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Beiträge Erschöpfung, Stress... Beiträge Erschöpfung, Stress... 08.02.2002
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Wenn der Schlaf die Müdigkeit nicht vertreibt

Auswirkungen des Chronischen Erschöpfungssyndroms



Von Barbara Weichs

Hanau/Hamburg (ddp). Müdigkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Haarausfall, Lichtempfindlichkeit, Tinnitus: Die Liste der Beschwerden, die Anke Ludwig (Name von der Redaktion geändert) jahrelang geplagt haben, ist so lang wie die Liste der Ärzte, die sie konsultiert hat. Eine Diagnose konnte keiner stellen. Nach dieser Odyssee weiß die 35-Jährige jedoch inzwischen, dass sie am Chronischen Erschöpfungssyndrom (englisch: Chronic Fatigue Syndrome, CFS) leidet. Einer Krankheit, von der circa 300.000 Menschen in Deutschland betroffen sind, 80 Prozent davon sind Frauen.

«Der beschriebene Leidensweg ist typisch für Menschen, die CFS haben», bestätigt der Arzt Hans-Michael Sobetzko, der am Hamburger DRK-Krankenhaus ein Forschungsprojekt zu CFS betreut. Die Patienten klagen zunächst über grippeähnliche Symptome, die jedoch nicht wieder abklingen, sondern sich über Jahre hinweg verstärken. Das Leitsymptom ist eine extreme Erschöpfung, die die Betroffenen so stark lähmt, dass der Alltag für sie immer mehr zur Hölle wird. Minimalanforderungen können sie nicht mehr bewältigen, denn die Energie fehlt nicht nur im körperlichen Bereich sondern auch im Kopf, wie Anke Ludwig sagt. «Ich konnte keine Entscheidungen mehr treffen, sondern lag nur noch im Bett und habe gewartet, dass ich sterbe.» Mediziner vergleichen diese Erschöpfung bei CFS-Patienten mit dem Zustand von Krebs- und Aidspatienten im Endstadium.

Das Problem von CFS ist Sobetzko zufolge, dass die Krankheit nicht in den medizinischen Lehrbüchern auftaucht und kaum ein Arzt sie diagnostizieren, geschweige denn behandeln kann. «Patienten pilgern von Arzt zu Arzt, unterziehen sich den verschiedensten Untersuchungen und Therapien, der schlechte Gesundheitszustand bleibt jedoch.» Die meisten Ärzte gestünden außerdem nicht ein, dass sie nichts finden, sondern therapierten einfach weiter. Eine Erfahrung, die Anke Ludwig mehrmals gemacht hat: «Das Fatale daran ist, dass mit jeder Behandlung neue Hoffnungen geweckt werden und die Enttäuschung dann natürlich sehr groß ist, weil sich nichts ändert.»

Zur körperlichen Erschöpfung kommt dann aber noch ein weiterer belastender Aspekt hinzu. «Viele Freunde aber auch Familienmitglieder reagierten mit Unverständnis auf meine Situation. Oft bekam ich zu hören, ich solle mich doch zusammenreißen», sagt Ludwig. Ein Vorwurf, mit dem sich die meisten CFS-Patienten auseinandersetzen müssen, wie Michael Stark, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus langjähriger Erfahrung weiß. Den Betroffenen wird dadurch das Gefühl vermittelt, sich permanent rechtfertigen zu müssen, schließlich haben sie ja keinen Befund in der Hand.

Was CFS auslöst, ist bislang nicht erforscht. Hypothesen gibt es Sobetzko zufolge allerdings viele: «Momentan konzentrieren sich die Forschungen auf das Gebiet der Immunologie und Sozialpsychologie.» Entsprechend schwierig ist deshalb auch eine Therapie mit Medikamenten. Dazu kommt, dass CFS-Patienten häufig sehr empfindlich mit Nebenwirkungen auf diese reagieren. In der Regel werden Medikamente deshalb nur punktuell zum Beispiel gegen Schmerzen oder Depressionen eingesetzt.

«Unser Ansatz heißt stattdessen Krankheitsmanagement», sagt Psychotherapeut Stark. Die Patienten müssen sich zunächst bewusst machen, dass ihre Grenzen enger gezogen sind und sie nun innerhalb dieser leben müssen. Ein Grundprogramm, das den Tag in überschaubare Tätigkeiten einteilt, kann dabei helfen. «Das Ziel muss sein, Stress und Überlastung zu vermeiden und möglichst ökonomisch mit den verbliebenen Energien und Fähigkeiten umzugehen», erklärt Stark. Anke Ludwig hat ihr Leben auf diese Weise wieder besser in den Griff bekommen. Entbehrungen und ein hoher finanzieller Aufwand zum Beispiel für die Betreuung ihrer Tochter sind allerdings der Preis dafür.

(c) ddp (05.07.01)


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