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Lichtblick-Newsletter Nr. 97 vom 04.08.2003
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Lichtblick-Newsletter Nr. 97 vom 04.08.2003
Nachrichten aus Psychiatrie & Selbsthilfe (naps)
ISSN 1619-1927 (E-Mail-Ausgabe)
http://www.lichtblick-newsletter.de
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Themen:
1. Aufgeflogen: Scientology-Tarnorganisation "Safe Harbor"
2. Kommentar zu "Safe Harbor"
3. Seriöse Ernährungsberater - Adressen im Internet
4. "Verrückt? Na und!": Das Schulprojekt des Irrsinnig Menschlich e.V.
erstmals an einer Schule in den alten Bundesländern
5. MUT 2003 - Preis des "Irrsinnig Menschlich e.V. für politisches
Handeln zugunsten psychisch erkrankter Menschen
6. Frankfurter Psychiatriewoche vom 5. bis 12. September 2003
7. AD(H)S: Atomoxetin - Alternative zur Stimulanzien-Therapie?
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[1] Aufgeflogen: Scientology-Tarnorganisation "Safe Harbor"
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(naps). In Hamburg gründete sich vor kurzem der Verein "Safe Harbor" (zu
Deutsch: sicherer Hafen) - eine Tarnorganisation des Psychokonzerns
Scientology. Darüber berichtet die Hamburger Morgenpost (Mopo, 2./3. August
2003, S. 12/13). In das neu ausgelegte Fangnetz sollen Ärzte,
Ernährungswissenschaftler, Umweltmediziner und Patienten geraten, vor allem
psychisch kranke Menschen. "Der Fall ist exemplarisch", sagte Rüdiger Hintze
von der Arbeitsgruppe Scientology der Hamburger Innenbehörde dem Blatt. -
"Hier kann man sehen, mit welch raffinierten Methoden Scientology versucht,
Menschen an sich zu binden und die Ideologie Hubbards zu verbreiten."
Aufgeflogen ist die neue Tarnorganisation durch eine 30-jährige
Ernährungswissenschaftlerin, die kurz nach ihrer Wahl für den Vorsitz
Verdacht schöpfte. Sie recherchierte im Internet und stellte fest, "dass sie
sich, ohne es zu wollen, zum Werkzeug der Scientologen hat machen lassen".
Die Wissenschaftlerin erklärte ihren Austritt. Von dem Plan der
Scientologen, "Safe Harbor" zu gründen, weiß die Arbeitsgruppe Scientology
der Hamburger Innenbehörde schon seit Wochen.
Zum Mopo-Artikel: http://www.mopo.de/nachrichten/102_panorama_41015.html
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[2] Kommentar zu "Safe Harbor"
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Von Marianne Kestler
"Alternative geistige Gesundheit" in der Mogelpackung
Psychiatriebetroffene als Köder im Scientology-Netz
Am 18. Juli 2003 hat in Hamburg die Gründung des deutschen Ablegers der
US-amerikanischen antipsychiatrischen Initiative "Safe Harbor" (= sicherer
Hafen) stattgefunden. Das wurde unter anderem in den Internetforen
"Psychiatriekritik", "Psychopolitik" und "Aufklärungsarbeit" öffentlich
bekannt gegeben. Bereits seit einigen Monaten wird der deutsche Verein in
einschlägigen Foren wie auch in der scientologisch ausgerichteten "Kent
Depesche" angekündigt. Versprochen werden, so die Meldungen, "natürliche
Lösungen bei psychischen Störungen". Die Initiative verspricht, "den
körperlichen Ursachen bei psychischen Störungen auf den Grund (zu) gehen"
und "die Politik in alternativen sanften Heilverfahren bei psychiatrischen
Störungen" auszubilden. Damit soll "dem Bürger eine Wahlmöglichkeit zur
herkömmlichen psychiatrischen Behandlung" geboten werden. Die "Kent
Depesche" lobt Safe Harbor in ihrer Ausgabe Nr. 20 als "endlich echte
Alternative zur Psychiatrie". Wie das konkret aussehen soll, erfährt man
zunächst nicht.
