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Redaktion 10.02.2004
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PRESSEWORKSHOP - 17.06.2003 - Rheinischen Kliniken Düsseldorf

Zwischen Stigma und Integration



Mehr Wissen, weniger Vorurteile -
höhere Heilungschancen

(naps/rh). Im Fokus des jüngsten Presseworkshops „Zwischen Stigma und Integration“ der Rheinischen Kliniken Düsseldorf und des Vereins "Open The Doors" stand die Vorstellung neuer Therapieansätze für Menschen mit einer schizophrenen Erkrankung. Das Interesse an der Veranstaltung war größer als von den Organisatoren erwartet: etwa 30 Journalisten von Fach- und Medienverlagen nahmen teil. Prof. Dr. Wolfgang Gaebel, Ärztlicher Direktor der Rheinischen Kliniken Düsseldorf, Klinik der Heinrich-Heine-Universität, und Vorsitzender des Vereins "Open The Doors" e.V., erklärte: "Umfragen im Rahmen unserer Antistigma-Arbeit haben ergeben, dass drei Viertel der Befragten nichts über die Ursachen der Schizophrenie wissen." Mehr Wissen und in der Folge weniger Vorurteile erhöhen die Heilungschancen, so das Fazit des Presseworkshops.


Lesen Sie hier nachstehend eine Zusammenfassung der Hintergrundinformationen zum Presseworkshop vom 17.6.2003 in Düsseldorf.



Vorurteile behindern die Rehabilitation -
Psychoedukation als neuer Therapieansatz

In Deutschland erkranken etwa 800 000 Menschen mindestens einmal im Leben an Schizophrenie - immerhin ein Prozent der Bevölkerung.

Etwa 10 bis 15 Prozent der Betroffenen begehen Suizid. Die psychische Erkrankung Schizophrenie ist immer noch mit großen Vorurteilen belegt, die zu Stigmatisierung und Diskriminierung Betroffener führen. Neue Therapiekonzepte, wie die Psychoedukation in Verbindung mit modernen Medikamenten, erhöhen die Heilungschancen und verbessern die Reintegration psychisch kranker Menschen in die Gesellschaft.

Bei der Psychoedukation werden Betroffene und Angehörige in Gruppen mit den Grundlagen der Erkrankung und den erforderlichen Behandlungsmaßnahmen vertraut gemacht. Die Teilnehmer haben außerdem Gelegenheit zum Austausch von persönlichen Erfahrungen. Der Stellenwert psychoedukativer Arbeit neben einer modernen pharmakologischen Therapie hat in der Behandlung von Menschen, die an Schizophrenie erkrankt sind, erheblich zugenommen.

Eine Studie der Technischen Universität München zeigte anhand von 236 schizophren erkrankten Patienten und deren Familien, dass sich die Wiederaufnahmerate im ersten Jahr nach der Entlassung aus einer psychiatrischen Klinik nahezu halbieren lässt. So waren von der Patientengruppe, die an psychoedukativen Verfahren teilgenommen haben, nur 21 Prozent wieder in eine Klinik zurückgekehrt. In einer Kontrollgruppe ohne Psychoedukation waren es 38 Prozent. Auch nach sieben Jahren konnte mit 55 zu 88 Prozent noch ein signifikanter Unterschied nachgewiesen werden.

Darüber hinaus wurden die stationär verbrachten Krankenhaustage deutlich reduziert. Diese betrugen durchschnittlich 75 Tage pro Patient mit Psychoedukation gegenüber 225 Tagen in der Kontrollgruppe ohne psychoedukative Maßnahmen. "Diese Erfolge sind nur möglich, wenn die Patienten und ihre Familienangehörigen frühzeitig mit der Erkrankung und den Prinzipien der Behandlung vertraut gemacht werden", erklärt Dr. med. Josef Bäuml, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Technischen Universität München. Hinzu kämen außerdem die positiven Effekte der medikamentösen Therapie mit modernen Antipsychotika - den sogenannten atypischen Neuroleptika. Diese Medikamente haben deutlich weniger Nebenwirkungen. "Die Kombination moderner Pharmakotherapie mit psychoedukativen Maßnahmen erhöht bei den Patienten die Akzeptanz gegenüber der Einnahme erforderlicher Medikamente und ermöglicht so einen deutlich besseren Therapieverlauf", so Dr. Bäuml.



