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06.01.04
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Bildungsträger gehen in die Pleite
Magdeburg (ddp-lsa). Immer mehr Schulbänke bei den freien Bildungsträgern in Sachsen-Anhalt bleiben leer. Berufliche Qualifizierung und Fortbildung im Auftrag des Arbeitsamtes hat sich zum Auslaufmodell entwickelt. Mit dem Rückgang der Teilnehmer habe die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Land drastisch zugenommen, stellt Jürgen Banse, Geschäftsführer des Landesverbandes Freie Schulen Sachsen-Anhalt, fest. Allein vom Dezember 2002 bis Mitte des vergangenen Jahres sank die Zahl der Frauen und Männer, die eine Maßnahme zur Förderung der beruflichen Weiterbildung besuchten, von 25 000 auf etwa 15 500. Im gleichen Zeitraum registrierte des Bundesanstalt für Arbeit ein Anwachsen der Langzeitarbeitslosen von 103 000 auf fast 118 000.
Die Hartz-Reform und die Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung seien an der Entwicklung schuld, ist sich Banse sicher. Der im vergangenen Jahr eingeführte Bildungsscheck habe sich nicht bewährt. Ähnliche Vorhaben gingen schon in Großbritannien «in die Hose». Außerdem sind die Hürden zu seiner Vergabe hoch gehängt. Für die Bildungseinrichtungen in Sachsen-Anhalt fehlt jegliche Planungssicherheit. Geplante Kurse können wegen zu wenigen Teilnehmern nicht stattfinden. Wo früher bis zu 20 Frauen und Männer saßen, kommen heute mitunter vier bis fünf Personen zusammen. Mit dem Bildungsscheck muss sich jeder selbst um den richtigen Lehrgang kümmern. Das Unterfangen gleiche einer Sisyphos-Arbeit, weil das Arbeitsamt nicht mehr koordiniere, sagt Banse. Für zwei oder drei Interessenten könne keine Schule einen Kurs wirtschaftlich durchführen.
Eine Umfrage bei 17 freien Bildungsträgern ergab, dass dort im vergangenen Jahr 48 Maßnahmen mit einer Dauer von drei bis zwölf Monaten ersatzlos ausfielen. «Viele unserer Mitglieder treffen die Sparmaßnahmen mit voller Wucht», sagt Jürgen Banse. Man lebe von der Substanz und hoffe auf den Konkurs anderer Einrichtungen. Die «Marktbereinigung» hat eingesetzt. Nachdem bis 2002 eine kontinuierliche Entwicklung zu verzeichnen war, hat jetzt das große Sterben eingesetzt. 50 Träger im Verband mit 130 Schulen haben Federn lassen müssen. Drei von ihnen mit zehn Einrichtungen meldeten im vergangenen Jahr Insolvenz an. Der Trend geht weiter. Banse rechnet mit einer Halbierung der Personalzahlen.
«Bei uns sank die Zahl der Mitarbeiter von 100 auf gegenwärtig 65», sagt Lotti Hollmann, Schulleiterin der Wirtschafts- und Sprachenschule R. Welling in Magdeburg. Die Politik des Arbeitsamtes lasse keine Veränderung erwarten. Auf ein Viertel werden die von ihm finanzierten Maßnahmen sinken. Ihre Ernsthaftigkeit sei zudem fraglich. Kurse von zwei Tagen bis zu acht Wochen werden zur Normalität. Die Ausschreibungen glichen einer Farce, für viele lokale Bildungsträger fast nicht zu erfüllen, maßgeschneidert dagegen für große überregionale Anbieter hinter denen Gewerkschaften und Arbeitgeber stehen.
Die klassische Umschulung gehört dagegen der Vergangenheit an, wird nicht mehr gewollt. Lotti Hollmann bezweifelt den Sinn der vorgesehenen Projekte. Die Vermutung, der schlechte Ruf des Arbeitsamtes hinterlasse durch eine quasi «Beschäftigungstherapie» bei den Bildungsträgern ebenfalls ein Negativimage will sie öffentlich nicht bestätigen. Klar scheint aber, dass ein Arbeitsloser nach zwei Tagen «Auffrischung» beispielsweise bei der Textverarbeitung am Computer eher der Schule die Wirksamkeit ihres Kurses abspricht als dem Arbeitsamt. Dabei brauche man in Sachsen-Anhalt dringend Weiterbildungsmaßnahmen, sagt Jürgen Banse. Die demografische Entwicklung ab 2005 lasse einen deutlichen Mangel an Facharbeitern erwarten. Wer dann nicht fit für seinen Beruf sei, habe dann keine Chancen.
http://www.vdp-sachsen-anhalt.de
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