Auch nicht bei eingehendem Studium der so genannten amerikanischen
"gemeinnützigen Muttergesellschaft", Alternativementalhealth.com. Dort, wie
auch im deutschen Tochterangebot, werden allerlei Heilmittelchen zur
Bekämpfung angeblicher psychischer Krankheiten feilgeboten, denn letztlich
sei jedes seelische Ungleichgewicht auf körperliche Stoffentgleisungen
zurück zu führen. Gründer und ideologischer Januskopf dieses Safe
Harbor-Angebots ist Dan Stradford. Stradford ist seit über 30 Jahren
bekennender Scientologe, unter anderem Mitglied in der IAS (International
Association of Scientologists). Der als Kirche getarnte Konzern Scientology
"behandelt" seit mehr als 50 Jahren Menschen in existenziellen Krisen, indem
er ihnen gezielt die finanzielle Existenz raubt, um sich daran zu
bereichern. Das wird natürlich nicht verraten. Dafür gibt es
Tarnorganisationen. Eine davon ist die CCHR (Citizens Commission of Human
Rights) mit ihrer deutschen Tochter KVPM (Kommission für Verstöße der
Psychiatrie gegen die Menschenrechte).
In der Hafenstadt Hamburg glaubt diese scientologische Tarnorganisation
einen "sicheren" Anlegeplatz gefunden zu haben und ihre Köder auslegen zu
können. Darüber freut sich Dan Stradford. Die Entstehung von Safe Harbor in
Deutschland ermögliche nun endlich die Zusammenarbeit mit deutschen Ärzten
und Heilpraktikern, die "Menschen mit psychiatrischen Störungen helfen
können, ohne dass diese eine Menge psychiatrische Medikamente für den Rest
ihres Lebens einnehmen müssen." Die Interessenlage ist klar: Weg mit der
Psychiatrie und der Pharmaindustrie, um möglichst lukrativ eigene Produkte
und Services verkaufen zu können. Denn bei Scientology zählt die
wöchentliche Statistik. Für jedes einzelne "Mitglied". Und da geht's um
Geld, sonst nichts. Deswegen schließt Stradford seine Werbebotschaft mit den
Worten: "Wir freuen uns, mit diesen Fachleuten zu arbeiten und den Bürgern
Deutschlands mit psychischen Problemen einen Safe Harbor zu bieten".
Doch das Projekt ist jetzt aufgeflogen, wie die Hamburger Morgenpost vom
2./3. August 2003 berichtet. Schon seit Wochen hatte die Arbeitsgruppe
Scientology der Hamburger Innenbehörde die Gründung des dubiosen Vereins
beobachtet. Besonders aufmerksam geworden waren die Beobachter durch die
Ernährungstherapeutin Melanie Herff, die sich gerade noch aus den Klauen der
neuen Scientology-Tarnorganisation befreien konnte. Aufgrund ihrer
Qualifikation und ihres thematischen Schwerpunktes war sie für die
Vereinsgründer besonders attraktiv und wurde in den Vorsitz gewählt. Doch
schnell schöpfte sie Verdacht - das Verhalten der Mitglieder und das ganze
Drumherum kam ihr merkwürdig vor. Nach Recherchen im Internet dann das böse
Erwachen: Um ein Haar hätte sie sich ungewollt von den Scientologen für
deren Zwecke instrumentalisieren lassen.
Es ist jedoch damit zu rechnen, dass der Psychokonzern unbeirrt weiterhin
seine "Alternative Geistige Gesundheit" vermarkten wird. Ob unter dem
Decknamen "Safe Harbor" oder anderen kreativen Etiketten sei dahin gestellt.
Eine gesunde Portion Skepsis gegenüber solchen scheinbar wohlmeinenden
"Anti"-Lobbyisten ist allemal angesagt. In so manchem "sicheren Hafen"
bekommen Ratsuchende schnell nasse Füße...
