme angehalten werden, ohne für ihn zu einem neuen Schuldendruck führen.

Der Nussknacker e.V. hat dazu ein spezielles Fondkonto bei der KSK Südholstein eingerichtet.
(KSK Südholstein, Kto. Nr.: 15014335, BLZ 230510 30)

Das Projekt beschränkt sich zunächst auf überschuldete Patienten der Psychiatrie
des Klinikum Nord. Spenden können schon jetzt überwiesen werden.

Die Initiatoren:
Günter Breese, ehemaliges Vorstandsmitglied des LBK
Manfred Voepel, Ltg. des Sozialdienstes
Adolf W. Hamester, Bankbetriebswirt Schuldnerberater im Klinikum Nord, Hamburg
Joachim Schwertfeger, Geschäftsführer des Nussknacker e.V.


Dazu auch die Presseinformation vom 15.04.2004
Hamburg: Engere Kooperation der drei LBK-Sozialdienste



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