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24.05.2006



Übersicht "Meldung vom Tage" (Mai 2006)



22.05.
Eine Milbe löst starken Juckreiz aus - Die Krätze verbreitet sich wieder
Häufig werden die Symptome als Allergie abgetan
ddp

Von ddp-Korrespondent Kai Gerullis

Rödermark/Stuttgart (ddp). Krätze gilt als Inbegriff von Schmutz und mangelnder Hygiene. Entgegen ihres Rufs ist die Erkrankung aber kein Problem, das ausschließlich Randgruppen trifft. Vielmehr beobachten Hautärzte einen eindeutigen Trend: Die Milbeninfektion ist in Deutschland auf dem Vormarsch - quer durch alle sozialen Schichten. Häufig werden die Symptome jedoch als Allergie abgetan, und die Krätze bleibt unbehandelt.

Auslöser für die auch als Skabies bekannte Erkrankung sind Krätzmilben. Kommt man mit ihnen in Kontakt, bohren sie innerhalb von 30 Minuten winzige Gänge in die Haut und legen Eier ab. Aus ihnen schlüpfen Larven, die sich weiter vermehren - ein Teufelskreis beginnt, die Milben breiten sich immer mehr aus. "Der Parasit ernährt sich vom Horn der Haut", erläutert Erik Senger, Dermatologe aus Rödermark. Die Lieblingsplätze des Schädlings sind Fingerzwischenräume, Handrücken und der Genitalbereich. Bei Frauen befallen sie häufig Brüste und den Unterbauch.

Die Milben krabbeln bei engem Körperkontakt von Mensch zu Mensch. "Einfaches Händeschütteln reicht nicht aus", sagt Senger. "Gefahr besteht beim Kuscheln und beim Geschlechtsverkehr mit einem Erkrankten - oder wenn man gemeinsam ein Bett benutzt", erläutert der Hautarzt. Da die Parasiten einige Tage außerhalb des Körpers überleben können, lauern sie zum Beispiel in Betten von Heimen, Pensionen oder Herbergen. Eine Risikogruppe ist deshalb Pflegepersonal. Doch auch Urlauber können sich leicht infizieren: "Zum Beispiels bergen Schlafsäcke eine Krätzegefahr, wenn sie abwechselnd benutzt werden", unterstreicht Senger.

Haben sich Krätzmilben den Menschen als Wirt ausgewählt, machen sie sich nach etwa drei Wochen durch starken Juckreiz bemerkbar. "Dieser tritt insbesondere nachts oder bei Bettwärme auf und ist unvergleichbar heftig", erläutert Senger. Wer regelmäßig unter dem Symptom leidet, sollte die Diagnose Skabies in Betracht ziehen und einen Arzt aufsuchen. "Kaum jemand gesteht sich das ein oder rechnet damit, an Krätze zu leiden", betont Senger. Doch Krätze verbreite sich wieder.

Zahlen über die Krankheitsfälle gibt es wenig. Ein Anhaltspunkt ist die Zahl der Krätzeerkrankungen, die die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) unter ihren Versicherten registriert hat. Bei ihnen stieg die Zahl der meldepflichtigen parasitären Erkrankungen - von denen die Krätze etwa 90 Prozent ausmacht - von 232 im Jahr 2003 auf 1234 Fälle im Jahr 2004. Allein im ersten Quartal 2006 seien 219 neue Fälle gemeldet worden, teilt die BGW mit.

"Ein Grund für die Zunahme ist, dass Deutschland immer mehr zum Einreiseland geworden ist. So werden die Milben aus vielen Teilen der Welt hierher gebracht", sagt Senger. Und die Unkenntnis spielt eine große Rolle - denn unbehandelt können sich die Milben schnell weiterverbreiten. "Es gibt auch eine Theorie, dass es alle 20 Jahre weltweit eine Krätze-Pandemie gibt", sagt Professorin Brigitte Frank von der Deutschen Gesellschaft für Parasitologie.

Die Diagnose Krätze ist für den Hautarzt normalerweise leicht zu stellen. Die Verteilung von Miniknötchen an der Haut und Gangspuren sind meist gut zu erkennen und eindeutige Zeichen. Nur selten sei es nötig, einen Milbengang auszudrücken und den Inhalt unter dem Mikroskop auf Spuren der Parasiten zu untersuchen oder den Gang mit Tinte kenntlich zu machen, erklärt Senger.

Ist das Problem erkannt, zeigt die Behandlung schnelle Erfolge. Der Patient bekommt Cremes oder Sprays verordnet, die Milben abtöten. "Besonders wichtig ist es, alle Personen zu behandeln, die mit dem Erkrankten körperlichen Kontakt hatten. Auch dann, wenn weder Juckreiz noch Hautveränderungen bestehen", sagt Senger. Eine deutliche Besserung sei bereits nach einem Tag zu spüren. Damit die Milben nachhaltig aus der Umgebung vertrieben werden, müssen Kleider und Bettwäsche bei mindestens 60 Grad Celsius gewaschen und gut gelüftet werden.

Um sich eine Therapie zu ersparen, empfehlen Experten eine strenge Hygiene. Wer im Urlaub in Sachen Hygiene Bedenken hat, geht mit eigenem Bettzeug auf Nummer sicher. Auch sollte Körperkontakt mit Erkrankten vermieden werden - doch das ist leichter gesagt als getan. Denn Krätzmilben sind nur 0,3 bis 0,5 Millimeter klein und mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen. "Das macht eine Prävention schwer, denn man sieht vielen Menschen nicht an, dass sie unter Krätze leiden", sagt Senger.

Weiterführende Informationen

Lesen: Alan E. Baklayan: "Parasiten. Die verborgene Ursache vieler Erkrankungen"
Goldmann, 1999, ISBN: 344214163X, 8 Euro

Internet: Wikipedia-Eintrag zur Krätze: http://de.wikipedia.org/wiki/Krätze

Das Robert Koch-Institut bietet auf seiner Internetseite unter www.rki.de
Merkblätter und weitere Informationen zur Krätze an
("Krätzmilben" in die Suche eingeben).

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege informiert
über Krätze als Berufskrankheit und bietet ein Merkblatt an: www.bgw-online.de
("Krätze" in die Suchfunktion eingeben).


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