--> Quellen und Links:
Aufklärung
- "Der Krake greift nach Kranken", Olaf Wunder, Hamburger Morgenpost vom
02.08.2003; http://www.mopo.de/nachrichten/102_panorama_41015.html
- Arbeitsgruppe Scientology in der Innenbehörde der Freien Hansestadt
Hamburg; http://www.arbeitsgruppe-scientology.de
- Aktion für Geistige und Psychische Freiheit Bundesverband Sekten- und
Psychomarktberatung e.V. (AGPF), Bonn; http://www.agpf.de
- Lichtblick-Newsletter: "Zwischen Psychiatrie und Scientology".
Dokumentation, Aufklärung und weiterführende Links und Adressen
http://www.lichtblick-newsletter.de/so-kvpm.html
- Ingo Heinemann - Scientology-Kritik
http://www.ingo-heinemann.de
- "Vorsicht Falle: Psychogruppen auf Seelenfang im Netz", Marianne Kestler,
Psychosoziale Umschau 2/2003, S. 21 f.
http://www.psychiatrie.de/verlag/pdf/umschau_03_02_21.pdf.
Safe Harbor im Internet:
- Safe Harbor, US-amerikanischer Verein
http://www.alternativementalhealth.com
- Safe Harbor Deutschland
http://stadt.heim.at/newyork/131859/index.html
(Anmerkung: diese URL wechselt derzeit noch häufig)
Marianne Kestler, 2. August 2003
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[3] Seriöse Ernährungsberater - Adressen im Internet
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Bonn (ddp). Bei Übergewicht, Verdauungsstörungen oder Vitaminmangel könnten
viele Patienten auf teure Präparate aus Apotheke und Drogerie verzichten.
Voraussetzung: die richtige Ernährung. Eine Schwierigkeit liegt jedoch
darin, einen seriösen Ernährungsberater zu finden.
Den Titel Ernährungsberater darf in Deutschland nämlich jeder tragen.
Adressen von kompetenten und professionellen Beratern sind auf der
Internetseite des Verbands der Diplom-Ökotrophologen unter www.vdoe.de zu
finden.
Die freiberuflich arbeitenden Mitglieder des Verbands haben einen
Zertifikatsabschluss als Ernährungsberater. Dieser wird von den
Krankenkassen anerkannt, die manchmal auch einen Teil der Kosten einer
Ernährungsberatung übernehmen.
Weitere Informationen gibt es beim Verband der Diplom-Ökotrophologen,
Reuterstr. 161, 53113 Bonn, Tel.: 0228 - 28 92 20, Fax: 0228 - 28 92 277.
http://www.vdoe.de
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[4] "Verrückt? Na und!": Das Schulprojekt des Irrsinnig Menschlich e.V.
erstmals an einer Schule in den alten Bundesländern
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Aus der Postmappe
Von der Schulaktion des Irrsinnig Menschlich e.V. aus Leipzig gehört hat die
Bayreuther Angehörigengruppe zuerst im Juni 2003 – beim Workshop zum Projekt
in Leipzig. Die Gruppe um Achim Tamler und Ursula Geßlein hat schon einige
Zeit darüber nachgedacht wie man das Thema Seelische Gesundheit/Krankheit an
Jugendliche heranbringen könnte. Überzeugt hat sie letztlich der Workshop in
Leipzig.
Ihr Plan: Noch bevor die Sommerferien in Bayern beginnen, wird "Verrückt? Na
und !" in Bayreuth gestartet. Nadine Tamler, die Tochter von Achim Tamler,
hat die Sache in die Hand genommen, die Schulleitung des
Richard-Wagner-Gymnasiums in Bayreuth überzeugt, das Projekt aus Leipzig
noch in letzter Minute in die Projektwoche zum Schuljahresende zu
integrieren.
