Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe

Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 03.02.2004


Übersicht "Meldung vom Tage" (Januar 2004)

09.01.04

Internet soll Strafgefangenen den Weg zurück ins Leben erleichtern


Berlin (ddp). Das E-Learning soll auch im Strafvollzug Einzug halten. Sechs Bundesländer beteiligen sich an dem Projekt: Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Nach Angaben der Technischen Universität (TU) Berlin kooperiert das Projekt zudem mit Partnern in Frankreich, Großbritannien, in den Niederlanden, Österreich, Portugal, Schweden und Spanien. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds unterstützt.

Ziel sei es, lernschwache Strafgefangene während ihrer Haftzeit mit dem Medium Computer als Instrument der Wissensaneignung so zu fördern, dass sie bei Entlassung den erhöhten Anforderungen des modernen Arbeitsmarktes gewachsen sind. Damit werde auch ihre Chance größer, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren, erläutert TU-Professor Wilfried Hendricks. Wenn die Reintegration der Häftlinge politisch gewollt sei, müssten sich auch die Haftanstalten den veränderten Wirklichkeiten auf dem Arbeitsmarkt stellen.

Um dies zu erreichen, müssten alle Lehrkräfte sowohl über ein fundiertes technisches Wissen als auch über die nötige Kompetenz in der Vermittlung dieses Wissens verfügen. Außerdem sollen sie laut Hendricks dazu befähigt werden, multimediale Unterrichtsmaterialien speziell für diese Zielgruppe selbst zu entwickeln und im Unterricht zu nutzen.

Ein Schwerpunkt des "E-Learning im Strafvollzug" ist deshalb die Schulung der Lehrer selbst. Seit anderthalb Jahren etwa werden die "Gefängnis-Lehrer" der Brandenburger Haftanstalten in Online-Fortbildungen und in Schulungen an der TU für ihre neue Aufgabe fit gemacht. Die Schulungen werden vom Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft (IBI) durchgeführt. Die Einrichtung ist in den Bereichen der Qualitätsprüfung von Bildungssoftware sowie in der Forschung und Entwicklung innovativer Konzepte für multimediales Lernen aktiv.

Das IBI schult aber nicht nur die Lehrkräfte, sondern managt das gesamte Projekt in acht Brandenburger Haftanstalten. Außerdem bewerten die Experten das gesamte Projekt in den sechs Bundesländern.

Ein anderer Schwerpunkt des Projekts ist die Entwicklung einer eigenen technologischen Infrastruktur für web-basierte E-Learning-Konzepte im Strafvollzug. Wenn Häftlinge mehr Medienkompetenz haben sollen, "dann müssen sie auch den Umgang mit diesem Medium trainieren", betont Hendricks. Für die Wissenschaftler bestehe die besondere Herausforderung darin, "wie unter sicherheitsrelevanten Aspekten ein Internetzugang möglich sein wird".



ddp

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