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Von Gisela Kirschstein
Neustadt/Weinstraße/Monsheim (ddp-swe). Zwei Lehrerinnen einer Monsheimer Grundschule dürfen nach den Osterferien nicht mehr an ihre Schule zurückkehren. Wie die Schulaufsicht in Neustadt an der Weinstraße am Donnerstag auf ddp-Anfrage mitteilte, wird den Lehrerinnen von Elternseite vorgeworfen, Gedankengut einer esoterischen Sekte in den Unterricht einfließen zu lassen und Kinder zum Teil massiv beeinflusst zu haben. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) habe deshalb bereits am Dienstag beschlossen, die beiden Lehrerinnen mit sofortiger Wirkung an andere Schulen zu versetzen, sagte der Leiter der Schulaufsicht, Jürgen Buttmann, am Donnerstag in Neustadt an der Weinstraße.
Buttmann sagte weiter, es sei festgestellt worden, dass beide Kolleginnen, darunter auch die Konrektorin der Schule, dem Mainzer Verein «Zentrum des Lichts» angehören, der von Experten als sektenähnliche Vereinigung eingestuft werde. Im Unterricht, darunter auch im Fach Evangelische Religion, sowie in speziellen Meditationskursen sollen sie die Engels-Lehre der esoterischen Vereinigung verbreitet haben. Buttmann betonte, den Vorwürfen werde nachgegangen, beide Lehrerinnen gäben ihre Mitgliedschaft in dem Zentrum aber offen zu.
«Wenn Eltern sich in ihrer Not an uns wenden, dann müssen wir selbstverständlich handeln», sagte der Schulaufsichts-Leiter weiter. Der Schulaufsicht reiche es, dass es Befürchtungen gebe, dass Kinder «in einem Sinne beeinflusst werden, die wir nicht dulden können». Ungeachtet der Tatsache, dass die Vorwürfe möglicherweise gerechtfertigt seien, sei aber schon durch die massiven Proteste der Eltern der Schulfrieden so nachhaltig gestört gewesen, dass eine andere Lösung als die Versetzung gar nicht in Frage gekommen sei.
Die Versetzungen der Lehrerinnen seien zudem mit der Auflage verbunden, im Unterricht die Meditations-Tätigkeiten sowie das Verbreiten von Weltanschauungen zu unterlassen. Die Lehrerinnen können gegen den Versetzungsbeschluss Widerspruch einlegen, dann muss ein Gericht entscheiden.
Der Monsheimer Pfarrer Volker Hudel berichtete, Beschwerden von Eltern gebe es bereits «seit mindestens drei Jahren». Demnach berichteten Kinder beim Mittagessen zuhause «Komisches von Engeln». Darunter seien auch Aussagen, dass wenn sie krank seien, sie Engel anbeten müssten, berichtete Hudel. Der evangelische Pfarrer schätzte die Beschwerden als «gravierend» ein. «Wenn nur ein Bruchteil davon wahr ist, wäre das schon sehr schlimm», fügte er hinzu.
Der Sektenexperte der Evangelischen Kirche im Rheinland, Andrew Schäfer, stuft das in Mainz ansässige «Zentrum des Lichts» als esoterisch-dogmatische Vereinigung mit elitärer und antidemokratischer Ausrichtung ein. In den Schriften des Zentrums werde die Neuordnung einer streng hierarchischen Welt durch einen Schöpfergott propagiert. Ziel sei die Schaffung einer neuen, elitären Menschheit, schreibt Schäfer in einer ddp vorliegenden Stellungnahme. Engel dienten in dieser Weltanschauung als «eine Art kommunikative Brücke in den transzendenten Bereich», häufig aber auch als «moralisierende Kontrolle der Kinder».
Das habe auch Auswirkungen auf den Schulunterricht, in dem «die ordnende göttliche Macht» in die Unterrichtsgestaltung mit einbezogen werde, schreibt Schäfer weiter. Eine solche Pädagogik sei nach seinem Verständnis «nicht mit den Erziehungszielen des weltanschaulich neutralen und demokratischen Staates vereinbar».
Dazu auch ddp-Meldung vom 13.04.2004
Rheinland-Pfalz: Sektenlehre an Schule? - Opposition fordert Aufklärung vom Land
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