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Von ddp-Korrespondent Ulrich Meyer
Fall (ddp-nrd). Was für ein Gegensatz: Auf der einen Seite die blutige Straßenschlacht in Rostock - auf der anderen Seite die Idylle der bayerischen Alpen. Die Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft bietet Polizeibeamten, die bei den Auseinandersetzungen mit G8-Gipfelgegnern traumatisiert oder verletzt wurden, an, sich in Oberbayern zu erholen und wieder zur inneren Ruhe zu finden.
"Selbst wenn einem der Pflasterstein knapp am Kopf vorbeifliegt, kann das für die betroffenen Polizisten lange nachwirken", sagt der Stiftungsvorsitzende Berend Jochem. Der 60-Jährige war selbst Polizist in Bayern. Vor einem Jahr ging er in Ruhestand und kümmert sich nun um leidende Kollegen.
15 Häuser und Appartements in einer der schönsten Feriengegenden Deutschlands hat die Stiftung zur Verfügung. Kostenlos können dort Polizisten, aber auch Zöllner, Justizbeamte oder Berufsfeuerwehrleute ein paar Tage abschalten. Allein, oder in Begleitung ihrer Familien. Bis zu sieben Personen finden in den Unterkünften Platz.
"Wir verstehen unser Angebot als Hilfe zur Selbsthilfe", sagt Jochem. Eine ständige Betreuung durch Psychologen oder Sozialpädagogen gebe es nicht. "Wir lassen die Leute einfach in Ruhe - wenn sich aber jemand aussprechen will, stehen wir zur Verfügung", beschreibt der Ex-Polizist das Konzept. Auch Kontakte zum evangelischen und katholischen Seelsorgedienst der Polizei würden vermittelt.
Gegründet wurde die Stiftung 1997 vom bayerischen Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft. Das Haupthaus ist das ehemalige Forstamtsgebäude im Lenggrieser Ortsteil Fall. Manchem mag die Landschaft aus dem bekannten Heimatfilm "Der Jäger von Fall" ein Begriff sein. Abgeschiedenheit, unberührte Natur und beeindruckende Berge prägen das Leben in dem Dörfchen im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet. Für die größte Aufregung der letzten Zeit sorgte dort im vergangenen Jahr Braunbär Bruno, der bei Fall von einem Auto gestreift wurde und dann durch den nahen Sylvensteinsee davon schwamm.
Feierlich eröffnet wurde das Haus bereits 2000 durch Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU). Es bietet sogar einen Fitnessbereich mit Sauna und Wärmekabine sowie Aufenthaltsräume. Polizisten aus allen Bundesländern haben die Einrichtung bereits genutzt. Darunter waren auch Spezialisten, die nach dem verheerenden Tsunami in Ostasien über Monate hinweg versucht haben, Leichen zu identifizieren. Sie verbrachten mit ihren Familien einige Zeit in dem Erholungsheim, wie Jochem sagt.
Bezahlen mussten sie dafür nichts. Lediglich um die Anreise und Verpflegung muss sich jeder selbst kümmern. Finanziert wird das alles vor allem durch Spenden. "Ich bin der größte Bettler Deutschlands", sagt Jochem scherzend. Zu den Unterstützern der Stiftung gehören zum Beispiel die Familien Oetker und Reemtsma. Dem Förderkreis gehören aber auch die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, TV-Kommissar Miroslav Nemec, und Ex-Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) an. Hin und wieder sprechen auch Gerichte der Organisation Bußgelder zu.
Noch ist der Einsatz rund um den G8-Gipfel in Heiligendamm an der Ostsee ja längst nicht beendet. Und nach der Erfahrung Jochems dauert es meist ohnehin einige Zeit, bis sich bei den Polizisten die Angst und die Verstörung durch die Gewalterlebnisse zeigen. Doch das Angebot der Stiftung steht: "Wir ziehen da keine engen Grenzen. Wenn einer erst in einem Jahr auf uns zukommt, werden wir ihn nicht zurückweisen."
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