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15.05.2005



Übersicht "Meldung vom Tage" (Mai 2005)



02.05

Mediziner entwickeln Tests zur Früherkennung von Alzheimer

ddp

Von ddp-Korrespondent Martin Schäfer

Stuttgart (ddp). Mit kleinen Schusseligkeiten fängt es an: Schlüssel verlegt. Geburtstag des Freundes verschwitzt. Einen Teil des Einkaufs vergessen. Das kann mit zunehmendem Alter durchaus mal vorkommen. Doch häufen sich die Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis und treten andere Auffälligkeiten hinzu, dann sind die Angehörigen und der Arzt gefordert. Nicht selten lautet die Diagnose Alzheimer. Rund 1,3 Million Menschen sind davon in Deutschland betroffen, schätzt Sylvia Kern von der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg. Die Tendenz ist steigend.

Alzheimer ist eine sich schleichend entwickelnde Erkrankung des Gehirns. Viele ihrer Mechanismen sind medizinisch noch nicht ganz geklärt. Therapeutische und medikamentöse Behandlungen können den Krankheitsverlauf um wenige Jahre verzögern. Aufhalten können sie ihn nicht. Alzheimer ist bislang unheilbar.

Umso wichtiger ist die Früherkennung, betont Kern. Je früher eine Erkrankung erkannt wird, desto besser und länger kann der Patient den drohenden Zerfall herauszögern. "Entscheidend ist, auf welchem Niveau geistiger Aktivität man mit Gegenmaßnahmen startet", sagt der Leiter der Memory Clinic am Stuttgarter Bürgerhospital, Jürgen Fischer. "Wenn ich mein Gehirn überhaupt nicht trainiert habe, habe ich keine gute Ausgangssituation." Eine gesunde Lebensführung mit viel Bewegung und neue geistige Herausforderungen sind hilfreich. "Wenn ich mit meinem Gehirn gezielt übe, kann ich Leistungsdefizite in einem gewissen Rahmen kompensieren", sagt Fischer.

Alexander Kurz, Psychiater an der TU München, unterteilt den Krankheitsverlauf von Alzheimer in drei Phasen. Insgesamt erstrecken diese sich über 20 bis 30 Jahre. In der ersten Phase bahnt sich die Erkrankung an. Den Patienten ist noch nichts anzumerken. Eine Diagnose ist noch nicht möglich. In Phase Zwei tauchen erste Symptome auf, etwa eine Gedächtnisschwäche. Die Betroffenen können die meisten Alltagsaufgaben zwar noch souverän absolvieren, bei komplexen Aktivitäten, etwa eine Geburtstagsparty zu planen oder ein Bankkonto zu verwalten, stoßen sie indes an neue Grenzen. Mediziner nennen diese Phase "leichte kognitive Störung" (MCI). In der dritten Phase zeigt sich das typische Bild der Krankheit: Alltägliche Verrichtungen werden nicht mehr beherrscht, die Persönlichkeit des Betroffenen und die Beziehungen zu anderen Menschen haben sich verändert.

"Das tragische an Alzheimer ist: Man sieht die Demenz oft nicht früh genug", sagt Rainer Kortus, Chefarzt für Gerontopsychiatrie am Zentrum für Psychiatrie in Winnenden. Mit einer Vielzahl an Tests können Mediziner diese Warnhinweise deuten. Um Alzheimer in der dritten Phase zu diagnostizieren, hat sich weltweit der Mini Mental Status Test (MMST) durchgesetzt. Patienten bekommen einer Reihe von Aufgaben zu ihrer Orientierung, Aufmerksamkeit, Konzentration und zu ihrem Gedächtnis und Sprachvermögen. Der Test dauert 15 Minuten. Erreichen die Testpersonen weniger als 20 der 30 Bewertungspunkte, so sprechen Mediziner von einer Demenz. "Doch Betroffene mit hoher Ausgangsintelligenz können durchs Raster fallen", bemerkt Kortus. Die Tests stehen dabei nie für sich allein, sondern sind in die Aufnahme der Krankengeschichte und weitere internistische und neurologische Untersuchungen eingebettet.

Auch Patienten mit nur leichter kognitiver Störung erfasst der MMST nicht. Der Mediziner und Psychologe Fischer setzt deshalb in der neuropsychologischen Früherkennung auf eine genormte Zusammenstellung verschiedener Einzeltests (der MMST gehört dazu), die unter dem Kürzel CERAD bekannt ist. Die Tests dauern auch nur rund 30 Minuten, bringen aber solide Ergebnisse zur Diagnose. Die Schwierigkeit für den Arzt bestehe aber darin, so Fischer, dass die leichte kognitive Störung in einem Graubereich zwischen alterndem Gedächtnis und einer Demenz liege. "Das Gedächtnis strukturiert sich im Alter außerdem um", sagt Fischer. Und das ist normal.

So einfach und schnell viele der Gedächtnistests gemacht werden können, sie gehören in Profihände, betont Fischer. Neben einer drohenden Alzheimer-Erkankung können Gedächtnisaussetzer und andere Symptome eine Vielzahl von Ursachen haben, angefangen von Stress, Konflikten in der Familie, Schlafmangel bis hin zur anderen Erkrankungen. Sein Rat: Wenn merkliche Gedächtnisaussetzer über mehrere Tage oder Wochen andauern, oder gar schlagartig und sehr ausgeprägt auftreten, soll ein Facharzt aufgesucht werden. Fischer: "Reagieren Sie schnell."


Weiterführende Informationen

Übersichtliche Erklärung von Gedächtnis, Erinnern und Vergessen
Interaktiver Gedächtnistest mit Beurteilung für jung und alt:
www.gedaechtnisonline.de

Informationen zu Früherkennung, Diagnose und Therapien:
www.alois.de

Buch: Rose Götte, Edith Lackmann: "Alzheimer - was tun?
Eine Familie lernt mit der Krankheit zu leben", Beltz, 1999, ISBN: 3407228139


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