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In Deutschland leidet jede zwanzigste Person an einer behandlungsbedürftigen Depression, das sind insgesamt rund vier Millionen Menschen. Doch nur die Hälfte aller depressiven Erkrankungen wird erkannt, und nur zehn Prozent werden adäquat behandelt. Viel zu häufig werden sie noch immer als "Psychoprobleme" bagatellisiert oder aus Angst vor Stigmatisierung verschwiegen. 15 Prozent aller Menschen, die unter einer schweren Depression leiden, sterben durch Suizid. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation sagen für die Industrieländer voraus, dass Depressionen nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen zur zweitgrößten Volkskrankheit werden.
Sind Depressionen ein Symptom unserer Zeit?
Professor Dr. med. Wolfgang Schwarzer sagte es in dem Rostocker Seminar "Depressionen verstehen - bei der Bewältigung helfen" so: "Eine belastende Lebenssituation, Stress, Niedergedrücktheit, können das Fass zum Überlaufen bringen - aber dazu gehört noch mehr." Für die rund 30 Patientenvertreter, Angehörige und Profis - immer wieder wissbegierig dazwischenfragend - war klar, "da kommt heute einiges rüber".
Zunächst räumte Wolfgang Schwarzer mit dem "Das-ist-es" auf: "Unterschiedliche Sichtweisen und Wahrnehmungen der Depression lassen sich in ein Grundgerüst integrieren". Er brachte es auf den Punkt: "Es sind die unterschiedlichen körperlichen und seelischen «Losigkeiten», die, wenn sie länger als zwei Wochen anhalten, als Symptome einer Depression ernstgenommen werden sollten, wie z.B. Appetitlosigkeit, Kraftlosigkeit, Schlaflosigkeit, Antriebslosigkeit, Perspektivlosigkeit, Konzentrationslosigkeit, Freud- und Lustlosigkeit... "Der Depressive ist dann mit seinen Kräften am Ende, sieht die Welt nur noch durch eine dunkle Brille, zieht sich zurück", so Professor Schwarzer. "Schutzreaktion", "Warnung", auch das kann eine Depression signalisieren. - "Aber sie ist nicht der Schnupfen des Nervensystems, sondern eine ernstzunehmende Krankheit." Und eine Depression kann lebensgefährlich sein - im Sinne von "nicht mehr leben wollen". Besonders konkret formulierte Suizidabsichten müssen ernst genommen werden. "Dann sollte man unbedingt ärztliche Hilfe suchen."
Doch die "Grauen Tage" sind kein Grund zur Besorgnis. Erst wenn sie andauern oder sich in immer kürzeren Abständen häufen, spricht die Medizin von depressiven Verstimmungen. Diese können die Lebensqualität eines Menschen erheblich beeinträchtigen, sogar die Persönlichkeit verändern. Dazu sagte eine Betroffene: "Dann bekommt man nichts mehr auf die Reihe."
Die Seele leidet, der Körper auch
"Es gibt keine Biologie ohne Psyche, keine Psyche ohne Biologie", so Wolfgang Schwarzer. Zwischen Körper und Seele besteht ein enger Zusammenhang. Biologisch kann man die Depression als eine Stoffwechselstörung des Gehirns erklären. "Eine seelische Belastungssituation kann auf den den Magen-Darm-Trakt schlagen, eine Unterfunktion der Schilddrüse kann den gesamten Stoffwechsel verlangsamen, sodass Betroffene sich abgeschlagen und depressiv fühlen." Auch eine Störung des Hormonhaushalts wird im Zusammenhang mit Depressionen diskutiert, ebenso genetische Vorbelastungen. Außerdem verwies Professor Schwarzer darauf, "dass auch Infektionskrankheiten und bestimmte Medikamente - z.B. gegen Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen, Antibiotika und Beruhigungsmittel - Depressionen auslösen können".
Die Biologie der Depression
Zum Hintergrund was im Gehirn passiert, erklärte Professor Schwarzer: "Es gilt als gesichert, dass die einzelnen Nervenzellen durch »elektronische Impulse« und durch bestimmte »Botenstoffe« untereinander in Verbindung stehen. Liegt ein Mangel der Botenstoffe (Neurotransmitter) Serotonin und Noradrenalin vor, treten im Netzwerk des Nervensystems Kommunikationsstörungen auf." Das hat sowohl eine Auswirkungen auf das körperlich-seelische Befinden des Betroffenen als auch auf die Beziehung zur Umwelt, betonte Schwarzer.
Wie werden Depressionen behandelt?
"Der richtige Weg wäre", so der Mediziner, "den Hausarzt zu konsultieren. Dort ist zu abzuklären, ob die Beschwerden körperlich bedingt sind. Das ist ganz wichtig, bevor eine Weiterbehandlung durch einen Psychiater erfolgen kann." Dabei hängt die Therapie von dem Schweregrad der Depression, dem sozialen Umfeld und der Persönlichkeit des Kranken ab. Bewährt haben sich, so Wolfgang Schwarzer, die modernen Antidepressiva - insbesondere Selektive-Serotonin-Rückaufnahme-Hemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Rückaufnahme-Hemmer (SNRI) - zur Akutbehandlung und als Schutz vor Rückfällen. Er bezeichnete den Einsatz der neuen Antidepressiva in Kombination mit Beratung, Begleitung und Psychotherapie als "Basistherapie". Außerdem gibt es noch weitere spezielle Verfahren, wie z.B. Lichttherapie, Schlafentzug und Elektrokrampftherapie.
