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Von ddp-Korrespondentin Svenja Kühnel
Berlin (ddp). Sie schwärmen für Brad Pitt oder Robbie Williams. Bis zur Mittleren Reife haben sie noch ein oder zwei Jahre - dann bleibt die Regel aus. Rund 13 000 Teenager werden in Deutschland jedes Jahr schwanger. Während die Zahl der Geburten insgesamt seit langem rückläufig ist (1999: 785 000, 2003: 706 700), steigt die Zahl der minderjährigen Eltern kontinuierlich. 1999 brachten 4740 Kinder Kinder zur Welt, 2003 waren es 5131. Aber auch die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche bei Minderjährigen steigt entgegen dem allgemeinen Trend - von 5733 im Jahr 1999 auf 7645 im Jahr 2003.
Die Gründe dafür, dass Mädchen schon mit 14, 15 Jahren schwanger werden, sind vielfältig. Gisela Gille, Vorsitzende der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau (AGGF), macht dafür Schüchternheit ebenso verantwortlich wie "eine brisante Mischung aus jugendlicher Risikobereitschaft und mangelnder Fähigkeit zu vorausschauendem Planen und Handeln" oder Alkohol- und Drogenkonsum. Den Hauptgrund sieht die Frauenärztin aber ebenso wie die meisten Experten in der Aufklärung.
An Angeboten hierzu mangelt es heute kaum noch. Es sei jedoch "fraglich, ob vieles, was als Aufklärung gilt, tatsächlich zu einem selbstbewussten und kompetenten Umgang mit Sexualität beiträgt". Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Danach wird der Aufklärungsunterricht häufig als uninteressant und lebensfern empfunden.
Die Entscheidung für oder gegen ein Kind stellt Teenager vor große Probleme - die auch mit der Entscheidung für das Baby nicht unbedingt kleiner werden. Häufig will oder muss die kindliche Mutter selbst noch betreut und versorgt werden. Eigene "Entwicklungsverzögerungen" gibt sie an ihr Kind weiter, wissen Experten. Zudem drohe Teenager-Müttern soziale "Ausgrenzung", sagt Regine Wlassitschau vom Bundesverband der ProFamilia. Sie könnten oft kein "normales" Leben als Jugendliche mehr führen, keine Freunde mehr treffen oder ausgehen - und die Schule nicht weiter besuchen.
Vor allem schwangere Teenager aus sozial stärkeren Schichten entschieden sich daher für eine Abtreibung und die weitere Ausbildung, berichten Beratungseinrichtungen. Verlässliche Studien zu den Kontexten von jungen Müttern und Abtreibenden gibt es bisher nicht. Bei ProFamila geht man jedoch davon aus, dass der soziale Hintergrund sogar eine größere Rolle als die Aufklärung spielt. Vor allem Mädchen aus zerrütteten Familien erscheine das Muttersein vielfach als eine neue Perspektive, heißt es in einem Bericht des Landesverbandes Nürnberg.
Die Teenager versprächen sich vom Muttersein nicht nur einen "neuen Lebensimpuls" und einen "von der Gesellschaft anerkannten Status, der Sicherheit und Orientierung verspricht", sondern auch Geborgenheit und Liebe und eine langfristige Bindung an den Vater des Kindes, weiß man bei Casa Luna, einem Wohn- und Hilfsprojekt in Bremen. Fatalerweise gerieten die jungen Mütter, denen die berufliche Etablierung fehle, jedoch oftmals in eine Armutsspirale. Häufig seien sie viele Jahre - wenn nicht lebenslang - von Sozialhilfe abhängig.
Bessere Aufklärung ist notwendig. Da sind sich die Experten einig. Doch diese müsse sich allen Potenzialen und Lebenswegen von Mädchen und Frauen zuwenden, meint Diplom-Pädagogin Barbara Wittel-Fischer. Die häufig bei der Lebensgestaltung zu beobachtende Zweiteilung von Beruf und Familie müsse aufgehoben werden, fordert sie. Schon früh sollte daher mit Mädchen (und Jungen) darüber gesprochen werden, was es bedeute, mit einem Kind oder nur für den Beruf zu leben und welche Formen sonst noch denkbar seien.
Hilfe für junge Schwangere und Mütter - Bundesweite Anlaufstellen
Berlin (ddp). Rund 13 000 Teenager werden in Deutschland jährlich schwanger. Etwa 40 Prozent von ihnen entscheiden sich für das Kind. Das offizielle Hilfsangebot für minderjährige Schwangere und Mütter ist breit gefächert. Gute erste Anlaufpunkte sind Beratungsstellen von Wohlfahrtsverbänden und kirchlichen Einrichtungen.
Finanziell haben minderjährige Mütter einen gesetzlichen Anspruch auf Unterstützung. Zuständig ist hier in erster Linie das Jugendamt. Dieses bestimmt auch einen Amtsvormund für das Kind, welcher bis zu deren Volljährigkeit gemeinsam mit der Mutter das Sorgerecht ausübt.
In allen großen Städten gibt es Mutter-Kind-Heime, in den Mädchen während ihrer Schwangerschaft und später mit ihrem Baby wohnen können, bis sie auf eigenen Beinen stehen.
Einige bundesweite Anlaufstellen:
ProFamilia
Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland
Deutscher Caritasverband
Frauenwürde e.V.
Donum Vitae e.V.
Sozialdienst katholischer Frauen
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Expertin: Eine berufliche Karriere ist nicht für jeden Teenager attraktiv
Berlin (ddp). Nicht jede Teenager-Schwangerschaft ist ungewollt. Auch bewusst nachlässige Verhütung sei bei jungen Mädchen nicht selten, sagte die Vorsitzende der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau (AGGF), Gisela Gille, am Montag in einem ddp-Interview. Oft würden mangelnde Karriereaussichten sozial schwacher Minderjähriger als Grund dafür ausgemacht. Viele Mädchen träumten auch von einer eigenen Familie. Karriereversprechen seien nicht für jedes Mädchen attraktiv, ein Leben für die Liebe schon eher.
Der Kinderwunsch sei bei Mädchen "durchaus virulent", betonte die Frauenärztin. Ein Kinderwunsch bei Minderjährigen sei jedoch "keine akzeptierte Lebensperspektive in unserer Gesellschaft". Er habe mit Abhängigkeit zu tun und berge damit "antiemanzipatorische Aspekte". Das Mädchen, das sich von nichts und niemandem etwas sagen lasse, habe normativen Charakter, sagte Gille. Die meisten Mädchen, mit denen sie in den Schulen spreche, erlebe sie jedoch anders.
Generell sei Mädchen zu wünschen, dass sie erst mal erwachsen werden und sich eine berufliche Ausbildung sichern könnten, sagte Gille. Durch ein Kind werde ihre Entwicklung häufig abrupt unterbrochen. Anstelle der Ablösung von den eigenen Eltern trete oft eine neue Abhängigkeit vor allem zu der eigenen Mutter. Es gebe aber auch durchaus Beispiele dafür, dass Mädchen durch eine Schwangerschaft "bei sich ankommen" und sehr vernünftig und erwachsen würden, dies allerdings meist ohne den Vater des Kindes.
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