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Von ddp-Korrespondentin Carola Benz
Chemnitz (ddp-lsc). Wenn "Helga" den Saal betritt, hat sie die Lacher fast immer auf ihrer Seite. Die gescheckte Zwergziege ist der Star unter den Tieren von Marlies und Jörg Mehlhorn aus Leukersdorf im Landkreis Stollberg. Mit Kaninchen, Katzen, Meerschweinchen, einem Hund und einer Ziege besucht das Ehepaar seit drei Jahren regelmäßig Seniorenheime und Kliniken, um Alte und Kranke aufzuheitern und zu mehr Aktivität anzuregen.
In der Reha-Klinik des Geriatriezentrums Chemnitz ist die "bunte Truppe" einmal im Monat zu Besuch. Alte Menschen weilen für drei, vier Wochen in dem Haus, um nach Schlaganfällen, schweren Operationen oder Amputationen das Alltagsleben wieder zu erlernen. Infolge der Krankheiten oder auch altersbedingt wird wenig gesprochen und das Geschehen draußen nur bedingt wahrgenommen.
"Wir wollen die Leute über die Tiere anregen, miteinander zu kommunizieren und für kurze Zeit Verantwortung zu übernehmen", sagt Jörg Mehlhorn. Ein Tier streicheln, an der Leine halten, dem Nachbarn weitergeben - das sind die Aufgaben während der "Kuschelstunde".
Marlies Mehlhorn spricht pausenlos, während sie die Tiere den betagten Frauen und Männern auf den Schoß setzt. Sie stellt die Meerschweinchen "Rudi" und "Elisabeth von Bachmann", den dicken braunen Kater "Jimmy" und Kaninchen "Moritz" vor. Dann sind da noch Zwerghase "Samuel" und eben "Helga".
"Die Meerschweinchen wollen gestreichelt werden! Sie beißen nicht und reißen nicht aus", beruhigt Marlies Mehlhorn eine ältere Dame, die ihre Hand zurückziehen will. Einer Frau fällt ein, dass sie früher auch Hasen zu Hause hatten. Ein Herr im Rollstuhl berichtet freudig, dass sein Enkel Tierpfleger in einem Tierpark ist. "Die Leute sollen auch noch miteinander reden, wenn wir wieder weg sind", beschreibt Jörg Mehlhorn ein Ziel der Besuche.
Zwischen Zwickau und Hainichen erreiche man so etwa 300 Leute pro Woche. Dabei überstiegen die Kosten unter anderen für Transporter, Tierarzthonorare und Haftpflichtversicherung den Erlös. Der Besuchsdienst sei ehrenamtlich: Das Hauptgeschäft der Mehlhorns ist eine Tierpension. In manchen Einrichtungen arbeitet das Ehepaar auch mit Ergotherapeuten zusammen. "Die Einstellung einer eigenen Therapeutin scheitert daran, dass wir keine eigene Praxis betreiben", verweist Mehlhorn auf den gesetzlichen Rahmen.
Die Leukersdorfer haben sich das meiste zum Thema "tiergestützte Therapie" aus Fachbüchern und durch die eigene Arbeit angeeignet. Doch auch von Hochschulen, Fachinstituten und Verbänden werden Weiterbildungen angeboten. Seit November 2006 gibt es eine Internationale Gesellschaft für Tiergestützte Therapie.
Nach Angaben des Forums Tiergestützte Therapie für Deutschland, Österreich und die Schweiz ist die Arbeit mit Tieren in der Medizin und Altenpflege auf dem Vormarsch. In Sachsen bieten beispielsweise Reiterhöfe, eine Alpakafarm, Hundehalter sowie Behindertenwerkstätten und Logopäden verschiedene Therapieformen an. Ein Modellprojekt zur Auswertung von Erfahrungen in Krankenhäusern, Kurkliniken oder Senioreneinrichtungen gibt es jedoch laut Sozialministerium im Freistaat nicht.
www.tiergestuetzte-therapie.de
INFOKASTEN
Tiere werden vielerorts zur Therapie von Kranken eingesetzt. So arbeiten manche Logopäden und Psychotherapeuten mit Tieren. Kinder beispielsweise können dadurch Ängste abbauen. Nachgewiesen ist auch eine entspannende und Stress reduzierende Wirkung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Rheuma. Insgesamt können sich Tiere positiv auf das seelische und körperliche Wohlbefinden der Patienten auswirken.
Zudem gibt es tiergestützte Aktivitäten, die zur Steigerung der Lebensqualität von Patienten etwa in Altenheimen eingesetzt werden. Die Tiere können positiv auf depressive Menschen wirken, die sich durch regelmäßigen Umgang etwa mit einem Hund wieder für ihre Umwelt öffnen.
Die Tiere werden je nach Charaktereigenschaften eingesetzt. So wirken Meerschweinchen und Hunde aufheiternd, Katzen dagegen beruhigend und Stress abbauend.
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