Europaweites "Patient Empowerment Program"

Aufbauend auf den Erfahrungen der Münchner Studie wurde in Kooperation mit anderen westeuropäischen Staaten ein "Patient Empowerment Program" entwickelt, um eine länderübergreifende, untereinander kompatible Behandlungsphilosophie zu etablieren. Dadurch sollen die therapeutischen Kräfte gebündelt und mit entsprechender Überzeugungskraft bei der Behandlung der Patienten und der Unterstützung ihrer Angehörigen eingesetzt werden. "Wir erwarten damit neben der mittlerweile deutlich verbesserten Kurzzeitprognose, künftig auch die Langzeitprognose unserer Patienten positiv beeinflussen zu können", so Dr. Bäuml. Das "Patient Empowerment Program" setzt dabei auf drei Faktoren: Die Verbesserung der Kompetenz der Patienten im Umgang mit ihrer Erkrankung, die Stärkung der schützenden Funktion der Familien und die geringen Nebenwirkungen der atypischen Neuroleptika. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema sind geplant. Ziel ist es, auch weniger motivierten und weniger einsichtigen Patienten mit speziellen Behandlungselementen zu helfen, die Möglichkeiten der heutigen Behandlungsoptionen zu nutzen.



Aufklärung statt Ausgrenzung -
Der Verein "Open The Doors" e.V.

Ein verbessertes Wissen über die Erkrankung sollte neben den Betroffenen und ihren Angehörigen auch der allgemeinen Öffentlichkeit vermittelt werden. Psychisch kranke Menschen leiden unter weit verbreiteten Vorurteilen und falschen Vorstellungen in der Bevölkerung. Einseitige und falsche Darstellungen in den Medien vermitteln ein verzerrtes und nicht selten Angst erzeugendes Bild von psychisch kranken Menschen und der Psychiatrie im Allgemeinen. Ausgrenzung und Diskriminierung sind die Folge. Darüber hinaus entsteht ein Vertrauensverlust gegenüber der Psychiatrie und ihrer Behandlungsmethoden, was wiederum häufig das rechtzeitige Aufsuchen eines Arztes verhindert. Für ein besseres Wissen über die Krankheit, engagiert sich in Deutschland der Verein "Open The Doors" e.V. als Teil des internationalen Programms "Schizophrenie - Open The Doors", das der Weltverband für Psychiatrie 1998 gestartet hat.

Unter dem Dach des Vereins finden in sieben lokalen Projektzentren verschiedene öffentliche Veranstaltungen wie Kunstausstellungen, Lesungen, Vortragsreihen und Filmabende mit dem Ziel statt, über die Krankheit Schizophrenie aufzuklären und so Vorurteile abzubauen.

"Umfragen im Rahmen unserer Antistigma-Arbeit haben ergeben, dass drei Viertel der Befragten nichts über die Ursachen der Schizophrenie wissen", erklärt Prof. Dr. Wolfgang Gaebel, Ärztlicher Direktor der Rheinischen Kliniken Düsseldorf, Klinik der Heinrich-Heine-Universität und Vorsitzender des Vereins "Open The Doors" e.V. Die Aufklärungsarbeit des Vereins richtet sich an unterschiedliche Zielgruppen - von Schülern bis zum Pflegepersonal, von Journalisten bis zu Polizisten. "Die Erfolge unserer Arbeit werden mit bundesweiten und lokalen Einstellungsumfragen in der Bevölkerung und in speziellen Zielgruppen geprüft", betont Anja Baumann, Koordinatorin des gesamten Antistigma-Programms in Deutschland. "Open The Doors ist keine kurzfristige Kampagne", so Baumann, "sondern ein Aufklärungsprogramm mit langem Atem, um Stigma und Diskriminierung nachhaltig zu reduzieren. Die ersten Ergebnisse, die wir erzielen konnten, stimmen uns optimistisch."



Moderne Arbeitstherapie: Training für das Leben

Eine wichtige Aufgabe in der Behandlung psychisch kranker Menschen ist die Vorbereitung auf ein weitgehend selbstständiges Leben außerhalb der Klinik, denn das selbst organisierte Wohnen und Arbeiten bildet einen wichtigen stabilisierenden Faktor, der Rückfälle verhindern soll. In der modernen Rehabilitation werden psychisch erkrankte Menschen unter anderem mit Hilfe der Arbeitstherapie auf ein Leben nach dem Klinikaufenthalt vorbereitet.

