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Von Jörg Völkerling
Waldmünchen (ddp-bay). Der als "Piano Man" bekannt gewordene Mann aus dem oberpfälzischen Waldmünchen hat nach Einschätzung seiner Anwälte durch die Einnahme von Psychopharmaka wieder mit dem Sprechen begonnen. Der 20-Jährige sei in einer britischen Klinik viereinhalb Monate lang mit Psychopharmaka behandelt worden, betonten die Anwälte des jungen Manns am Mittwoch in einer Stellungnahme. Zugleich bestritten sie, dass ihr Mandant krankheitsbedingte Verhaltensweisen kopiert habe. "Es ist unzutreffend, dass er in der Vergangenheit beruflich mit psychisch kranken Menschen Umgang hatte", sagte Anwalt Christian Baumann.
Der schweigsame junge Mann war im April mit nassen Kleidern an einem südenglischen Strand aufgegriffen und danach in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung in Kent behandelt worden. Während weltweit nach der Identität das Patienten gefahndet wurde, haben seine Eltern nach Angaben der Anwälte ihren Sohn auf den veröffentlichten Fotos nicht wiedererkannt. "Zwischen den weltweit bekannten Fotos und dem tatsächlichen Erscheinungsbild des Patienten besteht kaum Ähnlichkeit", sagte Baumann.
Bis Ende März 2005 habe die Familie zu ihrem Sohn Kontakt gehabt. Der Abiturient habe in Frankreich seine Französisch-Kenntnisse vervollständigen wollen. "Nach Abriss des Kontakts hatte die Familie versucht, über die französischen Vermieter und Privatkontaktpersonen den Aufenthalt des Sohnes zu ermitteln", berichtete Baumann. Die französische Polizei habe es jedoch abgelehnt zu helfen, da sie erst bei einem Verbrechen einschreite.
In Interviews mit britischen Zeitungen wies der Vater die Vermutung zurück, dass sein Sohn ein Hochstapler sei. Der Bauer betonte, sein Sohn sei psychisch krank. Er habe sich das Klavierspiel mit einem Keyboard selbst beigebracht. Er sei in der Lage, zum Hausgebrauch Klavier zu spielen. Er besitze jedoch kein weitergehendes Talent, geschweige denn eine Klavier-Virtuosität. Britische Medien hatten den Unbekannten als "Piano Man" bezeichnet, weil er klassische Stücke virtuos gespielt habe. Nachdem er in der vergangenen Woche seine Identität preis gab, hieß es jedoch, er habe nur immer wieder auf derselben Taste klimpern können.
Am Wochenende kehrte Andreas G. unter Vermittlung der Deutschen Botschaft in London wieder nach Bayern zurück. Aufgrund des großen Medieninteresses vor dem Bauernhof seiner Familie bei Waldmünchen wurde er an einen unbekannten Ort gebracht. Anwalt Baumann betonte: "Unser Mandant wünscht keinerlei Interviews oder Talkshows." Seine Ärzte hätten zur weiteren Genesung vielmehr Ruhe und Erholung empfohlen.
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