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Washington (ddp). Infektionskrankheiten in der Kindheit waren in den vergangenen Jahrhunderten ein entscheidender Faktor für die Lebenserwartung eines Menschen. Auch wenn der Betreffende die Krankheiten überlebte, erhöhten diese deutlich die Belastung des Körpers durch Entzündungsreaktionen und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das sagen amerikanische Mediziner nach einer Auswertung von Geburts- und Sterberegistern der vergangenen 250 Jahre aus Schweden, Frankreich, England und der Schweiz. Faktoren wie die Ernährung und der allgemeine Lebensstandard alleine könnten die beobachtete Entwicklung der Lebenserwartung nicht erklären, schreiben Eileen Crimmins und Caleb Finch von der Universität von Kalifornien in Los Angeles im Fachmagazin "PNAS" (Online-Vorabveröffentlichung, doi 10.1073/pnas.0501470103).
In den europäischen Ländern hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung in den vergangenen 250 Jahren nahezu verdoppelt. Von diesem Anstieg profitierten alle Altersgruppen: Es sank nicht nur die Sterblichkeit im Kindesalter, sondern es stieg auch die Lebenserwartung älterer Menschen an. Analysen historischer Daten zeigen jedoch, dass dieser Anstieg bei den Erwachsenen erst mit einer Verzögerung von einigen Jahrzehnten eintrat. Das bedeutet, dass die Lebensumstände in der Kindheit und weniger die aktuelle Lebensqualität prägend dafür waren, wie lange jemand lebte.
Mit ihrem Modell fanden Crimmins und Finch nun eine Erklärung für diesen Effekt. Bei der Auswertung ihrer Daten stießen sie immer wieder auf Hinweise darauf, dass Infektionskrankheiten in der Kindheit eine Schlüsselrolle für die Lebenserwartung zukommt: So war in Jahrgängen, in denen viele schon im Kindesalter an Atemwegserkrankungen, der Ruhr oder anderen Durchfallerkrankungen gestorben waren, die Lebenserwartung auch im höheren Alter deutlich geringer - auch wenn sich die Lebensumstände längst gebessert hatten. Die Überlebenden solcher Epidemien hatten ihr ganzes Leben lang mit einer erhöhten Belastung des Körpers durch entzündliche Prozesse zu kämpfen, sagen die Wissenschaftler. Dies erhöhte das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und senkte die Lebenserwartung.
Das Modell erkläre allerdings nur die Entwicklung für die Zeit vor 1900, in der die Sterblichkeit nach Infektionen im Kindesalter noch sehr hoch war, schränken die Forscher ein. Wegen der Fortschritte der modernen Medizin sank diese Kindersterblichkeit in den folgenden Jahrzehnten stark ab. Entzündungsprozesse aufgrund solcher Infektionen in der Kindheit spielten daher heute für die Lebenserwartung im Alter keine Rolle mehr. In künftigen Studien wollen die Forscher nun untersuchen, ob in Entwicklungsländern mit schlechter medizinischer Versorgung ähnliche Effekte zu beobachten sind.
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