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Beiträge Depression Depression 08.02.2002
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Winterdepressionen - Das Sonnenlicht schwindet, die gute Laune auch

Phototherapie bringt Licht ins Dunkel



Von ddp-Korrespondentin Ines Treffler

München (ddp). Graue Tage, nasskaltes Wetter und kein Sonnenstrahl am Himmel - mit der Temperatur sinkt auch das Stimmungsbarometer. Viele Menschen drückt die düstere Jahreszeit aufs Gemüt. Sie fühlen sich lustlos, unmotiviert, niedergeschlagen und manche auch depressiv. Seit etwa zehn Jahren definieren Mediziner diese negative Grundstimmung als «Saisonal Abhängige Depressionen» (SAD). Allgemein bekannt sind die vorübergehenden Tiefs als Herbst- oder Winterdepressionen.

Ursache dafür ist vor allem das fehlende Sonnenlicht. «Fast alle Menschen reagieren auf den Lichtmangel durch die deutlich kürzeren und dunkleren Tage», erläutert Jürgen Zulley vom Schlafmedizinischen Zentrum der Universität Regensburg. Das Licht steuert den Hormonhaushalt. Ist es dunkler, produziert der Körper Melatonin. Dieses Hormon macht den Menschen träge, müde und verstärkt das Hungergefühl nach Süßem. Die Licht- oder auch Phototherapie wirkt dem entgegen, denn Helligkeit unterdrücke die Melatoninproduktion, sagt der Schlafforscher.

Doch zwischen jahreszeitlich abhängigen Kranken und depressiven Menschen, die das ganze Jahr über krank sind, gibt es Unterschiede. SAD-Kranke schlafen meist viel und werden von Heißhunger überfallen. Depressive jedoch liegen nächtelang wach, schmecken will ihnen kaum etwas. Beiden Krankheitsbildern gemeinsam ist der verringerte Antrieb, die Patienten fühlen sich schlapp.

Künstliche Helligkeit bringt Licht in die Seele. Zulley schwört auf die Erfolge der Lichttherapie: «Diese Therapie ist die erste Wahl bei Winterdepressionen.» 80 Prozent seiner Patienten sprechen darauf an, ganz ohne Nebenwirkungen, sagt er. Täglich 40 Minuten vor einer 10.000 Lux-Lampe helle die Stimmung auf. Wer vor der Lichtquelle sitzt, muss anders als im Solarium, die Augen offen lassen, damit das Licht auf die Netzhaut trifft. Die Zeit könne auch genützt werden zum Lesen, Stricken, Fernsehen, meint Zulley.

Gerade mal 500 Lux - die internationale Einheit für Beleuchtungsstärke - ist die durchschnittliche Lichtintensität in einem Büroraum. Draußen strahlt die Sonne im Winter mit bis zu 1.500 Lux vom Himmel. Das ist zwar sehr viel weniger als im Sommer - Zulley hat an Sommertagen schon 120.000 Lux gemessen, doch ein Spaziergang bei Tageslicht hilft gegen schlechte Laune. «In der Schweiz haben Studien herausgefunden, dass Menschen, die auf der dunklen Nordseite eines Tales leben, häufiger depressiv sind.»

Ein neuer Ansatz in der Forschung geht davon aus, dass die saisonal abhängigen Depressionen erst durch unserer Gesellschaft zu einem Problem geworden sind. «An den Menschen werden im Sommer wie Winter die gleichen Anforderung gestellt. Es ist aber nun mal so, dass wir im Winter mehr ruhen sollten», erläutert Zulley.

Die Präsidentin des Deutschen Psychotherapeuten Verbandes, Karin Flamm, nennt noch einen Grund, warum es derzeit vielen Menschen schlecht geht: «Oft ist nicht der Winter die Ursache, sondern die Weihnachtszeit mit all den damit verbundenen Erwartungen und Sehnsüchten.»

Auch Verena Henkel vom Kompetenznetz Depression in München, sieht das schlechte Wetter als nicht so wichtig. Entscheidend sei vielmehr, dass Depressionen sehr ernst zunehmende Erkrankungen sind. Es reiche nicht, dass Freunde und Familie auffordern: «Nun reiß dich mal zusammen.» Lichttherapie könne bei Depressionen hilfreich sein, aber sie sei nur ein Mittel neben stimmungsaufhellenden Medikamenten und Psychotherapie. Zugleich betont Henkel, die Angst vieler Menschen vor der Suchtgefahr durch Antidepressiva sei nicht berechtigt.

Für diejenigen, die sich im Winter einfach nur schlapp und lustlos fühlen, bei denen aber keine Depression vorliegt, empfiehlt Henkel als Gegenrezepte: Sport, frische Luft, einen Spaziergang oder ein Ausflug mit Freuden vertreibt die schlechte Laune und hilft die Zeit bis zum Frühling zu verkürzen.

(c) ddp 19.12.01

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