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"Was ist eigentlich normal?", diese Frage stellten sich am 24. März 2002 mehr als 650 Besucher der "Ver-rückten Filmnacht - Gegen die Bilder im Kopf" im Cinestar METROPOLIS in Frankfurt am Main. Zwei Filme wie sie unterschiedlicher nicht sein können: "A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn" und "Das weiße Rauschen" wurden anlässlich der "Oscarnacht" gezeigt. Sie waren Grundlage einer regen Diskussion zum Thema Schizophrenie, einer noch immer viel zu wenig wahrgenommenen Volkskrankheit. Moderiert wurde die Veranstaltung von Susanne Fröhlich, Hessischer Rundfunk. Psychiater, Schizophrenie-Erkrankte und Angehörige beantworteten die zahlreichen Fragen des Publikums und halfen Klischees, Ängste und Vorurteile abzubauen. Unterstützt wurde die Filmnacht von der Lilly Deutschland GmbH. Das Unternehmen, das sich seit Jahren für die Entstigmatisierung psychisch kranker Menschen einsetzt, hat insbesondere junge Menschen bei diesem besonderen Event dazu aufgefordert, ihre Bilder im Kopf zu überdenken und ihren bisherigen Standpunkt zu "ver-rücken". Der Eintrittspreis von 2 Euro wird an den Leipziger Verein Irrsinnig Menschlich und den Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker (BApK) gespendet.
Gegen Ausgrenzung und Vorurteile
Gespannt verfolgten viele Besucher die anschließende Verleihung der Academy Awards und erlebten während der Liveübertragung wie "A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn" mit insgesamt vier Oskars in Los Angeles, unter anderem in der Kategorie Bester Film des Jahres, ausgezeichnet wurde. Sowohl die amerikanische Produktion als auch der mit dem Max-Öphüls-Preis prämierte deutsche Film "Das weiße Rauschen" haben eines gemeinsam: Beide Filme nehmen den Zuschauer mit auf eine Reise in das Seelenleben eines an Schizophrenie erkrankten Menschen und richten sich gegen Ausgrenzung und Vorurteile.
Als "realistisch" und "gut recherchiert" beurteilt der an Schizophrenie erkrankte Kai-Uwe Schulz beide Filme. Tatsächlich hat er sich in mehreren Situationen "wiedererkannt", wie er dem neugierigen Publikum darlegte. In der lebhaften Diskussion mit Betroffenen, Angehörigen, Psychiatern und der Hauptdarstellerin Anabelle Lachatte aus "Das weiße Rauschen" wurde dem Publikum deutlich, wie viele Gesichter die Krankheit Schizophrenie haben kann. "Schizophrenie wird individuell sehr unterschiedlich erlebt. Einige Betroffene hören Stimmen, andere wiederum haben Halluzinationen wie John Nash in "A Beautiful Mind", erläuterte Professor Manfred Spitzer, Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm.
Offener Dialog zum Thema Schizophrenie
Wie wichtig der offene Dialog zum Thema Schizophrenie ist, dokumentiert auch eine aktuelle Studie der Universität Leipzig. Hartnäckig halten sich Vorurteile gegenüber schizophren erkrankten Menschen in den Köpfen der Öffentlichkeit. Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts glauben viele Menschen in Deutschland, dass schizophren Erkrankte eine Gefahr für ihre Mitmenschen sind. Jeder Vierte will nicht mit einem Betroffenen am Arbeitsplatz zusammenarbeiten; die Hälfte der Befragten konnte sich nicht vorstellen, eine Wohnung an einen schizophren Erkrankten zu vermieten. "Diesen und zahlreichen weiteren Vorurteilen begegnen Menschen mit Schizophrenie in der Öffentlichkeit fast täglich", betonte Dr. Manuela Richter-Werling vom Verein Irrsinnig Menschlich e.V.
