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08.02.2002
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Zwangserkrankungen: Ein psychischer Teufelskreis



Osnabrück (ddp). Mindestens 1,5 Millionen Deutsche leiden an sogenannten Zwangserkrankungen. Das schätzt die Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V. in Osnabrück. Zwanghafte Handlungen wie häufiges Kontrollieren, Händewaschen, Putzen oder Sammeln prägen das Krankheitsbild. Auch Zwangsgedanken wie die Angst vor Türklinken und Keimen, ständiges Grübeln oder ständige sexuelle Visionen sind Symptome, unter denen Betroffene leiden.

Begleitet werden die Zwänge häufig von extremer innerer Anspannung, Schwitzen, Zittern und Herzklopfen. Zwangserkrankte schildern ihre Situation häufig so, dass sich bei ihnen das Gefühl, alles sei in Ordnung, einfach nicht einstellt. Mit ihren Handlungen, beispielsweise dem ständigen Überprüfen des Bügeleisens, wollen sie diese Sicherheit erzwingen. Es entsteht ein psychischer Teufelskreis, aus dem sich die wenigsten wieder selbst befreien können.

Diese speziellen Verhaltensweisen, die von der Umgebung oftmals als persönliche «Marotte» angesehen werden, können bei den Betroffenen zu weiteren schweren psychischen Erkrankungen führen. Depressionen und Selbstwertverlust sind eine häufige Folge.

Die Ursachen der Erkrankung sind noch nicht genau bekannt. Neben psychologischen Faktoren gehen Experten auch von einer Funktionsstörung des Gehirns aus. Erziehung und soziale Erfahrungen können den Krankheitsverlauf begünstigen. Erstmalig tritt die Erkrankung oft nach einschneidenden Lebensmomenten auf wie dem Tod eines Mitmenschen oder dem Verlust des Arbeitsplatzes. Zur Behandlung werden Medikamente eingesetzt, die den Gehirnstoffwechsel wieder normalisieren. Psychologen empfehlen zusätzlich unterstützende Therapiemaßnahmen.

Trotz der großen Verbreitung von Zwangskrankheit begeben sich nur rund fünf Prozent der Betroffenen in ärztliche Behandlung. Oft überwiegt bei ihnen die Angst, für verrückt erklärt zu werden. Mehr als die Hälfte aller Erkrankten zeigt bereits im Kindesalter erste psychische Symptome. Nach Expertenrat sollten daher Eltern bei Verdacht sofort einen Facharzt aufsuchen.
pit/esc

(c) ddp 05.04.01

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