An der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf besteht ein breites Angebot aus Holzwerkstätten, Gärtnerei und lndustriemontage. Monatlich werden hier rund 100 Patienten aus dem stationären und teilstationären Bereich der Klinik betreut. Die Patienten trainieren grundlegende soziale und berufliche Fähigkeiten. "Wir helfen den Menschen, ihre Antriebslosigkeit zu überwinden und unterstützen sie darin, wieder Zuversicht in ihre eigenen Fähigkeiten zu erlangen", berichtet Dipl.-Psych. Reinhard Greis Maibach, Leiter der Abteilung für Rehabilitation in der Düsseldorfer Klinik. In manchen Fällen ermöglicht die Arbeitstherapie den Patienten auch, erste Schritte in Richtung einer beruflichen Eingliederung zu unternehmen. Dafür bestehen Kontakte zum Arbeitsamt und zu örtlichen Firmen, die Praktikumsplätze für Patienten zur Verfügung stellen. Aber auch alltägliche Tätigkeiten im Haushalt werden in der Arbeitstherapie trainiert. In einer Übungsküche lernen die Patienten, sich selbst wieder zu versorgen. Die Arbeitstherapie kann auch nach der Entlassung aus der regulären Klinikbehandlung fortgesetzt werden. So können Patienten, die durch einen niedergelassenen Psychiater ambulant behandelt werden, die Angebote der Arbeitstherapie in der Klinik weiter nutzen.



Antistigma-Förderpreis verliehen

Die Wiedereingliederung psychisch kranker Menschen in die Gesellschaft und der Abbau von Vorurteilen in der Öffentlichkeit wäre ohne das Engagement zahlreicher Selbsthilfegruppen kaum denkbar. Eine davon ist der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker e.V. (LApK M-V e.V.). Die Mitglieder dieser Gruppe engagieren sich in der Angehörigen- und Betroffenenberatung und bringen seit einigen Jahren die Zeitschrift "Lichtblick" heraus, die mit ihrem Internet -Ableger "Lichtblick-Newsletter" monatlich tausende Menschen erreicht.

Mit professionell aufbereiteten Texten informiert "Lichtblick" Betroffene wie Nicht-Betroffene, Laien wie Professionelle über aktuelle Ereignisse aus der Psychiatrie. Die Publikation liefert Hintergrundinformationen zu verschiedenen Krankheitsbildern und klärt gezielt auf, wenn beispielsweise durch unsachgemäße Berichterstattung in den Medien Vorurteile und falsche Vorstellungen über psychische Krankheiten entstehen. Der Verein erhielt für seine engagierte Arbeit jetzt den erstmals verliehenen Antistigma-Förderpreis des Vereins "Open the doors" e.V. und der Firma Sanofi-Synthelabo.

"Die Arbeit des Vereins ist ein wichtiger Bestandteil zur Entstigmatisierung psychisch kranker Menschen und der Psychiatrie allgemein. Die Mitglieder leisten damit auch einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Heilungschancen für psychiatrische Patienten. Dies gilt es, tatkräftig zu unterstützen", erklärte Prof. Wolfgang Gaebel, Vorsitzender des Vereins "Open the doors" e.V., der den Preis überreichte.

Lichtblick Porträt




Prof Gaebel
Prof. Dr. Wolfgang Gaebel, Ärztlicher Direktor der Rheinischen Kliniken Düsseldorf, Klinik der Heinrich-Heine-Universität, und Vorsitzender des Vereins "Open The Doors" e.V.





Dr. med. Bäuml
Dr. med. Josef Bäuml, Leitender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der TU München.






















































open the doors
Für ein besseres Wissen über die Krankheit Schizophrenie engagiert sich in Deutschland der Verein "Open the doors" e.V.

KONTAKT: "open the doors" e.V.
Anja Baumann, M.A., Programm-Koordinatorin
Rheinische Kliniken Düsseldorf
Kliniken der Heinrich-Heine-Universität
Bergische Landstr. 2
40629 Düsseldorf

Tel. 0211 - 922-2777
Fax 0211 - 922 2776


Schizophrenie-Hotline

jeweils mittwochs von 12.00 - 14.00 Uhr
zum Ortstarif: 01801 - 72 44 96












Gärtnerei
Eine Stufe der Rehabilitation in der Praxis: Journalisten besuchen die Gärtnerei und die Werstätten der Rheinischen Kliniken.
















Scheckübergabe
Überreichung des gemeinsamen Antistigma-Förderpreises des Vereins „Open The Doors" und der Firma Sanofi-Synthelabo an den Landesverband Mecklenburg-Vorpommern der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker e.V.: Prof. Dr. Wolfgang Gaebel ("Open the doors"), Roland Hartig, Rita Zastrow (beide LApK M-V, Lichtblick) und Michael Grübl (Sanofi-Synthelabo), v.l.n.r.


