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19.02.2007



Übersicht "Meldung vom Tage" (Januar 2007)



27.01.
Begleithund Beke auf Psychosomatischer Kinderstation
ddp


Von ddp-Korrespondent Michael Caspar

Göttingen (ddp-nrd). "Beke, Beke", schallt es über den Flur der Wohngruppe, als Ergotherapeutin Judith Schiffmacher mit ihrer Labradorhündin die psychosomatische Kinderstation des Universitätsklinikums Göttingen betritt. Beke läuft schwanzwedelnd auf die kleinen Patienten zu. "Ich habe es mir abgeschminkt, hier als erste begrüßt zu werden", sagt Schiffmacher lachend. Seit drei Jahren setzt die 29-jährige ihre Beke als Therapiebegleithund für Kinder ein, die unter schweren Formen von Essstörungen, sozialen Ängsten und sonstigen Verhaltensauffälligkeiten leiden.

In der als Wohngruppe gestalteten Station werden bis zu zehn Kinder und Jugendliche betreut. Heute soll der neunjährige Jannis seine motorischen Fähigkeiten üben. Er muss auf einer Turnbank entlanggehen. Dann geht es durch einen Tunnel hindurch. "Dass du das kannst, weiß ich", meint Schiffmacher, "aber der Beke müssen wir das noch beibringen." Jannis ist sofort Feuer und Flamme. Geduldig führt der Junge dem Hund die Übung vor. "So musst du das machen", sagt er. Wie im Flug vergeht die Stunde.

Die elfjährige Henriette und die 15-jährige Claudia sollen ihre Körperwahrnehmung schulen. Sie legen ihr Ohr auf den warmen Hunderücken und lauschen. "Bekes Herz schlägt schneller als meins", stellt Henriette fest. "Es schlägt sehr gleichmäßig", beobachtet Claudia. Gemeinsam tasten sie Beke ab, das glatte Fell, die samtigen Ohren, die feuchte Nase, den speckigen Bauch, die rauen Pfoten. "Schaut nur, der Hund hat Schwimmhäute", zeigt Schiffmacher den Kindern. Labradors werden zur Entenjagd gezüchtet.

Beke bringt übergewichtige Kinder dazu, mit ihr spazieren zu gehen. Kleine Patienten mit Angst vor anderen Menschen verlassen ihr Bett und nehmen über den Hund Kontakt zu den andern Kindern auf. Schulverweigerer gehen mit Beke zum Unterricht in die Klinikschule. "Zähl doch mal zehn Leckerlis für Beke ab", bittet Schiffmacher den kleinen Toni. "Jetzt nehme ich zwei weg", sagt sie und fragt: "Wieviel hast du jetzt noch für den Hund übrig?" Toni kommt auf acht. Einen darf er Beke geben, die schon aufgeregt mit der Rute wedelt. Um eine familiäre Atmosphäre zu schaffen, tragen die Schwestern normale Kleidung.

"Der Labrador verändert durch seine bloße Anwesenheit die Stimmung in der Wohngruppe", berichtet Stationsleiterin Susanne Thiele. Beke stupst die Kinder mit der Pfote und signalisiert, dass sie gestreichelt werden will. Sie findet auch zu verschlossenen Patienten Zugang. "Die Hündin fragt nicht, wie ein Kind aussieht oder was für Kleidung es trägt. Sie nimmt sie, wie sie sind", erläutert die 41-Jährige. Über den Hund kommen die Erwachsenen mit den Kindern ins Gespräch.

Beke hilft den kleinen Patienten, Sozialverhalten einzuüben. Behandeln diese den Hund ruppig, zieht sich der zurück. "Das trifft die Kinder härter, als wenn ein Erwachsener schimpft", erläutert Schiffmacher. Die Kinder lernen, den richtigen Ton zu finden. "Beke hört nicht, wenn sie über den Flur angeschrieen wird", sagt die Ergotherapeutin. Die Hündin reagiert aber auch nicht, wenn ein überangepasstes Kind zu leise spricht.

Auf die Idee einen Therapiebegeleithund einzusetzen, hat Schiffmacher das Klinikum gebracht. Ihr Freund, ein Forstingenieur, hatte Beke zum Jagdhund abrichten wollen. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass dort nicht die Qualitäten des ebenso lieben wie nervenstarken Tieres liegen. So absolvierte Schiffmacher mit Beke eine anderthalbjährige Ausbildung. Dort lernte die Labradorhündin aufs Wort zu gehorchen. Selbst in bedrohlichen Situationen, etwa wenn jemand auf sie zugerannt kommt, darf sie kein aggressives Verhalten zeigen.

Der fünfjährige Labrador Beke ist bisher der einzige Therapiebegleithund im Klinikum. Auf Station darf sich das Tier frei bewegen. Küche und Arztzimmer sind jedoch aus Hygienegründen tabu für das Tier.



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