Die 17-Jährige ist hochmotiviert, etwas zu tun, um mit Vorurteilen und
Klischees über die sogenannten "Verrückten" aufzuräumen. Ihr Bruder leidet
seit Jahren an Schizophrenie. Kurzerhand hat sie das Projektteam aus Leipzig
eingeladen in ihre Schule. 27 Mädchen und Jungen der Klassen 9 bis 12 haben
am 23. Juli 2003 diskutiert darüber wie es sich als Mensch mit einer
psychischen Krankheit lebt in Deutschland. Fragen über Fragen an Anja Michel
als Expertin in eigener Sache. Am Ende Bewunderung, dass sie den Mut hat,
sich zu outen mit ihrer Krankheit und der Wunsch, noch mehr zu erfahren von
den sogenannten Schwachen, die tatsächlich so stark sind.
Unter den Schüler waren auch Achim Tamler und Ursula Geßlein von der
Bayreuther Angehörigengruppe, um zu lernen, wie sie im kommenden Schuljahr
selbst das Projekt "Verrückt! Na und?" des Irrsinnig Menschlich e.V. aus
Leipzig an Bayreuther Schulen durchführen können.
Vielen Dank den schnellen, gastfreundlichen Bayreuthern, insbesondere
Nadine Tamler. Gemeinsam sind wir stark!
Manuela Richter-Werling und Anja Michel
Irrsinnig-Menschlich e.V., Leipzig
http://www.irrsinnig-menschlich.de
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[5] MUT 2003 - Preis des "Irrsinnig Menschlich e.V. für politisches
Handeln zugunsten psychisch erkrankter Menschen
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Beim "MUT" 2003 dreht sich alles nur um eines: Vorurteile gegenüber
psychisch kranken Menschen abzubauen. Menschen mit psychischen Erkrankungen
brauchen Öffentlichkeit. Sie brauchen Fürsprecher und aktive Hilfe. Gerade
die Politik kann hier Zeichen setzen.
MUT 2003 – Wer kann sich bewerben?
Politikerinnen und Politiker können sich um die Auszeichnung bewerben oder
Kollegen vorschlagen. Bürgerinnen und Bürger können Politiker nominieren.
Einzige Bedingung: das nachweisliche und außerordentliche Engagement für die
Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit psychischen Erkrankungen.
Das Bewerbungsformular können Sie im Internet herunterladen, ausfüllen und
an info@irrsinnig-menschlich.de schicken. Einsendeschluss ist der 30.
September 2003. Mehr zu "MUT 2003" im Internet unter:
http://www.irrsinnig-menschlich.de/sites/mut2003/home.htm
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[6] Frankfurter Psychiatriewoche vom 5. bis 12. September 2003
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In und um Frankfurt findet in diesem Jahr zum 15. Mal die alljährliche
Psychiatriewoche statt. Sie bietet, so der Gesundheitsdezernent Nikolaus
Burggraf, einen "Markt der Angebote (...), auf dem Bewährtes und Neues aus
dem Bereich der Psychiatrie und der psychosozialen Rehabilitation
dargestellt wird". Mit einer großen Veranstaltungsreihe informiert die
Frankfurter Psychiatriewoche über die gemeindepsychiatrischen Einrichtungen
der Stadt. In Podiumsdiskussionen, Vorträgen und Informationsveranstaltungen
soll über die Ursachen, die zu einer psychischen Erkrankung führen, ihre
Behandlung und die Möglichkeiten ihrer Verhinderung aufgeklärt werden. Ein
abwechslungsreiches kulturelles Programm und verschiedene Feste geben allen
Gelegenheit für Erfahrungsaustausch und Begegnung.
Koordiniert und ausgerichtet wird das Event von der Fachgruppe Psychiatrie,
einem Gremium aus Psychiatriebetroffenen, deren Angehörigen und in der
Psychiatrie Tätigen. Die einzelnen Veranstaltungen werden von den jeweiligen
Institutionen und Organisationen der gemeindepsychiatrischen Versorgung
geplant und durchgeführt. Das Programmheft mit allen Veranstaltungen ist zu
beziehen über die Fachgruppe Psychiatrie, Herrn Branko, Schloßstr. 13-15,
60486 Frankfurt am Main, Telefon: 069-78 80 00 47.
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[7] AD(H)S: Atomoxetin - Alternative zur Stimulanzien-Therapie?
