Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe

Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert
17.07.2007



Übersicht "Meldung vom Tage" (Juni 2007)



19.06.
Mehr Drogendelikte im Straßenverkehr erfasst
Bätzing: "Niemand darf die Augen vor den Gefahren verschließen"
ddp


Von ddp-Korrespondentin Birgit Gugath

Berlin (ddp). In drei bis fünf Minuten liegt das Ergebnis vor. Eine geringe Schweiß- oder Speichelprobe gibt eine klare Aussage über Drogenspuren, die von der Polizei im Schnelltest ermittelt werden. Denn der Konsum von Cannabis oder Kokain vor Fahrtantritt kann schwerste Verkehrsunfälle zur Folge haben. Bei Fahrten unter Drogeneinfluss wurden allein im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 650 Menschen getötet oder schwer verletzt.

"Niemand dürfe die Augen vor den Gefahren verschließen", sagte die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD). Insgesamt mehr als 225 300 Suchtdelikte wurden 2006 vom Kraftfahrtbundesamt erfasst. Davon sei bei 12,2 Prozent (27 400 Fälle) die Einnahme von Cannabis, Heroin oder Amphetaminen nachgewiesen worden. Sechs Jahre zuvor gab es erst 6000.

Bätzing nannte als Gründe für diese drastische Zunahme vor allem verstärkte Kontrollen und verbesserte Erkennungsmethoden. Auch wenn künftig der Anstieg der Zahlen nicht mehr so dramatisch sein werde, zeigten diese jetzt schon, wie groß das Problem sei.

Die Dunkelziffer ist Experten zufolge hoch, denn nur eine von 600 Fahrten in Deutschland unter Drogeneinfluss wird entdeckt, wie der Reitox-Bericht des Europäischen Informationsnetzwerkes für Drogen und Sucht feststellte. Eine Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) belegt, dass 94 Prozent der befragten Drogenkonsumenten sich regelmäßig, dass heißt durchschnittlich 3,5 Mal im Monat, zugedröhnt hinter das Steuer setzen.

Schnelltests werden vor allem an Rauschmittel-Brennpunkten eingesetzt, wie Frank Richter von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sagte. Drogenkonsum sei damit einfacher festzustellen. "Wir rechnen damit, wenn die finanziellen Mittel nicht beschnitten werden und ausreichend Personal vorhanden ist, dass wir in den nächsten Jahren noch mehr Kraftfahrer unter Drogen erwischen", sagte Richter.

Auch der ADAC-Verkehrsrechtsexperte, Michael Ludovisy, befürwortet verstärkte Kontrollen. "Unsere Forderung ist immer gewesen, dass wir mehr Überprüfung wünschen", sagte er.

"Es fehlt in Deutschland bislang ein gesellschaftlicher Konsens, dass in bestimmten Lebenssituationen der Konsum von Drogen aller Art sich verbietet", sagte Bätzing. Deshalb sei eine Kultur des Hinsehens bei Konsum von Drogen erforderlich.

Um einen Wertewandel bei Jugendlichen zu erreichen, sei der Law-and-order-Aspekt in den Vordergrund zu stellen, sagte der Leiter der GDV-Unfallforschung Siegfried Brockmann. Mit der Initiative "don't drug + drive" will der GDV Jugendliche bestärken, sich gegen Drogen zu entscheiden.

"Zu wenige sind sich der rechtlichen und finanziellen Folgen einer Drogenfahrt bewusst", sagte Brockmann. Nach einer Fahrt unter Drogen können neben dem Führerscheinentzug und dem so genannten Idiotentest, einer medizinisch-psychologische Untersuchung, auch Bußgelder, Gerichtsverfahren, geminderte Versicherungsleistungen oder Punkte in Flensburg folgen. Und selbst Beifahrer könnten wegen regelmäßigen Drogenkonsums ihren Führerschein verlieren.


Copyright © ddp
Wiederveröffentlichung oder Verbreitung der Inhalte dieser Seite nur mit ausdrücklicher
schriftlicher Zustimmung der Nachrichtenagentur Deutscher Depeschendienst (ddp).




Besuchen Sie über diese GrafikLinks das Versandhaus Amazon. Bei jeder Bestellung bekommt Lichtblick einige Prozente gutgeschrieben. Diese werden zur Deckung von Web- und Redaktionskosten verwendet.
Wichtig: Sie bezahlen keinen Cent mehr!




Übersicht "Meldung vom Tage" (Juni 2007)

Hier können Sie unseren Newsletter mit Neuigkeiten aus Psychiatrie, Soziales und Selbsthilfe bestellen!


RUBRIK
Meldung vom Tage

nach oben | E-Mail | Startseite  | Newsletter | Impressum |


nach oben Kontakt Startseite