|
|
Potsdam (ddp-lbg). Politik und Gesellschaft haben nach Ansicht von Demographie-Experten zu spät auf die negative Bevölkerungsentwicklung in Deutschland reagiert. Familienministerin Renate Schmidt (SPD) habe zwar jetzt den richtigen Weg eingeschlagen, sagte die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Demographie (DGD), Charlotte Höhn, am Dienstag zum Auftakt einer Tagung in Potsdam. Doch hätte das Thema Demographie viel früher Beachtung finden müssen. Die Bevölkerungspyramide entwickele sich schon seit den 80er Jahren negativ - immer mehr ältere Menschen stünden immer weniger jungen gegenüber. Die Geburtenrate in Deutschland sei mit durchschnittlich 1,4 Kindern pro Frau viel zu niedrig.
Bei der dreitägigen Demographie-Konferenz soll nach den Worten von Höhn am Beispiel anderer Länder nach Lösungen für das Geburtenproblem gesucht werden. Dazu seien Wissenschaftler aus den USA, Schweden und Frankreich eingeladen worden. In diesen Ländern bringen die Frauen durchschnittlich zwei Kinder zur Welt. Die Ursachen dafür seien unterschiedlich, sagte Höhn. In Frankreich sei beispielsweise bereits nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Familienpolitik beschlossen worden, die einen regelrechten Babyboom ausgelöst habe.
Ein solcher Anstieg bei den Geburten sei in Deutschland zwar nicht durch politische Entscheidungen zu erreichen. Doch könne die Politik zumindest darauf hinwirken, dass die Bedingungen zur Gründung von Familien verbessert werden. Erste Schritte dazu habe Schmidt unternommen. So werbe die Ministerin in Unternehmen für familienfreundlichere Strukturen. Außerdem fördere die Bundesregierung den Ausbau der Ganztagsschulen. Insgesamt müsse noch mehr dafür getan werden, dass Familie und Beruf miteinander vereinbar seien.
|
|