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(cask, San Francisco). Der hoch selektive Noradrenalin-Wiederauf-nahmehemmer
(SNRI) Atomoxetin (Eli Lilly and Company) ermöglicht mit einer täglichen
Einmalgabe eine wirksame Behandlung von ADS/ADHS bei Kindern und
Jugendlichen. Als erste Substanz, die nicht unter die Gruppe der
Psychostimulanzien fällt, ist Atomoxetin eine neue Therapieoption, die
wesentliche Forderungen von Ärzten und Eltern erfüllt. Die stabile
Einstellung über den ganzen Tag ohne die Nachteile einer
Stimulanzien-Therapie (z. B. Schlafstörungen) verbessert darüber hinaus die
Erfolgsaussichten des multimodalen Therapieansatzes. Dies machte Dr. David
Michelson, Indianapolis, auf der 156. Jahrestagung der American Psychiatric
Association (APA) deutlich. Plazebo-kontrollierte Studien haben gezeigt,
dass Atomoxetin alle Symptome von ADS/ADHS signifikant reduziert und auch in
der Langzeitanwendung gut verträglich ist. Mit Atomoxetin wurde in den USA
im November 2002 erstmals als eine Substanz zugelassen, die nicht dem
Betäubungsmittelgesetz unterliegt. Als einziges Medikament hat es dort die
Zulassung zur Therapie von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Die
Markteinführung in Deutschland wird für 2005 erwartet.
Hintergrund: Studie
Eine zentrale Forderung von Ärzten und Eltern ist eine gleichmäßig
anhaltende Normalisierung der Verhaltensauffälligkeiten über den ganzen Tag.
Für Atomoxetin verstärken neue Studiendaten die medizinische Evidenz, dass
mit einer täglichen Einmalgabe eine stabile Einstellung der Kinder und
Jugendlichen bis zum nächsten Einnahmezeitpunkt ermöglicht wird. Auf dem
APA-Kongress wurden die Ergebnisse einer aktuellen randomisierten
Plazebo-kontrollierten doppelblinden Multicenterstudie vorgestellt, in der
197 Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren mit der DSM-IV-Diagnose
einer ADS/ADHS über acht Wochen mit Atomoxetin oder Plazebo behandelt
wurden. (1) Atomoxetin wurde in einer Inizialdosis von 0,8 mg/kg KG gegeben
und konnte dann über 1,2 mg/kg KG bis auf 1,8 mg/kg KG erhöht werden
(mittlere Tagesdosis bei Studienende: 1,3 mg/kg KG). Primärer
Studienendpunkt war die Beurteilung der Wirksamkeit durch die Eltern und die
behandelnden Ärzte.
Primäre und sekundäre Parameter zeigten übereinstimmend eine signifikante
Überlegenheit von Atomoxetin vs. Plazebo (p < 0,1). Der schnelle
Wirkeintritt von Atomoxetin resultierte in einer signifikant besseren
Gesamtbewertung beider Gruppen bereits nach dem ersten Tag (p < 0,001).