"Wie aus Gesprächen mit Betroffenen hervorgeht", so Richter-Werling, "leiden die Patienten unter dieser Ausgrenzung mehr als unter den Symptomen ihrer Krankheit selbst." Insbesondere das Bild vom unberechenbaren und aggressiven Irren ist noch weit verbreitet. Schizophrenie Erkrankte sind "nicht gefährlicher als der Durchschnitt der Bevölkerung", bekräftigte Dr. Marius Houchangnia, Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie am St. Vinzenz Hospital, Haselünne. Auffällig aggressives Verhalten tritt bei schizophren Erkrankten nur dann auf, wenn die Betroffenen unbehandelt bleiben und sozial ausgegrenzt sind. Schizophrenie ist gut behandelbar: Immerhin gilt ein Viertel der Patienten nach intensiver Therapie als geheilt; vielen kann zumindest geholfen werden. Gute ärztliche Betreuung sowie spezifisch wirksame, verträgliche Medikamente so genannte atypische Antipsychotika - ermöglichen den Erkrankten, ihr persönliches Potenzial auszuschöpfen.
Bei der Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass nicht allein Medikamente für eine erfolgreiche Therapie ausschlaggebend sind, sondern auch die Zuwendung und Unterstützung der Angehörigen. "Es hat sich viel Positives getan in der Behandlung", bestätigte Eva Straub, die sich als Mutter eines Patienten im Bayrischen Landesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V. engagiert. Als deutlichen Fortschritt bewertet sie, dass - wo möglich - stationäre Ansätze durch ambulante Therapien ersetzt werden.
Einer von 100 Menschen erkrankt einmal in seinem Leben an Schizophrenie, die damit fast so häufig auftritt wie Diabetes. Weltweit sind etwa 60 Millionen Menschen betroffen; in Deutschland sind dies rund 800.000 Menschen. Aufgrund der steigenden Anzahl psychischer Erkrankungen in der Bevölkerung hat die Weltgesundheitsorganisation WHO sie zur Krise des 21. Jahrhunderts erhoben und zum Schwerpunktbereich ihrer Arbeit erklärt.
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Vorurteile abbauen heißt:
Über psychische Erkrankungen und ihre Behandlungsmöglichkeiten zu informieren, nachzudenken und zu diskutieren. Begegnungen zwischen psychisch erkrankten Menschen, ihren Angehörigen, Mitarbeitern psychiatrischer Einrichtungen und Menschen außerhalb der Psychiatrie zu ermöglichen. |
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Irrsinnig Menschlich e.V.
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| Podiumsdiskussion mit Betroffenen, Angehörigen, Psychiatern und der Hauptdarstellerin Anabelle Lachatte aus "Das weiße Rauschen". |
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| Hans Weingartner (1) führte Regie. Daniel Brühl (2) spielt Lukas, einen einsamen jungen Mann, der im Verlauf des Films den Kampf gegen seine heimtückische Krankheit aufnehmen muß. Anabelle Lachatte (3) ist Kati Lukas ältere Schwester, die sich um ihren Bruder sorgt. Patrick Joswig (4) spielt Jochen, Katis ewig "zugedröhnten" Mitbewohner. |
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| Die beiden preisgekrönten Streifen beförderten die Diskussion über Schizophrenie, Klischees und Vorurteile. Moderiert wurde die Veranstaltung von Susanne Fröhlich, Hessischer Rundfunk. Die Lilly Deutschland GmbH unterstützte die aufwendige Organisation. |
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| Der Film "A Beautiful Mind" von Ron Howard erzählt die Lebensgeschichte des Mathematikers John Nash, der mit völlig neuen Theorien die Wirtschaftswissenschaften revolutionierte und unter Schizophrenie litt. Er besiegte die Krankheit und erhielt 1994 für seine Arbeit den Nobelpreis. Bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles setzte sich der Film in den wichtigsten Kategorien durch: Bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch. Foto: ddp |
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Manuskript, Fotos (10): Gianni & Meissner Public Relations GmbH
Layout, Animation, Bildtext: R. Hartig / Thomas Greve |
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