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Von ddp-Korrespondentin Anja Schäfers
Berlin/Hamburg (ddp). "Immer was los", "spannende Unterhaltungen am Küchentisch", "nie Milch im Kühlschrank" oder "dreckiges Badezimmer". Solche und ähnliche Stichworte kommen, wenn über Wohngemeinschaften gesprochen wird. Wie viele WGs es in Deutschland gibt, kann niemand sagen. Gerade unter Studenten und jüngeren Menschen sind sie jedoch weit verbreitet.
Die einen sehen in der WG eine Übergangslösung, in der man lebt, bis man sich eine eigene Wohnung leisten kann. "Ich halte die Wohngemeinschaft für die ideale Lebensform für Alleinstehende", sagt Jens Jeep, Co-Autor des "WG-Buches". Hier könne man nicht vereinsamen oder schrullig werden, sondern bliebe kompromissbereit und offen für andere Menschen.
Zudem würden die Konflikte, die man mit einer WG in Verbindung bringt, in ganz ähnlicher Form auch beim Zusammenleben mit einem Partner oder der eigenen Familie auftreten. Das Leben in der Wohngemeinschaft könne man sich durch feste Absprachen erleichtern. "Regeln engen nicht ein, sondern schaffen Freiheit", sagt Jeep. Wer sich einmal grundsätzlich geeinigt habe, brauche nicht bei jedem Alltagsproblem neu zu diskutieren.
Schon vor dem Zusammenziehen sollte man sich über die Privatsphäre in der WG verständigen. Während man in den Gemeinschaftsräumen immer damit rechne, dass andere hinzukommen, dürften die Räume der einzelnen Bewohner nicht einfach so betreten werden. Bei einer verschlossenen Tür müsse man unbedingt klopfen und auf das "Herein" warten. "Ich kann mit einer offenen oder angelehnten Tür aber auch signalisieren, dass andere hereinkommen können", sagt Jeep.
Häufig wird die Küche zum Mittelpunkt der WG und den lassen riesige Berge aus ungespültem Geschirr rasch ungemütlich werden. Daher muss man festlegen, ob jeder einzeln und sofort abwäscht oder ob reihum und kollektiv sauber gemacht wird. Bei Letzterem kann eine "Spüluhr" helfen. Dies ist eine Pappscheibe mit den Namen aller Bewohner und einem Anzeiger. Wer abgewaschen hat, stellt die Markierung einen Namen weiter.
Damit der Küchenlappen nicht versehentlich zum Kloputzen verwendet wird, sollte der Zweck der Putzsachen und Handtücher geklärt werden. "Hier hat sich das Prinzip der Schwammecken bewährt", berichtet Jeep. Geschirr wird nur mit einem unversehrten Schwamm gespült. Ist eine Ecke abgeschnitten, darf man damit Tisch und Arbeitsflächen abputzen. Für die Reinigung von Fußboden oder Badezimmer ist er erst freigegeben, wenn alle Ecken ab sind.
Grundsätzlich muss sich die Wohngemeinschaft darauf einigen, wie häufig und wie gründlich geputzt werden soll. Für das Grundreinemachen von Küche, Bad und Fluren ist der gute alte Putzplan nützlich. "Sinnvoll ist auch ein gemeinsamer WG-Putz", rät der Autor. Während der eine zum Beispiel die Küche sauber mache, schrubbe der andere das Bad. Anschließend könne man gemeinsam frühstücken oder Kaffee trinken.
Es empfiehlt sich, Putzsachen, Toilettenpapier und bestimmte Basislebensmittel gemeinsam einzukaufen und zu teilen. "Dies gilt etwa für Zucker, Salz, Öl, Milch oder Kaffee", sagt der WG-Experte. Andere Lebensmittel sollte sich jeder selbst besorgen und in "seiner" Ecke des Kühlschranks aufbewahren oder mit einem Stift markieren.
Etwa einmal mit Monat sollten sich alle Mitglieder der WG treffen, damit Probleme des Zusammenlebens angesprochen und Lösungen gesucht werden können. Meist lassen sich dabei Kompromisse finden, auch Mehrheitsentscheidungen können weiterhelfen. "Wie in jeder Partnerschaft muss man sich aber trennen, wenn man gar nicht mehr zusammenpasst", sagt Jeep.
Wenn ein Bewohner im Streit ausziehen möchte, bekommen viele WGs mietrechtliche Probleme. "Denn häufig haben Wohngemeinschaften Verträge, in denen alle Mitglieder gleichberechtigte Mieter sind", berichtet Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Ein einzelner kann dann nur kündigen, wenn alle Mitmieter und der Vermieter damit einverstanden sind.
Dies ist bei einem Vertrag anders, bei dem es einen Hauptmieter und mehrere Untermieter gibt. Dabei sind die WG-Bewohner aber nicht gleichberechtigt und auch viele Vermieter mögen diese Art von Mietverhältnis nicht. Aus Gründen der Zahlungssicherheit bestehen sie meist darauf, dass alle WG-Bewohner den Vertrag unterschreiben. "In den Mietvertrag sollte man unbedingt die Klausel setzen lassen, dass man eine WG gründet und sich vorbehält, einzelne Mitglieder auszutauschen", sagt der Experte.
Aus verschiedenen Gründen wechseln in vielen Wohngemeinschaften die Bewohner recht häufig. Unabhängig vom Mietvertrag empfiehlt es sich daher, bei der Gründung einer WG Regelungen für verschiedene finanzielle Belastungen zu treffen. "Festlegen sollte man zum Beispiel, wie man mit der Mietkaution umgeht oder mit den Kosten für Schönheitsreparaturen", empfiehlt Ropertz.
Tipps für das Leben in der WG
Internet
Der Mieterverein zu Hamburg bietet auf seiner Internetseite ein Merkblatt für Menschen an, die gemeinsam eine Wohnung anmieten wollen: mieterverein-hamburg.de (Rubrik: Merkblätter).
Auf etlichen Seiten im Internet kann man kostenlos nach freien Plätzen in Wohngemeinschaften suchen oder diese anbieten, beispielsweise bei studenten-wg.de, wggruendung.de oder wg-welt.de.
Bücher
Jens Jeep, Robert Neumann, Oliver Nelle: "Das WG Buch. Vom Leben und Überleben in der Wohngemeinschaft", Eichborn Verlag, 1998 (antiquarisch erhältlich)
Christiane Leesker, Claudia Wegener, Almuth Heene: "Kocht wieder kein Schwein?! Das ultimative WG-Kochbuch", Hölker Verlag, 1999, 12,95 Euro, ISBN: 978-3881175050
Nadja Sennewald: "schöner wohnen.doc, Ein WG-Roman", Kiepenheuer und Witsch Verlag, 2002 (antiquarisch erhältlich)
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