"Sich-Behandeln-Lassen" fällt schwer
Unter einer "Krankheit des Gemüts" zu leiden, wird von vielen Betroffenen zunächst nicht so akzeptiert, erklärte Professor Schwarzer. "Oft ermöglicht erst die Einnahme eines Antidepressivums die Bereitschaft, sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen." Beide Konzepte, die medikamentöse Therapie und das aktive Nachdenken über die eigene Lebenssituation, sollen sich in der Behandlung der Depression ergänzen.
Eine depressive Phase kann sich über Wochen, sehr selten sogar Jahre erstrecken. Häufig sind es einige Monate. Das Risiko, eine chronische Depression zu entwickeln, beträgt 20 Prozent. "Je früher behandelt wird, desto besser sind die Aussichten auf Erfolg", so Professor Schwarzer.
Professor Dr. med. Wolfgang Schwarzer ist Facharzt für Nervenheilkunde und psychotherapeutische Medizin, und Professor für Sozialmedizin und Psychiatrie an der Katholischen Fachhochschule für Sozialarbeit in Köln.
Seminar "Depressionen verstehen - bei der Bewältigung helfen", Aufklärungsveranstaltung des Landesverbandes der Angehörigen
und Freunde psychisch Kranker e.V. (LApK-MV)
Organisation und Durchführung - mit freundlicher
Unterstützung der Wyeth Pharma GmbH
Informationsservice
http://www.denkepositiv.com
http://www.wyeth.de
Text und Fotos: Roland Hartig
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Zwischenfrage ...
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Interesse ...
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geweckt ...
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... denn das Leben ist nicht freudlos.
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Die Unterscheidung verschiedener
depressiver Erkrankungen
Die einen fühlen sich "grundlos, aber von Grund auf verändert".* Sie erleben ihre Kranheit als etwas, das ihnen auferlegt wurde. Diese Formen der Depression bezeichnet man als Melancholie, Schwermut oder auch als endogene Depression.
Die anderen an einer Situation erkrankten Menschen erkennen einen Grund, ein Motiv für ihr Leiden. "Sie erkranken an einer Situation oder an sich selbst." Diese Form der Depression wird als reaktive oder auch psychogene Depression bezeichnet.
Diese Unterscheidung ist insofern fruchtbar, als sie darauf hinweist, dass sich der Kranke mit einer reaktiven Depression noch in einem Zusammenhang mit seiner Umwelt erlebt, während der endogen depressive, der Melancholiker, sich von der Gemeinschaft oder eigenen inneren Bezügen abgetrennt fühlt.
*Daniel Hell: Welchen Sinn macht Depression, Rowohlt, Reinbelk bei Hamburg, 1992
Aus: "Das Leben ist nicht freudlos", S.39 (Wyeth) |
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Verhaltensempfehlungen für Partner
und Angehörige von Depressiven
Die momentane Hoffnungslosigkeit des Depressiven als ein Zeichen des depressiven Zustandes nehmen, realistisch Hoffnung auf ein Ende der Depression geben.
Nicht an den Willen, auch nicht an Tugenden wie Glaube oder Verantwortung appelieren. Ihn spüren lassen, dass er kein Versager ist, dass er nicht an seiner gegenwärtigen Befindlichkeit Schuld hat.
Dem schwer Depressiven Entscheidungen abnehmen, wenn sie ihm qualvoll sind. Ruhige, bestimmte, sichere Führung. Nötigenfalls selber Arztbesuch organisieren und ihn dorthin begleiten.
Keinesfalls lebenswichtige Entscheidungen während der depressiven Episode treffen lassen, wie z.B. Berufswechsel, Scheidung.
Den Depressiven unterstützen, dass er am Morgen nicht regelmäßig im Bett liegenbleibt, sich am Abend nicht zu früh ins Bett zurückzieht und sich während des Tages nicht völlig isoliert.
Einfühlendes Verständnis zeigen, wenn der Depressive Schwierigkeiten hat, etwas zu tun, ihn jedoch darin unterstützen, dass er realistisch angesetzte Aufgaben durchführt. Den Depressiven auf alles, was ihm gelungen ist, aufmerksam machen - ohne triumphierenden Ton.
Auf einen regelmäßigen Tagesablauf achten (aufstehen, arbeiten, essen, zu Bett gehen)
Verständnis dafür zeigen, dass sexuelle Gefühle während der Depression schwinden oder verloren gehen.
Sich im Umgang mit Depressiven nicht entmutigen lassen, z.B. wenn man spürt, dass der Depressive auf alles nur negativ ragiert. Beziehung nicht verdünnen oder gar abbrechen, wenn die verbale Verständigung stockt.
Vorgespielte Fröhlichkeit, Umtriebigkeit, dralle Aktivität im Zusammensein mit dem Depressiven vermeiden.
Nicht auf das Grübeln über vergangene Ereignisse eingehen. Während einer schweren depressiven Phase nicht nach Gründen für die Verstimmung forschen. Möglichst in der Gegenwart, beim aktuellem Empfinden bleiben.
Wenn der Depressive weinen kann, fördern, dass er sich ausweint. Die Tendenz, dass er immer Selbstbeherrschung von sich verlangt, nicht unterstützen. |
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