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20.01.2007



Übersicht "Meldung vom Tage" (Januar 2007)



17.01.
Liedermacherin Bettina Wegner geht auf ihre letzte Tour
Start am Freitag in Stuttgart
ddp


Von ddp-Korrespondentin Tamara Bartlitz

Berlin (ddp). Die Liedermacherin Bettina Wegner hört auf. Am Freitag startet in Stuttgart ihre letzte Tour. "2007 wird definitiv mein letztes Jahr in diesem Beruf sein", sagt die 59-Jährige im ddp-Gespräch. Mehr als 35 Jahre hat sie auf der Bühne gestanden, Lieder wie "Kinder" haben Hunderttausende berührt. Daraus, dass der Abschied zu allererst eine Kapitulation vor dem Gelddiktat im Musikgeschäft ist, macht sie keinen Hehl. "Seit 1998 habe ich die Musiker, die ich mir immer gewünscht habe", sagt sie, und dass sie "es wohl noch eine Weile geschafft" hätte. Aber sie will nicht mehr. Sie hat einfach "keinen Bock mehr auf das große Geschacher" um Gagen und die Angst der Veranstalter vor halbleeren Häusern. "Ich liebe meinen Beruf zu sehr, um mich wie eine Hure zu fühlen, die man runterhandelt."

"Mit mir nicht" hat Bettina Wegner schon oft gesagt.1947 in Westberlin geboren, siedelt sie mit den Eltern - beide sind überzeugte Kommunisten - in die DDR über. In den 60er Jahren ist sie Mitbegründerin des Oktoberklubs. Zum ersten Mal in Konflikt mit dem Staat gerät sie 1968 bei einer Flugblattaktion gegen die Niederschlagung des "Prager Frühlings". Wegen "staatsfeindlicher Hetze" wird sie zu 16 Monaten auf Bewährung verurteilt. "Bewähren" muss sie sich in der Produktion. Später holt sie ihr Abitur nach und absolviert eine Ausbildung zur Sängerin. Von 1973 an arbeitet sie freischaffend - aber nie frei. Sie wird von der Stasi beobachtet, ihre gemeinsam mit ihrem damaligen Mann Klaus Schlesinger in Berlin organisierten Veranstaltungsreihen "Eintopp" und "Kramladen" werden verboten.

1976, da hat sie längst zwei eigene Söhne und einen von Schlesinger in die Ehe gebrachten "geschenkten", protestiert sie öffentlich gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Auftreten darf sie danach in der DDR kaum noch - wie Biermann wäre man die Unbequeme am liebsten los. 1978 veröffentlicht sie in der Bundesrepublik ihre Platte "Sind so kleine Hände".

Fünf Jahre und ein fingiertes Verfahren wegen Zoll- und Devisenvergehens später hält sie den Druck nicht mehr aus: Sie gibt der Aufforderung des DDR-Kulturministeriums nach, das Land zu verlassen. Bettina Wegner geht nach Westberlin - und nennt das heute "einen der schlimmen Brüche in meinem Leben". Lange Zeit hat sie keine Kraft für die Musik. "Meine Wurzeln sind damals abgeschnitten worden - und ich habe sie bis heute nie wieder irgendwo reinstecken können", bekennt sie. Kann man leben ohne Wurzeln? "Man kann", wenn man Familie und Freunde hat", sagte die Wagner.

Beruflich beginnt für die Sängerin, die sich in Berlin-Frohnau niederlässt, im Westen eine Hoch-Zeit. Sie veröffentlicht bis 2004 zwölf CDs, arbeitet mit Kollegen wie Georg Danzer, Konstantin Wecker und Ludwig Hirsch. Bald gilt sie als eine der besten deutschsprachigen Liedermacherinnen. In der legendären Waldbühne singt sie mit Joan Baez. "Ich habe gezittert vor Angst. Open Air und die Baez, das war zu viel. Joan Baez hat sich rührend um mich gekümmert. Sie war mir von allen berühmten Kollegen am nächsten", erinnert sie sich.

Konzerte wie das in der Waldbühne wird Bettina Wegner ihren Fans wohl nie wieder bieten. Verloren geht sie ihnen dennoch nicht. "Ich werde immer singen müssen. Benefizkonzerte mache ich natürlich weiter, wenn mir die Sache am Herzen liegt", verspricht sie. "Und wenn ein reicher Mensch kommt, dem es egal ist, ob er an meinem Auftritt viel, wenig oder gar nichts verdient, mach ich das auch. Ist aber unwahrscheinlich, dass so einer kommt." Sehr wahrscheinlich ist dagegen, dass die Wegner ein neues Buch schreibt. Prosa wird es, das verrät sie. Worum es geht, sagt sie noch nicht.

Die Daten für die Abschiedstour, auf der sie von ihrem langjährigen Freund und Wegbegleiter Karsten Troyke (Gesang) und dem Gitarristen Jens-Peter Kruse begleitet wird, stehen bis Mitte Mai fest - danach geht es bis zum Winter weiter quer durchs Land. Und das unwiderruflich letzte (Berufs-)Konzert? "Das spiele ich hoffentlich in Berlin - schade nur, dass es nicht im Tränenpalast sein kann."

(Tourdaten: 19. Januar: Stuttgart, Theaterhaus; 20. Januar: Plauen, Malzhaus; 26. Januar: Potsdam, Hans-Otto-Theater; 27. Januar: Berlin, Passionskirche; 9. Februar: Erfurt, Gewerkschaftshaus; 25. Februar: Halle, Steintorvariete; 3. März: Guben, Klosterkirche; 6. März: Dresden, Komödie; 9. März: Bargteheide, Kleines Theater; 24. März: Berlin, Freizeitforum Marzahn; 29. März: Köln, Gloria;13. April: Halle, Steintorvariete; 14. April: Leipzig, Haus Leipzig; 12. Mai: Anklam)



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