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Von ddp-Korrespondentin Jana Werner
Hamburg (ddp-nrd). "Es gibt Menschen, die einfach nur böse sind ohne Erklärung", muss Inga Lürsen (Sabine Postel) in ihrem neuen "Tatort"-Fall erkennen. Die Bremer Hauptkommissarin sieht sich am Sonntag um 20.15 Uhr in der ARD in der Folge "Abschaum" mit einer besonders subtilen Form von Gewalt konfrontiert: Es geht um Machtausübung gegenüber Abhängigen, um Handlungen, die als Rituale im Namen eines Kultes ausgeführt werden. "Mich hat schon das Lesen des Drehbuchs betroffen gemacht. Aber die Geschichte entwickelt auch eine Dramatik, eine Spannung und einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann", sagt Postel.
Im Bremer Stadtteil Tenever wird die Leiche der zwölfjährigen Miriam Meinfeld gefunden. Verletzungen weisen daraufhin, dass das Mädchen in der Vergangenheit geschlagen und sexuell missbraucht wurde. Lürsen und ihr Kollege Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) suchen zuerst im Familienkreis nach möglichen Verdächtigen. Sie fürchten um das Wohl der beiden Geschwister Svenja (Luisa Sappelt) und Björn Meinfeld (Philip Stölken), deren Eltern Bodo (Michael Lott) und Sigrid (Martina Schiesser) sich merkwürdig verhalten.
Die Meinfelds jedoch beschuldigen die Bewohner eines Heims für geistig Behinderte, ihre älteste Tochter ermordet zu haben. Die Stimmung in der Hochhaussiedlung ist aufgeladen, denn auch andere Bürger des Stadtteils dulden die Behinderten nicht. Und tatsächlich entdecken Lürsen und Stedefreund in dem Heim Spuren sowohl von der Verstorbenen als auch von ihrer Schwester Svenja. Harald (Hans Uwe Bauer), einer der Behinderten, wird verhaftet.
Eine Tätowierung auf der Hand des toten Mädchens bringt die Beamten allerdings auf eine völlig neue Spur. Es handelt sich dabei um das Zeichen einer satanistischen Sekte. Stedefreund stößt auf die mysteriöse Bibliothekarin Karin Melzer (Monica Bleibtreu), die sich in der Szene auskennt und ihn mit Informationen versorgt. Stück für Stück durchbrechen die Polizisten die Wand aus Lügen und Schweigen und stoßen schließlich auf eine grausame Wahrheit.
"Meine Motivation war, etwas darzustellen, wie ich es mir in meinen schlimmsten Träumen vorgestellt habe", sagt Thorsten Näter, der nach "Kalte Wut" (2000) und "Schatten" (2002) bei "Abschaum" zum dritten Mal als Regisseur und Autor für den Bremer "Tatort" tätig war. Ausgangspunkt für seine Idee zum Film sei der Selbstmord dreier Jugendlicher gewesen, die sich 2001 in Sachsen von einer Brücke gestürzt haben. Damals wurde ein satanistischer Hintergrund vermutet.
Im Dezember 2001 lief in der ARD die Dokumentation "Höllenleben" von der Bremer Autorin Liz Wieskerstrauch. "Ich war erschüttert und erstaunt darüber, wie wenig Öffentlichkeit das Thema 'satanistischer Kindesmissbrauch' bis dahin hatte", sagt Näter. Ihn habe bei der Umsetzung des Stoffes vor allem interessiert, das Schweigen zu zeigen, das dieses Thema umgibt, und die Schwierigkeiten für die Kommissare, an Informationen zu gelangen.
Entstanden sind 90 "absolut realistische" Minuten, wie Annette H. sagt, die die Schrecken des Satanismus selbst erlebt hat. Sie hofft, dass sich durch "Abschaum" weitere Opfer melden, über ihre Erfahrungen sprechen und die Täter anzeigen.
"Es wird Zeit, auf dieses Thema aufmerksam zu machen", betont Sabine Postel, die im Dezember 1997 ihren Einstand als "Tatort"-Kommissarin gab. Vier Jahre später komplettierte Oliver Mommsen das streitlustige Paar, und seither verfolgen durchschnittlich acht Millionen Zuschauer die Kriminalfälle aus dem kleinen Stadtstaat im hohen Norden.
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