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28.03.2007



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20.03.
Therapiehunde besuchen seit Senioren in Jenaer Klinik für Altenpsychiatrie
ddp


Von ddp-Korrespondentin Tonia Haag

Jena (ddp-lth). Ein lautes Bellen hallt durch den Raum. Erschrocken fahren die älteren Leute zusammen, doch dann lachen sie. Der erste Schritt für Tiertrainer Jens Berndt ist gemacht, das Eis zwischen seinen Hunden und den Senioren scheint zu schmelzen. Die "hundegestützte Therapiestunde" auf der Altenstation in der Jenaer Klinik für Psychiatrie kann beginnen.

"Das war mal eine richtige Begrüßung", sagt eine Dame mit ergrauten Haaren und schaut gespannt auf den kräftigen Rüden. Der macht sich unterdessen zur nächsten, diesmal persönlichen Begrüßungsrunde auf. Brav wandert er von Patient zu Patient und wartet ab, ob er eine Streicheleinheit ergattern kann.

Seit acht Jahren kommt Berndt regelmäßig zur "Kuschelstunde" in die Jenaer Klinik. Damals hatte er gerade die Ausbildung absolviert, um mit seinem Hund Eros zusammen auf Krankenbesuch gehen zu können. "Einsatzfähiges Therapiebegleithundeteam" nennen sich die beiden seitdem. Seit einiger Zeit gehört auch Eros' Tochter Bessi zur Gruppe. "Die beiden Hunde ergänzen sich sehr gut", erklärt Berndt. Während Eros eher ruhig sei, wirke Bessi manchmal so "als hätte sie in eine Steckdose gefasst", so energiegeladen sei sie.

Welche Wirkung die Besuche seiner Hunde haben, ist für Berndt nicht immer zu erkennen. Bekannt sei zwar, dass das Streicheln von Tieren zum Stressabbau beitrage. Welche Fortschritte die Patienten durch die Besuche machten, könne er aber nicht abschätzen. "Einmal war eine Dame während der Therapiestunde sehr abweisend und hat keine Übung mitmachen wollen", erinnert sich der Tiertrainer. Erst später habe er erfahren, dass die alte Frau tagelang nur noch von Eros erzählt habe, also doch sichtlich beeindruckt von dem Tier war.

Ähnliches hat Bewegungstherapeutin Kerstin Reißig schon häufiger erlebt. Für sie ist der Besuch der Tiere oft eine Möglichkeit, an verschlossene Patienten heranzukommen. "Vor allem viele Demenzkranke blühen auf, wenn uns die Hunde besuchen", erzählt Reißig. Viele von ihnen seien selbst mit Tieren aufgewachsen und erinnerten sich während der Therapie daran. "Sie erzählen dann plötzlich viel aus ihrer Vergangenheit, was wir sonst nie erfahren hätten", sagt die Therapeutin.

Aber auch für viele depressive Patienten sind die Besuche nach Reißigs Einschätzung eine wichtige Therapie. "Sie werden dadurch aus ihren trüben Gedanken herausgeholt", ist sie überzeugt. Für jeden sei die Therapieart jedoch nicht geeignet, betont Berndt. Wer schon immer Angst vor Hunden gehabt habe, bei dem seien andere Therapieansätze besser geeignet.

Beim Anblick von Berndts Hunden scheinen bei manchem Patienten die Bedenken allerdings zu schwinden. "Komisch, ich hatte eigentlich immer Angst vor Hunden, jetzt aber nicht mehr", wundert sich eine Seniorin und bewundert beim Streicheln Eros' weiches Fell. Und sogar zur nächsten Übung erklärt sie sich ohne Zögern bereit. Sie streckt Eros ein Stück Banane entgegen. Der kräftige Rüde lässt sich nicht lange bitten und schleckt mit seiner großen Zunge das Obst aus der Hand der alten Dame.

Berndt ist zufrieden mit der Stunde. "Nach Jena komme ich besonders gern", sagt der Tiertrainer. Hier habe schließlich alles für ihn begonnen, und schlechte Erfahrungen habe er bislang auch noch nicht gemacht. Doch reich wird er mit den Einsätzen nicht. "Eine kleine Aufwandsentschädigung gibt es", sagt Berndt - mehr auch nicht. Aufhören kommt für ihn jedoch nicht in Frage, dazu bereite ihm die Arbeit zu viel Freude. "Und ganz nebenbei ist es ja auch eine gute Werbung für meine Hundeschule."


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