|
|
Von Kristian Schulze und Tino Moritz
Magdeburg (ddp-lsa). Immer mehr Mediziner aus dem Ausland versorgen Patienten in Sachsen-Anhalt. Nach Angaben der Landesärztekammer stieg ihre Zahl innerhalb eines Jahres um rund 67 Prozent. Seien Ende 2003 gerade 294 Ausländer als Ärzte im Land tätig gewesen, so wurden ein Jahr später bereits 436 gezählt. Vor allem in Rehabilitationskliniken und Krankenhäusern habe es zuletzt einen enormen Anstieg gegeben.
Laut Landesärztekammer kamen im vergangenen Jahr 142 Ärzte vor allem aus Polen, der Slowakei, aus Ländern der Ex-Sowjetunion, aber auch aus Tschechien, Bulgarien und Rumänien - zumeist, um in einem Krankenhaus zu arbeiten. Schon 2003 waren etwa 80 junge Ärzte aus dem Ausland neu hierher gekommen. Insgesamt arbeiteten 2004 von 10 007 Kammermitgliedern 8141 aktiv als Mediziner. Der Anteil der Ausländer unter ihnen war mit rund fünf Prozent noch immer niedrig, lag aber bereits deutlich über dem vergleichsweise sehr geringen Ausländeranteil von 1,7 Prozent an der Gesamtbevölkerung Sachsen-Anhalts.
In den rund 50 Kliniken des Landes sind laut Ärztekammer derzeit 374 ausländische Ärzte zumeist als Angestellte beschäftigt. Im ambulanten Bereich dagegen spielten sie bisher kaum eine Rolle. Nur 30 ausländische Ärzte wagten seit der Wende eine eigene Niederlassung in Sachsen-Anhalt.
Als Grund für den anhaltenden Zuzug in den stationären Bereich nannte die Geschäftsführerin der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt, Lieselotte Franke, das schon seit Jahren bestehende Problem des Ärztenachwuchses. Viele der jüngeren einheimischen Ärzte ziehe es in die alten Bundesländer, einige nähmen auch attraktivere Stellen in England oder Schweden an. "Wir werden zum Ausbildungsland", sagte Franke. Die Fluktuation sei hoch, zudem mache sich nun die 1992 begrenzte Zulassung zum Medizinstudium bemerkbar. Franke bezweifelte zugleich, dass sich allein durch die Vermittlung von Medizinern aus dem Ausland die Lage in den Krankenhäusern entspannt habe. Dies müssten neuere Erhebungen erst noch zeigen.
Im November hatte Sachsen-Anhalts Gesundheitsminister Gerry Kley (FDP) erklärt, der Mangel an Nachwuchs in der stationären Versorgung sei durch den Zuzug aus dem Ausland gemildert. Die Altersstruktur der Klinik-Ärzte sei günstiger, und der Bedarf hier werde in den nächsten Jahren weniger Probleme bringen als im ambulanten Bereich.
Einen Ärzte-Import sieht aber auch der Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung, Martin Wenger, nicht als Lösung für den ambulanten Bereich. Es gebe zwar viele Anfragen. Auch sei mit der EU-Erweiterung vieles leichter geworden. "Wir rufen auch relativ laut", sagte Wenger. Doch gebe es noch immer hohe rechtliche wie ökonomische Hürden. So brauche ein Arzt für eine Niederlassung eine deutsche Approbation, während in der Klinik oft eine befristete Berufserlaubnis ausreiche.
Vor allem unter niedergelassenen Allgemein- und Hausärzten auf dem Land steigt derweil der Anteil der älteren, die bald ihre Praxis aufgeben. Nach einer Studie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung wurden die Patienten in den Kreisen Salzwedel, Jerichower Land, Bernburg, Bitterfeld und der Stadt Dessau bereits 2003 von zu wenig Hausärzten versorgt. Ein Sprecher des Sozialministeriums sagte, ausländische Ärzte brächten hier keine Entlastung. Er verwies aber erneut auf ein Programm gegen den Mangel an Hausärzten auf dem Land. Danach könne etwa eine Prämie von bis zu 15 000 Euro erhalten, wer dort bis zum 66. Lebensjahr arbeite oder eine Praxis übernehme.
|
|