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12.03.2005



Übersicht "Meldung vom Tage" (März 2005)


10.03

Verhungerte Jessica in Hamburg beerdigt

ddp


Hamburg (ddp). Unter großem Medieninteresse ist die siebenjährige Jessica am Freitag in Hamburg beerdigt worden. Etwa 200 Trauergäste, unter ihnen der Erste Bürgermeister der Hansestadt, Ole von Beust (CDU), erwiesen dem qualvoll verhungerten Mädchen auf dem Friedhof im Stadtteil Rahlstedt die letzte Ehre. Pastor Thies Hagge bei der bewegenden kirchlichen Beisetzung eine kurze Grabesrede. Die inhaftierten Eltern des Kindes waren nicht anwesend.

Jessica war am Dienstag vergangener Woche in der Wohnung der Familie in Hamburg-Jenfeld tot aufgefunden worden. Sie hatte nur noch neuneinhalb Kilogramm gewogen. Die festgenommene 35 Jahre alte Mutter und ihr 49-jähriger Lebensgefährte sitzen seither in Untersuchungshaft. Gegen das Paar wird wegen des Verdachts auf Totschlag durch Unterlassen ermittelt. Ihnen droht eine Gefängnisstrafe zwischen fünf Jahren und lebenslang.

Nach dem Hungertod der Siebenjährigen hat Hamburgs Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig (parteilos) Fehler in ihrer Behörde eingeräumt. Es sei falsch gewesen, nicht das Jugendamt zu informieren, sagte Dinges-Dierig am Dienstag. Bei der schulpflichtigen Jessica hatte ein Mitarbeiter der Beratungs- und Unterstützungsstellen, einer Abteilung der Schulbehörde, dreimal vergeblich versucht, Kontakt zu der Familie aufzunehmen. Er sei angesichts fehlender Informationen über das Mädchen von einer falschen Meldeadresse des Kindes ausgegangen. Um diese "Lücke im System" künftig zu schließen, sollen die Mitarbeiter der Schulbehörde ein nicht eingeschultes Kind sofort dem Jugendamt melden.

Zudem will der Senat der Bürgerschaft vorschlagen, das Schulgesetz um die Norm "Schulzwang" zu ergänzen. Damit sollen Kinder, die trotz schriftlicher Aufforderung der Schule fernbleiben oder länger nicht erschienen sind, mit Hilfe von Vollstreckungsbeamten vorgeführt werden können. Zudem will Dinges-Dierig den Aufbau eines zentralen Schülerregisters vorantreiben, dessen Abgleich mit Dateien der Sozial-, Jugend- und Gesundheitsämter angestrebt wird. So solle unter anderem ermittelt werden, welcher Schüler welche Schule besucht.


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