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Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 05.05.2004


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03.04.2004

Gesundheitsreform führt zu Rückgang bei Mütterkuren

ddp
Missverständnis um Praxisgebühr / Zahl der Kinderimpfungen rückläufig

Von Monika Hinner

Berlin (ddp). Die Verunsicherung der Patienten im Zuge der Gesundheitsreform führt zu einer drastisch sinkenden Impfrate bei Kindern. Obwohl für Schutzimpfungen generell keine Praxisgebühr erhoben wird und Kinder bis zum 18. Lebensjahr von dieser Zahlung ohnehin befreit sind, wurden in den ersten drei Monaten 2004 im Vergleich zum Vorjahr fast 30 Prozent weniger Kinder gegen Masern geimpft.

Selbst die dringend notwendigen ersten Impfungen für Säuglinge und Kleinkinder sind seit Jahresbeginn um etwa zehn Prozent gesunken. Darauf machte das Mitglied der Ständigen Impfkommission am Berliner Robert-Koch-Institut, die Müncher Kinderärztin Ursel Lindlbauer-Eisenach, am Wochenende aufmerksam.

Das Bundesgesundheitsministeriums konnte die Zahlen nicht bestätigen, da bislang keine entsprechenden Statistiken vorlägen. Eine Ministeriumssprecherin betonte, Ärzte müssten aber ihrer Aufklärungspflicht nachkommen und Eltern erklären, dass ihre Kinder weiterhin ohne Praxisgebühr geimpft werden könnten.

Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Wolfram Hartmann, rief dazu auf, fehlende Impfungen nachzuholen. Ansonsten drohten Masernepidemien, sagte er. Säuglinge erhalten im ersten Lebensjahr unter anderem Schutzimpfungen gegen Tetanus, Keuchhusten, Grippe und Hirnhautentzündung.

Als Folge der Gesundheitsreform geht zudem die Zahl der Mütterkuren stark zurück. «Die bundesweit rund 120 Mütterkurhäuser haben deutliche Belegungseinbrüche», sagte die Geschäftsführerin des Müttergenesungswerkes, Anne Schilling. Zudem werden nach einer Prognose der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) von den 2240 Krankenhäusern in Deutschland 330 in den nächsten zehn Jahren schließen.

Nach Ansicht des FDP-Gesundheitsexperten Dieter Thomae wird es bei der flächendeckenden Versorgung der Patienten künftig zu «massiven Problemen» kommen. Als Hauptgund für das Krankenhaussterben macht die DKG das neue Abrechnungssystem nach Fallpauschalen aus. Danach zahlen die Kassen für eine Behandlung nur noch eine Pauschale - unabhängig davon, wie lange ein Patient tatsächlich im Krankenhaus liegt und wie aufwändig die Behandlung ist.

Nach Angaben der unabhängigen Forschungseinrichtung IMS-Health führt die Gesundheitsreform darüber hinaus zu einem massiven Rückgang der Krankenkassenausgaben für rezeptfreie Medikamente. In den ersten drei Monaten des Jahres sei die Zahl um 67 Prozent gesunken. Seit 1. Januar müssen Krankenkassen rezeptfreie Medikamente nur noch in Ausnahmefällen bezahlen.

Unterdessen haben laut einem Bericht des Magazins «Focus» weitere Betriebskrankenkassen zum 1. April ihre Beiträge erhöht: die BKK exclusiv und die BKK Riedel-de Haen von 12,9 auf 13,6 Prozent sowie die Inovita BKK von 13,2 auf 13,6 Prozent. Hintergrund für die Beitragserhöhungen sei ein neuer interner Finanzausgleich, mit dem die Betriebskrankenkassen ihre Schulden von rund zwei Milliarden Euro abbauen wollen.



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