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Von Janet Binder
Bremen (ddp-nrd). Im Bremer Untersuchungsausschuss zum Fall Kevin sind erneut Vorwürfe gegen den zuständigen Fallmanager des Jungen im Jugendamt erhoben geworden. Der Kinderheimleiter Joachim Pape sagte am Dienstag, er habe sich große Sorgen um Kevin gemacht, als dieser im November 2005 nach dem Tod der Mutter in seine Einrichtung gebracht worden sei. Der Junge sei schwächlich gewesen. Zudem sei der drogenabhängige Ziehvater in die Psychiatrie zwangseingewiesen worden. Dem Mann sei es schlecht gegangen und er habe offenbar unter Medikamenteneinfluss gestanden. Dem Fallmanager habe er deshalb gesagt, dass er Kevin gerne länger zur Beobachtung im Heim behalten wollte.
Der Sozialarbeiter habe dagegen eine schnellstmögliche Entlassung gewollt, ohne sich zu erkundigen, wie es dem Kind gehe. "Wollen Sie mir vorschreiben, wie ich meine Arbeit zu machen habe", habe der Fallmanager ihn ungehalten am Telefon gefragt. "Ich konnte überhaupt nicht nachvollziehen, warum ein Kind in dieser Situation entlassen wird", sagte Pape. Schließlich sei mit dem Tod der Mutter etwas Schreckliches in der Familie passiert.
Zwei Wochen nach der Einlieferung des Jungen sei dieser entlassen worden. „Wenn ich mich geweigert hätte, den Jungen herauszugeben, hätte ich mich strafbar gemacht“, betonte Pape. Zudem habe ihm der Fallmanager auch versichert, dass der Junge künftig zusammen mit dem Ziehvater bei der Großmutter in Niedersachsen leben würde. "Da habe ich nicht mehr protestiert." Er habe jedoch nichts von den Misshandlungen Kevins gewusst und dass er bereits wegen Knochenbrüchen im Krankenhaus behandelt worden war.
Unterdessen wies die Sozialarbeiterin einer Tagesmutter-Vermittlung vor dem Ausschuss Vorwürfe zurück, wonach sie nicht richtig gehandelt habe, nachdem Kevins Tagesmutter ihr von Verletzungen des Kindes berichtet hatte. Kevin war im März 2006 einige Tage bei der Tagesmutter in Pflege gewesen. Dabei hatte die Frau einen geschwollenen Penis, einen vermutlich gebrochenen Fuß und zahlreiche blaue Flecken am Körper des Jungen festgestellt. Die Sozialarbeiterin sagte im Ausschuss, dass sie darüber den Fallmanager informiert habe. Dieser habe ihr zugesagt, sich darum zu kümmern. Warum sie nicht gleich die Polizei alarmiert hat, konnte sie nicht erklären.
Für Mittwoch ist der Arzt als Zeuge geladen, der Kevins Vater in dessen Methadonprogramm begleitete. Der Mediziner war in die Kritik geraten, weil er sich stets für den Verbleib Kevins in der Familie ausgesprochen hatte. Fallmanager und Amtsvormund sind für Mittwoch nächster Woche geladen. Gegen alle drei ermittelt die Staatsanwaltschaft. Beobachter des Untersuchungsausschusses gehen deshalb davon aus, dass die Zeugen ihre Aussage verweigern werden.
Der Untersuchungsausschuss soll unabhängig von den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen die Strukturen der Bremer Verwaltung unter die Lupe nehmen. Der Abschlussbericht soll noch vor der Bürgerschaftswahl im Mai vorgelegt werden.
Kevin war am 10. Oktober 2006 tot im Kühlschrank seines Ziehvaters gefunden worden. Der Junge war vermutlich schon Ende April oder Anfang Mai an den Folgen schwerster Misshandlungen gestorben. Er stand nach dem Tod der Mutter unter der Obhut des Jugendamts.
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