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15.06.2005



Übersicht "Meldung vom Tage" (Juni 2005)



13.06.

Warum Optimismus nicht immer positiv ist

ddp

Pittsburgh (ddp). Optimismus muss nicht immer gut für die Gesundheit sein. Nach der Theorie einer amerikanischen Psychologin kann eine positive Lebenseinstellung Menschen manchmal mehr unter Stress setzen als eine negative - mit der Folge, dass die Leistungsfähigkeit ihres Immunsystems abnimmt. Der Grund: Optimisten seien Stressfaktoren stärker ausgesetzt, weil sie sich intensiver damit beschäftigen. Pessimisten dagegen gäben schneller auf und könnten so den negativen Stressfolgen entgehen, berichtet Suzanne Segerstrom von der Universität von Kentucky in Lexington in der Fachzeitschrift "Brain, Behavior and Immunity" (Bd. 19, S. 195).

Optimistische Menschen können sich im Allgemeinen besser auf neue Situationen einstellen, sind psychisch stabiler und kommen mit gesundheitlichen Problemen besser zurecht. Studien mit HIV-infizierten und an Krebs erkrankten Patienten zeigen jedoch, dass Optimismus den Krankheitsverlauf nicht immer positiv beeinflusst. Bislang glaubten Psychologen, dieser ausbleibende oder sogar negative Effekt könne auf die ausgeprägte positive Erwartungshaltung zurückgeführt werden, die Optimisten anfälliger für Enttäuschungen macht.

Bei der Analyse von sechs Studien mit insgesamt 250 Probanden entdeckte Segerstrom nun jedoch, dass Optimisten keineswegs häufiger oder stärker enttäuscht sind als Pessimisten. Ihrer Ansicht nach engagieren sich Menschen mit einer positiven Lebenseinstellung intensiver mit den Stressfaktoren. Bei kurzfristigen Problemen, die durch das eigene Verhalten beeinflusst werden können, sorgen sie dafür, dass das Problem gelöst wird und sie nicht länger belastet.

Handelt es sich jedoch um ein Problem, das voraussichtlich langwierig ist und sich der eigenen Kontrolle entzieht, hat dieses verstärkte Engagement den entgegengesetzten Effekt: Durch die ständige Beschäftigung mit dem Auslöser wird Stress erzeugt, der die Gesundheit beeinträchtigt. Pessimisten profitieren dagegen von ihrer Neigung, schnell aufzugeben und alles "einfach laufen zu lassen", da sie den Stressfaktoren nicht so intensiv ausgesetzt sind. Schlussendlich sei es jedoch auf lange Sicht wahrscheinlich trotzdem besser, positiv an eine Sache heranzugehen, schreibt Segerstrom. Schließlich gingen Pessimisten mit ihrer Haltung den Problemen nur aus dem Weg, während Optimisten sie im Allgemeinen lösen.


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