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Redaktion
10.10.2003
Aufklärung und Konsequenzen
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Sektenbeauftragter: Scientology arbeitet im Verborgenen


Düsseldorf (ddp-nrw). Die Scientology-Organisation ist nach Expertenangaben unvermindert in Nordrhein-Westfalen aktiv, arbeitet allerdings eher im Verborgenen. Nach einer internationalen Öffentlichkeitskampagne gegen die Bundesrepublik Deutschland Mitte der 90er habe die Organisation einen "Strategiewechsel" vollzogen und ihre Aktivitäten auf "Nebenstraßen" verlagert, sagte der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche im Rheinland, Andrew Schäfer, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur ddp in Düsseldorf.

Mit einer "weichen Schiene", dem Engagement auf dem sozialen Feld, versuche die Organisation bereits seit Jahren gesellschaftsfähig zu werden und neue Mitglieder zu erreichen, erläuterte der Sektenbeauftragte. In letzter Zeit unterstütze die Organisation beispielsweise über ihre Unterorganisation KVPM (Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen die Menschrechte) Selbsthilfegruppen gegen den Einsatz des Beruhigungsmittels Ritalin.

Dabei würden nach dem Eindruck des Sektenbeauftragten diese Selbsthilfegruppen für die eigentlichen Ziele der Scientology-Organisation instrumentalisiert. Nach wie vor würden andere Untergruppierungen von Scientology angebliche Drogentherapien und Resozialisierungsprogramme für Straffällige anbieten (NARCONON; CRIMINON).

"Es fällt schwer einzuschätzen, wie stark Scientology ist", betonte Schäfer. Die Organisation solle zwar nicht überschätzt werden. Gleichwohl müsse man in Wirtschaft und Politik immer wieder damit rechnen, Scientologen zu begegnen. So werde in einigen Firmen beispielsweise im Großraum Köln und Düsseldorf Mitarbeitern "mit sanftem Druck" nahe gelegt, scientologische Kurse zu besuchen. Die Abgeordneten im Düsseldorfer Landtag erhielten in regelmäßigen Abständen Post von der Organisation. Es bestehe langfristig die Möglichkeit, dass die Organisation im "Halbdunkel" zu einer auch gesellschaftlich "gefährlichen Größe" werden könne.

Genaue Angaben über die Anzahl von Scientologen in Nordrhein-Westfalen gibt es nach Angaben Schäfers nicht. "Der Landesverfassungsschutz schätzt, dass es rund 400 praktizierende Scientologen gibt. Bundesweit sollen es bis zu 6000 sein. Ich bin mir aber nicht sicher, ob diese Zahlen zutreffen", betonte der Sektenbeauftragte. Anfällig für die Verlockungen von Scientology seien alle Menschen, gerade wenn sie sich in einer privat oder beruflich schwierigen Lage befänden, weiß der Experte. Für besonders anfällig hält er Personen, die von Natur aus labil seien.

Schäfer rät, sich bei einem Verdacht, dass jemand im persönlichen oder beruflichen Umfeld Scientologe sein könnte, an die Sekteninformationsstelle der Evangelischen Landeskirche zu wenden. "Es ist besser, einen solchen Verdacht zu klären, als unbegründet Misstrauen zu säen", betonte der Experte.

Evangelischen Kirche im Rheinland: http://www.ekir.de

ddp/wib/and
19. Aug 02



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