Fotos: Birgit Gärtner, Miriam Henn


Ausgewählte Webseiten zum Thema

Kompetenznetz-Schizophrenie
http://www.kompetenznetz-schizophrenie.de

PsychoseNetz e.V. - Verein zur Förderung der Ziele im Kompetenznetz Schizophrenie
http://www.psychosenetz.de

Irrsinnig Menschlich e.V. - Verein für Öffentlichkeitsarbeit in der Psychiatrie
http://www.irrsinnig-menschlich.de

Früherkennungszentrum Bonn
http://www.zebb.de

Früherkennungszentrum Düsseldorf
http://www.uni-duesseldorf.de/psychkliniken/FEZ/FEZ_Homepage.html

Früherkennungszentrum München
http://www.med.uni-muenchen.de/psywifo/fetz


Weiterführende Informationen zur Kampagne "Schizophrenie - open the doors"

http://psywifo.klinikum.uni-muenchen.de/open/
http://www.openthedoors.de
http://www.openthedoors.com





Danksagung und Glückwünsche zum Antistigma-Förderpreis

Im Namen des Landesverbandes M-V der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker e.V. möchte ich
dem Verein "Open The Doors" e.V. und der Firma Sanofi-Synthelabo ganz herzlich dafür danken, dass der
erstmals verliehene Antistigma-Förderpreis auf Anhieb nach Rostock ging. Dieser Preis freut uns sehr -
gerade im zehnten Jahr des Bestehens unseres Verbandes. Er würdigt alle, die unser Projekt "Lichtblick-
Newsletter" und die Printausgabe in den letzten Jahren mitgetragen haben.

Psychiatriethemen können, wenn sie richtig aufbereitet sind, eine aufklärende Wirkung erzielen.
Bestes Beispiel: "Open the doors", "BASTA" und "Irrsinnig Menschlich". Auch künftig wirkt der "Lichtblick"
bei der Suche nach guten Beispielen mit und hilft so, eine noch breitere Öffentlichkeit zu erreichen.
In diesem Sinne wird das Preisgeld gut angelegt.

Mit herzlichen Grüßen aus Rostock
Ulrike Schob
Vorsitzende
vorstand@lichtblick-newsletter.de





Liebes Lichtblick - Team!

Herzliche Grüße aus dem Landkreis Ostvorpommern und der Hansestadt Greifswald an den Landesverband M-V
der Angehörigen und Freunde psychisch Kranker e.V. und vor allem Glückwunsch zum Erhalt der Auszeichnung
des Antistigma - Förderpreises des Vereins "Open The Doors" e.V.!
Macht weiter so mit dem "Lichtblick - Newsletter". Das ist echte Hilfe und Aufklärung.
Mir wird das in meiner Angehörigengruppe und von vielen Betroffenen immer wieder bestätigt!

Liebe Grüße
besonders an Thomas Greve
von Heike Kubik

Psychiatriekoordinatorin
des LK Ostvorpommern und der Hansestadt Greifswald





Sehr geehrter Herr Hartig und Kollegen,

nehmen Sie auch von mir einen herzlichen Glückwunsch zum Erhalt des Antistigma-Förderpreises entgegen!
Ich bin interssierte Leserin Ihres "Lichtblick" und freue mich für Sie über diese Anerkennung Ihrer Arbeit.
Die Aktualität der Beiträge - und auch kontroverser Dialoge - sind für die Angehörigenarbeit Ansporn
zu Diskussionenund kritischem Überdenken ihrer Erfahrungen.

Mit besten Grüßen und herzlichem Dank,

Ihre A.Fischer
Aktionsgemeinschaft Stuttgart der
Angehörigen psych.Kranker e.V.





Gratuliere allen Newsletter-Leuten und besonders Ihnen, Herr Hartig,
zum Anti-Stigma-Preisund schließe mich der Laudatio von Prof. Gaebel
und Sanofi-Synthelabo an.Sie und der Mecklenburger LV haben es verdient.

Mit herzlichen Grüßen
Eva Straub
1. Vorsitzende
Landesverband Bayern der
Angehörigen psychisch Kranker e,V.
www.lvbayern-apk.de





Herzlichen Glückwunsch zum Preis!!

Es hat wirklich die Richtigen getroffen,
ich freue mich mit Euchbzw.Ihnen.

Manfred Voepel
Sozialdienst KNO Hamburg





Der Lichtblick ist wirklich gut zum Informieren, Schlaumachen und Nachdenken!

Dr. Manuela Richter-Werling

Irrsinnig Menschlich e.V., Johannisallee 20, 04317 Leipzig
www.irrsinnig-menschlich.de






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