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Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 21.03.2004


Übersicht "Meldung vom Tage" (Februar 2004)

05.02.04

"Horrorszenarien" an deutschen Schulen

ddp

14-Jähriger in Oberbayern von Mitschülern gequält Sicherheitskonzepte gefordert


17:13

Von Kerstin Friedrich

München/Hannover (ddp). Zwei Fälle von besonders brutaler Gewalt unter Schülern lassen Forderungen nach Schutzmaßnahmen laut werden. Nach den Misshandlungen eines Jugendlichen an einer Hildesheimer Berufsschule fordert Niedersachsens Kultusminister Bernd Busemann(CDU)die Schulen zur verstärkten Gewaltprävention auf. Im bayerischen Walpertskirchen wurde am Donnerstag bekannt, dass ein 14-jähriger Hauptschüler über Wochen hinweg brutal von seinen Mitschülern misshandelt worden ist. Die bayerische Staatsregierung zeigte sich besorgt über die Vorgänge.

Für den 14-Jährigen wurden die Pausen der Polizei zufolge zum "Horrorszenario". Bei den Prügelorgien versuchten seine 15-jährigen Peiniger unter anderem, den Kopf des Mitschülers in die Pissoirschüssel zu stecken.Die Attacken kamen erst ans Licht, als einer der Mitschüler seinem Opfer Ende Januar im Schulhof beide Fäuste in den Bauch rammte und der Junge bewusstlos zusammenbrach. Die Schulleitung verständigte daraufhin die Polizei. Bei der Durchsuchung der Wohnungen der Mitschüler fanden die Beamten das Filmmaterial, das auf eine CD gebrannt worden war.

Im niedersächsischen Hildesheim weitet die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung auf die gesamte betroffene Schulklasse aus. Der Anfangsverdacht gegen Lehrer der Berufsschule erhärtete sich bislang nicht. Am Montag hatte die Polizei die Schulklasse zu einer Zeugenvernehmung abgeführt. Die Schüler sollen tatenlos zugesehen haben, wie vier Jugendliche über Monate hinweg einen 17-jährigen Mitschüler schwer misshandelt und dessen mit Wundmalen übersäten Körper mit einer Videokamera gefilmt haben. Der Film sollte im Internet verkauft werden. Die vier Jugendlichen haben die Taten gestanden. Sie sitzen in Untersuchungshaft.

Das Kultusministerium in Hannover kündigte einen Erlass an, der die Schulen zur Erarbeitung eines Sicherheitskonzeptes auffordert. Dieser solle "schnellstmöglich" in Kraft treten. Die Maßnahmen für mehr Sicherheit könnten von zusätzlicher Beleuchtung dunkler Ecken in Gebäuden bis hin zu Kameraüberwachung reichen. Minister Busemann betonte allerdings, dass die Schulen nicht in Hochsicherheitstrakte verwandelt werden dürften. Im Mittelpunkt müsse die verstärkte Betreuung von Schülern durch Sozialpädagogen stehen.

Das bayerische Kultusministerium appellierte an alle Schüler im Freistaat, sich sofort an einen Lehrer zu wenden, wenn sie von Attacken auf einen Mitschüler etwas mitbekommen sollten. Eine Ministeriumssprecherin wertete die Attacken "in diesen Ausmaßen" als Einzelfall. Sie betonte zugleich, an Bayerns Schulen gebe es seit Jahren eine "breite Palette" an Maßnahmen zur Gewaltprävention.




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