Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe

Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert
20.01.2007



Übersicht "Meldung vom Tage" (Januar 2007)



17.01.
Betreuung für Sterbende - Palliativzentrum Göttingen öffnet am Donnnerstag
Auch Todkranke möchten Lebensende zu Hause verbringen
ddp


Von ddp-Korrespondent Michael Caspar

Göttingen (ddp-nrd). "Die Vorstellung, am Ende des Lebens allein in einem anonymen, mit Apparaten vollgestellten Krankenhauszimmer zu sterben, macht vielen Menschen Angst", sagt der Mediziner Friedemann Nauck. Im neuen Palliativzentrum des Universitätsklinikums Göttingen, das am Donnerstag öffnet, würden andere Wege beschritten, um schwerstkranke, sterbende Menschen zu betreuen. Das landesweit einzige Palliativzentrum verfüge neben zehn Betten für eine stationäre Behandlung auch über eine Tagesklinik zur ambulanten Versorgung der derzeit 70 Patienten im Umkreis von 60 Kilometern, sagt der 51-jährige, der die Einrichtung leitet.

"Nach Umfragen würden die meisten Deutschen ihre letzten Tage am liebsten zu Hause verbringen. Doch nur 30 Prozent tun es", sagt Nauck. Bis zu 70 Prozent könnten jedoch in den eigenen vier Wänden sterben, wenn es eine flächendeckende ambulante Betreuung in Deutschland gäbe. "So ließen sich sogar die Kosten senken, weil wir dann weniger Krankenhausbetten bräuchten", sagt Nauck, der seit Oktober 2006 auch eine Stiftungsprofessur und den Lehrstuhl für Palliativmedizin in Göttingen innehat..

Palliativmediziner kümmern sich um jene Patienten, die unter einer unheilbaren, fortschreitenden Krankheit leiden. "Meist haben Ärzte in diesen Fällen vor Jahren Krebs diagnostiziert", sagt der Professor. Nach Operationen, Chemo- und Strahlentherapie greife die Palliativmedizin bei denen, wo Mediziner keine Hoffnung mehr auf Heilung sähen..

"Für solche Patienten können wir aber trotzdem noch viel tun", betont Nauck. Die Palliativmedizin schütze den Kranken wie ein Mantel, lateinisch pallium, vor Beschwerden. Schwerstkranke kämpften oft mit starken Schmerzen. Sie litten zum Teil unter Übelkeit und Luftnot, Panikattacken und Krämpfen. Solche Symptome ließen sich lindern..

Physiotherapeuten im palliativmedizinischen Team unterstützen den Kranken dabei, die eigene Mobilität zu erhalten. Zudem begleiteten Psychologen den Patienten beim schmerzhaften Abschied von der Hoffnung, wieder gesund zu werden, sagt Dirk Eggebrecht. Der 52-jährige Psychologe steht den Kranken zur Seite, wenn diese die Bilanz ihres Lebens ziehen. "Das ist oft wie eine Beichte", sagt er..

Oft lenke er den Blick der Patienten auf die schönen Momente in deren Leben. Eggebrecht berichtet von einer Patientin, die sich an ihre frühmorgendlichen Spaziergänge erinnerte. Der Anblick von Blumen, auf denen noch der Tau lag, habe ihr Kraft gegeben, die kurze, noch verbleibende Zukunft zu planen. Dabei sei es um Fragen gegangen, wer in den letzten Stunden bei ihr sein sollte oder was noch zu erledigen sei..

Der Psychologe bezieht auch Angehörige ein, die einen Großteil der häuslichen Pflege übernehmen. Einige jüngere Patienten, manche sind keine 30 Jahre alt, haben kleine Kinder. "Ich halte nichts davon, denen den Ernst der Situation zu verheimlichen", meint Eggebrecht. Kinder bräuchten in dieser Phase besonders viel Zuwendung..

Pflegenden Angehörigen stehen die drei ambulant tätigen Schwestern sowie die zwei Ärzte des Palliativzentrums zur Seite. In Notfällen sind diese rund um die Uhr erreichbar. Hinzu kommen der Hausarzt, der Pflegedienst und eventuell ein Sozialarbeiter..

"Ich wünsche mir, dass Patienten frühzeitig mit uns Kontakt aufnehmen", sagt Krankenschwester Angela Wellmann. So könne sich ein Vertrauensverhältnis entwickeln. "Das mindert die Angst, am Ende nicht in Würde sterben zu dürfen.".

Die Baukosten für die neue Göttinger Einrichtung in Höhe von drei Millionen Euro hat die Deutsche Krebshilfe übernommen. Von dem Palliativzentrum sollen künftig auch Impulse in Forschung, Lehre und Weiterbildung auf die palliativmedizinische Betreuung im Land ausgehen.



Copyright © ddp
Wiederveröffentlichung oder Verbreitung der Inhalte dieser Seite nur mit ausdrücklicher
schriftlicher Zustimmung der Nachrichtenagentur Deutscher Depeschendienst (ddp).





Mit einer Online-Bestellung bei amazon.de können Sie über
diesen GrafikLink den Lichtblick-Newsletter unterstützen.





Übersicht "Meldung vom Tage" (Januar 2007)

Hier können Sie unseren Newsletter mit Neuigkeiten aus Psychiatrie, Soziales und Selbsthilfe bestellen!


RUBRIK
Meldung vom Tage

nach oben | E-Mail | Startseite  | Newsletter | Impressum |


nach oben Kontakt Startseite