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Von Thorsten Severin
Berlin (ddp). Ärzte und Krankenkassen warnen vor einer Abschaffung der Praxisgebühr. Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe bezeichnete am Dienstag in Berlin ein Ende der Abgabe als nicht sinnvoll. Das deutsche Gesundheitswesen sei bei der Finanzierung "am Ende der Skala" angelangt. Mehrere Krankenkassen warnten ebenfalls vor Änderungen an der Gesundheitsreform. "Wer jetzt das Zurückdrehen der Reformen fordert, nimmt in Kauf, dass die Kassen die Beiträge wieder anheben müssen", sagte der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Norbert Klusen.
Für eine Aufhebung der Praxisgebühr hatten sich IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel (SPD) und der nordrhein-westfälische SPD-Vorsitzende Harald Schartau ausgesprochen.
TK-Chef Klusen gab zu Bedenken, dass die Abschaffung der Praxisgebühr mehr als zwei Milliarden Euro kosten würde. Wenn man die umstrittene Erhöhung der Kassenbeiträge für Betriebsrenten rückgängig mache, koste das 1,6 Milliarden Euro. Dieses Geld müsse dann an anderer Stelle eingespart werden. Ohne die Veränderungen wäre der durchschnittliche Beitragssatz auf 15 Prozent gestiegen.
Der Vorstandschef der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), Ingo Kailuweit, sagte, wer die Abschaffung der Praxisgebühr fordere, müsse gleichzeitig sagen, wo das Geld dann herkommen solle. Mit dieser Forderung setze man "bewusst die Beitragssenkung aufs Spiel". Die Praxisgebühr sei wichtig, weil damit zum ersten Mal die Chance bestehe, die Ausgaben für ärztliche Leistungen zu bremsen. Ob die Gebühr tatsächlich wie ein Steuerungsinstrument wirke, wisse man aber erst nach einem Jahr, nicht nach sechs Wochen.
Ärztepräsident Hoppe pochte allerdings auf Änderungen bei der Praxisgebühr. Es sei sinnvoll, die "Eintrittsgebühr" nicht mehr in den Arztpraxen, sondern von den Krankenkassen erheben zu lassen. Dies würde die Turbulenzen in den Praxen beseitigen. Dort sei es bereits zu Störungen im Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient gekommen.
Hoppe bilanzierte, der Einstieg in die Gesundheitsreform sei "gründlich misslungen". So hagele es Briefe von betroffenen Patienten und Ärzten. Für einige Patienten sei es durch die hohen Zuzahlungen zu erheblichen finanziellen Belastungen gekommen. Vor allem nicht-verschreibungspflichtige Arzneien, die prinzipiell nicht mehr von den Kassen erstattet werden, seien für viele Patienten zu einer "Bürde" geworden, wenn diese Präparate zum Therapiestandard gehören.
Auch die ver.di-Vizechefin Margret Mönig-Raane sagte, bei der Gesundheitsreform müsse noch eine ganze Menge "nachgesteuert" werden".
Hoppe warnte auch vor einer Ökonomisierung der Leistungen im Gesundheitswesen. Bei den Spezialprogrammen für chronisch Kranke bestehe etwa die Gefahr, dass medizinische "Notwendigkeiten" den finanziellen Möglichkeiten angepasst werden.
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