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Startseite Rubrik: Meldung vom Tage aktualisiert 03.02.2004


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06.01.04

Schweizer Unternehmer rettet invalide Arbeitnehmer vor dem Absturz


Von-Korrespondent Stephan Reuter

Basel (ddp-bwb). Heinz Rudin ist kein Freund von großen Worten. Eher schon ein Mann der Tat. Einer, der in seiner Branche «etwas bewegen will», aber nicht nur davon redet. Der Inhaber einer mittelständischen Basler Gebäudereinigung eilt mit seinen Plänen und Ideen vorneweg. Zum Beispiel, wenn es um die Beschäftigung von Arbeitern geht, die anderswo aufgrund körperlicher oder seelischer Defizite durch das Personalsieb fallen. Seit 15 Jahren eröffnet Rudin diesen Menschen eine zweite Chance. Das hat ihm kürzlich den ersten Basler Sozialpreis eingetragen.

Rudins beharrliches Engagement fußt auf einer schlichten Erkenntnis. Menschen mit einer Leistungsbehinderung «werden nach Jahren harter Arbeit zu schnell auf die Seite geschoben». Beispiele hat der 59-jährige Mittelständler zur Genüge kennen gelernt. Vom Gärtner mit Hautausschlag bis zum Bauarbeiter mit Rückenleiden - sie rettet ein Job als Gebäudereiniger oder Hauswart vor dem Zwang zum Nichtstun und dem Balanceakt am Rand des Existenzminimums. Denn wer in der Schweiz zu wenig für die private Vorsorge verdient, den bettet die Frührente aus der Invalidenversicherung auf Dornen.

Rudin übernimmt jedes Jahr mehrere Praktikanten, die sonst bei der Versorgungsstelle der Invalidenversicherung anklopfen müssten. Und zwar auch ältere Arbeitnehmer. Schließlich weiß Rudin, dass man es in jedem Alter schaffen kann. Seine Mutter machte sich 1969 im Alter von 57 Jahren mit der Reinigungsfirma selbstständig - als eine Frühform des Outsourcings beim Basler Pharmamulti Sandoz.

Gemeinsam mit den Ärzten klärt Rudin die Belastbarkeit seiner Schützlinge ab. Manche übernimmt er, viele vermittelt er weiter. Als Vizepräsident des Verbands Schweizer Reinigungsunternehmen besitzt er gute Verbindungen. Und da die Basler Großchemie, viele Banken und Top-Events wie das Tennisturnier Swiss Indoors zu seinen Kunden zählen, hat er auch einen Ruf zu verlieren: «Schluffis kann ich nicht gebrauchen», sagt der Basler Selfmade-Mann unmissverständlich. Wer es sich mit ihm verscherzen will, der muss es nur an typisch Schweizer Tugenden fehlen lassen. Auf Pünktlichkeit und Reinlichkeit legt er großen Wert.

Fachfremde einarbeiten, Schulungen bezahlen - das hat den Unternehmer nach eigener Aussage «manchen Franken gekostet». Bei 28 Mitarbeitern würde sich eine Fehlinvestition durchaus bemerkbar machen. «Das nehme ich dann auf meine Kappe», sagt er. Zusatzkosten auf die Belegschaft abzuwälzen, kommt für ihn nicht in die Lohntüte: «Wir sind keine Dumpingfirma.»

Dieser Mut zum Risiko hat das kantonale Basler Wirtschaftsdepartement bei der Vergabe des Sozialpreises offenbar beeindruckt: Rudin erhielt den Vorzug vor dem Basler Pharmariesen Roche, der sich ebenfalls vorbildlich bei der Reintegration schwer zu vermittelnder Arbeitskräfte engagiert. Im Vergleich zu Rudin kann sich der Milliardenkonzern dies jedoch locker leisten.



ddp

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