Emotionale Entlastung für Eltern und Kinder
Tageszeitliche Schwankungen und Exazerbationen der Symptomatik, besonders
gegen Abend und vor der nächsten Einnahme, sind für Patienten und Angehörige
eine vermeidbare zusätzliche Belastung. Für Studienleiter Dr. Douglas
Kelsey, Indianapolis, ist daher die kontinuierliche Wirkung über den ganzen
Tag ein wichtiger Fortschritt: "Wir beobachteten eine höhere Wirksamkeit zu
den Tageszeiten, die für Kinder und Jugendliche besonders wichtig sind,
insbesondere in der ersten Tageshälfte und in der Schule. Die Wirksamkeit
hielt aber auch über die Abendstunden und bis zum Einschlafen an, ohne dass
es bis zur nächsten Einnahme zu einem größeren Wirkungsabfall gekommen
wäre." Dr. Kelsey sieht in der täglichen Einmalgabe auch für die Eltern eine
große emotionale Entlastung: "Die Eltern können jetzt ihren Kindern helfen,
den Tag bei stabiler Einstellung zu verbringen, und werden dabei nur einmal
an die Erkrankung erinnert." Die Auswertung von drei doppelblinden Plazebo-
kontrollierten Studien belegt, dass die Kinder und Jugendlichen neben ihrer
funktionalen Besserung auch eine signifikante Verbesserung ihres psycho-
sozialen Funktionsniveaus in einer Reihe verschiedener Domänen zeigen. (2)
Diese Beobachtungen werden durch die Ergebnisse der ersten kontrollierten
klinischen Studie mit Atomoxetin bestätigt, in der die Bewertung des
Verhaltens mittels ADHD-RS-Skala durch die Lehrer der primäre
Wirksamkeitsparameter war. (3) 153 Kinder zwischen acht und zwölf Jahren
erhielten in der siebenwöchigen randomisierten Doppelblindstudie Atomoxetin
oder Plazebo. Die mit Atomoxetin behandelten Kinder schnitten in allen
primären und sekundären Beurteilungsskalen signifikant besser ab als die
Plazebo-Gruppe. Eine Langzeitstudie über 52 Wochen bestätigt, dass die in
der Akuttherapie erreichten funktionalen Verbesserungen langfristig
anhalten. (4)
Einzigartiges Wirkprinzip
Atomoxetin hat als hochselektiver Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer ein
anderes Wirkprinzip als die Medikamente, die bislang zur Behandlung von
ADS/ADHS eingesetzt werden. Im Gegensatz zu Psychostimulanzien wie
Methylphenidat beeinflusst es nicht die dopaminerge Transmission. Vielmehr
normalisiert es die zentrale Steuerung von Aufmerksamkeit und Impulsivität
über eine Modulation des noradrenergen Systems. Aus diesem einzigartigen
Wirkprofil wird auch das breite Wirkspektrum abgeleitet. Atomoxetin wirkt im
Gegensatz zu anderen Nicht-Stimulanzien beim vorwiegend unaufmerksamen
ADS/ADHS-Subtyp vergleichbar gut wie beim kombinierten Typ. Darüber hinaus
gibt es bei Atomoxetin keinerlei Hinweis auf eine Abhängigkeitsentwicklung.
Gute Verträglichkeit, hohe Akzeptanz
Atomoxetin zeigt in klinischen Studien ein gutes Sicherheits- und
Verträglichkeitsprofil. Die Abbruchrate wegen unerwünschter Effekte lag in
den Studien insgesamt bei vier Prozent. Häufigste Nebenwirkungen waren
Appetitmangel, Magenschmerzen und Übelkeit. Klinisch relevante
Schlafstörungen, die unter Stimulanzien auftreten können, wurden unter
Atomoxetin nicht beobachtet. Seit der Einführung von Atomoxetin in den USA
wurden bis Ende Mai über 700.000 Verschreibungen ausgestellt. Der große
therapeutische Nachholbedarf sowie die hohe Akzeptanz werden durch die
Tatsache unterstrichen, dass Atomoxetin in den ersten drei Monaten häufiger
verschrieben wurde als jedes andere neu eingeführte ZNS-Präparat.
Quellen: 156. Jahrestagung der American Psychiatric Association,
San Francisco, 17. bis 22. Mai 2003
(1) Kelsey D, Sumner C, Virginia Sutton V et al.: Oncedaily Atomoxetine in
Childhood ADHD: Continous Symptom Relief.
(2) Faries D, Perwien A, Sumner C et al.: Effects of Atomoxetine on the
Quality of Life of Children with ADHD.
(3) Kratochvil CJ: Treatment Options In ADHD: Placebo-Controlled Study Of
Once-Daily Atomoxetine In the School Setting.
(4) Michelson D, Zhang S, Buitelaar J et al.: Results from a Longterm Trial
of Atomoxetin in the Prevention of Relapse in ADHD.
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IMPRESSUM
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